Vor 10 Jahren: Schnee-Überraschung am 04.11.2009

Die Wetterlage am 04.11.2009
Bildquelle: WetterOnline , https://www.wetteronline.de/wetternews/erster-schnee-im-nordosten-kurze-weisse-winterueberraschung-2009-11-04-mv

Am frühen Morgen des 04.November 2009 ahnte kaum jemand, dass wenige Stunden später eine mehrere Zentimeter hohe Schneedecke die Landschaft einhüllen würde. Selbst einige Wettermodelle und Vorhersagedienste hatten den frühen Wintereinbruch nicht auf dem Schirm und prognostizierten lediglich vorübergehenden Schneeregen.

Am Rande von Hoch „Antonia“, mit Schwerpunkt über dem Westen Russlands anzutreffen, sickerte mit östlichen Winden beginnend am 3. im äußersten Nordosten bodennah polare Kaltluft von Polen ein. Die gleichzeitig nordostwärts vorankommende Okklusion von Tief „Cassen“ stellte eine Luftmassengrenze da (zog in die Kaltluft hinein) und lieferte die notwendige Hebung sowie Feuchtigkeit für den ersten Flachlandschnee der Wintersaison. In Goldberg fielen stolze 13 cm Neuschnee innerhalb von zwölf Stunden, Rostock und Greifswald meldeten am Abend des 04.November jeweils 7 cm. Beachtlich war, dass ein Großteil des Schnees tagsüber fiel und liegenblieb. Noch am Morgen bewegten sich die Lufttemperaturen in Mecklenburg-Vorpommern im leichten Plusbereich, doch mit Ostwind wurde zunehmend kältere Luft aus Polen advehiert und zudem wirkte die Niederschlagsabkühlung, sodass die Werte zum Mittag weiter sanken und teils unter den Gefrierpunkt absackten.

Bis zu 13 cm Schnee am Morgen des 05.11.2009 zwischen Schwerin und Güstrow. Am Vorabend dürften lokal noch einige Zentimeter mehr gelegen haben.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/20091105-0600z.html
Leichter Frost zur Mittagszeit von Rostock bis Uecker-Randow, an der Ostküste etwas milder, da hier der Ostwind über das Meerwasser kommt.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/temperatur/20091104-1300z.html

Die Krux für die Meteorologen bestand bei dieser Wetterlage darin, abzuwägen wie schnell die bodennahe Kaltluft gen Osten abgedrängt wird. Die meisten Dienste sind die Mild- bzw. Regenschiene gefahren, doch die Front konnte sich nur langsam voran arbeiten und generierte zudem recht intensive Hebung (durch WLA, Warmluft gleitet auf Kaltluft auf) und somit mäßige Niederschläge als Schnee.

Das weiße Winterkleid hielt sich jedoch nicht lange, in der Nacht zum 05. suppte von Südwesten schließlich die feuchtmilde Luft ein und Tauwetter setzte sich durch. Am Mittag meldeten die Wetterwarten in Schwerin, Warnemünde und Greifswald noch Schneeflecken, am 06.11.2009 erinnerte nichts mehr an das verfrühte Winter-Intermezzo.

Ein beachtliches Ereignis war es dennoch, in der ersten Novemberdekade ist die Ausbildung einer Schneedecke mit über 10 cm als selten einzustufen. Im Durchschnitt kommen alle 18 Jahre solche Schneemengen bereits einmal Ende Oktober/Anfang November in Mecklenburg-Vorpommern vom Himmel.

Selbst direkt an der Ostseeküste, nämlich vom Darß über Warnemünde bis Kühlungsborn reichte es für einen winterlichen Anblick und Schneehöhen bis 8 cm. Das Ostseewasser war zwar wie gewöhnlich noch recht mild (8 bis 10°C), spielte aber keine Rolle, da diese Küstenabschnitte genau wie das Binnenland mit Ost-/Südostwind (ablandig) von einer kontinentalen Kaltluftmasse beeinflusst wurden. Somit ging der 05.11.2009 (Klimatermin um 07 Uhr ist maßgeblich, dort wird die Schneehöhe bestimmt) als drittfrühester Schneedeckentag an der Wetterwarte Warnemünde in die Statistik ein. Die Messreihe beginnt im Sommer 1946. Nur im Jahre 1966 konnten die Wetterbeobachter im Ostseebad zu einem früheren Zeitpunkt eine geschlossene Schneedecke vermelden, nämlich am 02. und 03.November.

Bilder vom Schnee aus MV:

Plauer See
Quelle: http://www.camping-alt-schwerin.de/webcam.html
Güstrow
Quelle: WetterOnline, Bild: Angela Langner
Wismar
Quelle: WetterOnline, Bild: Reinhold Krakow

Abendhimmel im Oktober 2019

Zugegeben, die Auswahl ist nicht ganz repräsentativ für das Wetter des zu Ende gehenden Monats. Neben sonnigen Herbsttagen mit farbenfrohen Sonnenuntergängen gab es auch einige trübe und regnerische Episoden.

Alle Bilder sind in Warnemünde aufgenommen worden.

08.Oktober (18:50 Uhr)

Die DWD-Webcam in der Seestraße fing etwa 20 min zuvor diese Ansicht ein:

11.Oktober (19:10 Uhr)

29.Oktober (18:50 Uhr)

Am Monatsanfang bildete sich zum 04./05.Oktober der Lake-Effekt an der Ostsee aus. Über dem noch vergleichsweise warmen Meerwasser bildeten sich in der eingeflossenen Polarluft zahlreiche Schauer, welche sich mit Nordost-Strömung strichweise Richtung Küste bewegten. Hierzu zwei Bilder vom Warnemünder Strand:

Ein weiteres meteorologischer Highlight war die sommerlich anmutende Gewitterfront vom 18.10., welche mit zahlreichen Blitzen, Sturm und Starkregen über MV zog und auch Warnemünde tangierte. Leider war es nicht möglich dieses Ereignis vor Ort zu fotografieren.

Kaltfront mit kräftigen Gewittern am Freitag- Berichte über Tornados

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/stormtracking/mecklenburg-vorpommern/blitze-radarhd/20191018-1450z.html

Mit viel Dynamik zog am 18.Oktober eine Kaltfront von SW nach NO über Norddeutschland hinweg. An ihr konnten sich linienartig für die Jahreszeit ungewöhnlich zahlreiche und kräftige Gewitter bilden. Außerdem traten schwere Sturmböen auf und in Nordwestmecklenburg sowie auf der Insel Rügen gibt es einen Tornadoverdacht. Mehrere Faktoren begünstigten diese warnrelevanten und gefährlichen Wetterereignisse:

Unsere Region befand sich auf der Vorderseite eines hochreichenden umfangreichen Tiefdrucksystems mit Kern über den britischen Inseln. Von diesem Tief verlaufen Frontensysteme ostwärts, so auch die angesprochene Kaltfront am vergangenen Freitag.

Quelle: https://img.wetterkontor.de/wetterlage/20191018.jpg

Im Vorfeld strömte sehr milde Meeresluft ein und die 2m-Temperaturen erreichten in Mecklenburg-Vorpommern 16 bis 19°C. Zudem war die Luft beachtlich feucht und instabil geschichtet. Es wurde markante Hebung durch das übergreifende Frontensystem generiert. Die Werte der vertikalen Windscherung lagen zudem auf hohem Niveau, was die gut organisierte, linienförmig auftretende Schauer- / und Gewitterlinie erklärt und zudem für ein leicht erhöhtes Tornadopotenzial sorgte. Vereinfacht gesagt, gab es abrupte Änderungen der Richtung und/oder der Geschwindigkeit des Windes in den verschiedenen Luftschichten mit der Höhe. In 850 hPa (1,5 km Höhe) wurden Oberwinde von 45 bis 50 Knoten analysiert, welche während des Frontdurchganges und der kurzen kräftigen Niederschläge herabgemischt wurden. Die Energiewerte der Luft (CAPE) lagen mit bis zu 200 J/kg nicht überbordend hoch, doch dies ist nicht der entscheidende Faktor bei solchen Fronten.

Gegen 16 Uhr näherte sich die Schauer- und Gewitterfront Westmecklenburg. Das Organisationsgrad konnte als sehr gut beschrieben werden, starke Echos und kleine Bogensegmente inklusive. Somit rückte der Wind als maßgeblicher Warnfaktor in den Vordergrund. Bereits in Niedersachsen und S-H meldeten Wetterstationen 9er bis 10er-Böen von 75 bis 100 km/h. Außerdem wies der Linie eine für Mitte Oktober beeindruckende Blitzaktivität auf. Zeitweise wurden zwischen Klützer Winkel und Landesgrenze zu Brandenburg 400 Blitze in nur 30 Minuten registriert.

Mit Vorankommen nach Osten intensivierte sich die Front über Mecklenburg vorübergehend sogar. Immer wieder war auch mäßige bis starke Rotation an den Zellen feststellbar. Die Landeshauptstadt Schwerin traf es gegen 17 Uhr, die dortige DWD-Wetterwarte meldete eine schwere Sturmböe der Stärke 10 mit 97 km/h. Eine knappe Stunde ging es in Rostock mit Starkregen, kleinem Hagel und einzelnen stürmischen Böen los. Nach 10 Minuten setzte wieder Wetterberuhigung ein. Viele Computermodelle simulierten ein Abschwächen bzw. Zerfallen der Front in Vorpommern, doch selbst im Raum Stralsund und Greifswald erhellten am Abend noch Blitze den Himmel.

Spitzenböen MV 18.10.2019
97 km/h Schwerin
90 km/h Arkona/Rügen
90 km/h Goldberg
82 km/h A20-Mölenbarg (Nordwestmecklenburg)
81 km/h Lübstorf
78 km/h Rostock-Hinrichsdorf
75 km/h A14-AS Schwerin-Nord
70 km/h Wismar

Regional verursachten die hohen Windgeschwindigkeiten Schäden. Unklar ist, ob sich auch der ein oder andere kurzlebige Tornado entwickeln konnte. Medienberichten zufolge soll dies in Groß Salitz bei Grevesmühlen und in Sellin auf der Insel Rügen der Fall gewesen sein. Doch beide Fälle sind noch nicht abschließend geprüft, klare Belege für einen Tornado sind bislang nicht erbracht. Leider ist selbst im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mittlerweile bei kleinräumigen Sturmschäden nach Durchzug von Schauern und Gewittern immer sofort das „T-Wort“ zu lesen oder aber das W-Wort (=Windhose). Letzteres klingt verharmlosend, meint aber dasselbe Phänomen.

Bei beiden Verdachtsfällen ist auch ein Downburst (Fallböen) als Ursache für die Vegetations- und Gebäudeschäden denkbar. Um Klarheit zu schaffen, sind genaue Augenzeugenberichte, Foto- und Videodokumentation und eine Untersuchung des Schadensmusters sowie Auswertung meteorologischer Daten erforderlich. Solche Nachforschungen stellt die TAD- Tornadoarbeitsgruppe Deutschland- bzw. die Tornadoliste Deutschland unter Leitung von Thomas Sävert an.

Ein wenig Theorie- Was ist der Unterschied zwischen einem Tornado und einem Downburst?

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=5lUgDQRkkvM

Bei einem Tornado handelt es sich um eine rotierende Luftsäule mit Bodenkontakt. Es existieren diverse Begrifflichkeiten (Großtrombe, Windhose, Twister), wobei alle das gleiche Phänomen beschreiben. Auf die Entstehungsfaktoren soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. Typischerweise sind Tornadoschäden auf eine schmale Schneise von wenigen hundert Metern begrenzt. Durch die Rotation und daher schnell wechselnder Windrichtung beim Durchzug eines Tornados können Gegenstände umherfliegen und leicht zu Geschossen werden. Außerdem sind weite Verfrachtungen möglich. Unterschiedliche Fallrichtungen von Bäumen sprechen ebenfalls für einen Tornado.

Der Downburst dagegen ist durch eine lineare Ausbreitung gekennzeichnet. Es handelt sich um einen Abwindstrom, zu beschreiben als starken horizontalen Kaltluftausfluss. Diese Fallwinde schießen „raketenartig“ Richtung Boden und können Orkanstärke bis zu 200 km/h erreichen.

Eine erste Zusammenstellung meinerseits:

Verdachtsfall 1- Groß Salitz bei Grevesmühlen

Hier sollen laut NDR 20 Tannen und mehrere alte Linden schwer beschädigt worden sein. Außerdem sei das Dach einer Feldscheune teilweise heruntergerissen worden. Interessant wäre, ob das Fallmuster der Bäume konvergent verläuft, also ein Durcheinander herrscht und die Bäume/Äste in verschiedene Richtungen fielen. Außerdem ist fraglich, ob Sturmschäden auf einem größeren Gebiet auftraten oder innerhalb einer Schneise. Die Winddaten der umliegenden Wetterstationen enthalten Böen von 80 bis knapp 100 km/h- das kann ausreichen um Bäume umzulegen, wenn es ungünstig läuft (abrupt einsetzende Böen, zudem seltene Sturmrichtung aus S/SW). Bildmaterial aus der Gegend zeigt jedoch auch verdächtige rotierende Strukturen am Himmel, sodass eine Tornadobildung keineswegs ausgeschlossen ist.

Verdachtsfall 2- Sellin auf Rügen

Ein rotierender Luftwirbel, sprich ein Tornado, ist anhand der Beschreibungen von Augenzeugen durchaus möglich: In der Ostsee-Zeitung berichten diese u.a. von der Verfrachtung eines Fahrradschuppens sowie durch die Luft fliegende Gegenstände. Außerdem stürzten mehrere Bäume um, die Seebrücke wurde beschädigt und Dachplatten seien 60 bis 70 m weit geflogen. Des Weiteren besteht anscheinend die Vermutung, dass der Tornado über dem Neuensiener See entstanden ist und dann ostwärts über das Seebad zog. Seltsam jedoch: Es existieren keine Bilder, welche einen charakteristischen Tornado-Rüssel zeigen. Andererseits: Nicht immer bildet dieser sich lehrbuchhaft aus und ist weithin sichtbar. Bei einem Multi-Vortex-Tornado bzw. dichtem Niederschlagsvorhang „verwischt“ die typische Struktur.

Wetter- und Klimastation Kirchdorf auf Poel

Kirchdorf ist ein Hafenort auf der Ostseeinsel Poel (LK Nordwestmecklenburg) und hat etwa 2000 Einwohner. Der Ort befindet sich etwa 11 km nördlich der Hansestadt Wismar am Nordufer des Kirchsees, einer weit in die Insel Poel einschneidenden Bucht der Ostsee.
Poel ist über einen Damm mit dem Festland verbunden und aufgrund der geringen Entfernungen zum Hinterland sowohl in südlicher wie östlicher und westlicher Richtung vergleichsweise häufig von kontinentalen Luftmassen geprägt.

Die Wetteraufzeichnungen in Kirchdorf auf Poel begannen bereits im September 1852. Somit handelt es sich um eine der ältesten Stationen Mecklenburg-Vorpommerns, nur in Rostock (1832) und Schwerin (1849) liegen die ersten Beobachtungen noch länger zurück. Zudem weisen in MV auch die Klimastationen Putbus (Rügen) und Marnitz bei Parchim über 150-jährige Beobachtungsreihen auf.
Kurz nachdem das Königlich Preußische Meteorologische Institut 1847 in Berlin gegründet wurde (von Alexander von Humboldt), erfolgte die Einrichtung der meteorologischen Station in Kirchdorf am 01.09.1852 im Poeler Pfarrhaus. Das Messprogramm umfasste zunächst Temperatur, Niederschlag und Luftdruck. 1887 erfolgte die Aufstockung der Messgeräte durch eine Fensterhütte mit mehreren Thermometern, Barometern, Haarhygrometern und einer Windfahne. 1902 kam es dann zur Verlegung der Station in die Küsterei (heutiges Heimatmuseum). Damit verbunden war die Aufstellung der klassischen englischen Wetterhütte. Darunter versteht man einen Lamellen-Kasten aus Holz, in welchem Temperatur- und Feuchteregistrierungen erfolgen. Strahlungsschutz und Ventilation sind somit gegeben.

Zehn Jahre später gab es eine weitere Stationsverlegung innerhalb Kirchdorfs in den Postgarten. Im Jahre 1945, nach Kriegsende, brach die lange Poeler Beobachtungsreihe zunächst ab.

Im Oktober 1946 wurden die Niederschlagsmessungen jedoch wieder aufgenommen. Die Suche nach einem passenden Standort für eine Klimastation 3. Ordnung erwies sich als schwierig. Letztendlich wurde die Station dann auf einem großen Gartengrundstück in der Schulstraße errichtet und ab 01.08.1955 liegen wieder vollständige Beobachtungen und Messungen vor. Seitdem hat es keine Stationsverlegungen mehr gegeben.
Am 25.09.2002 fand anlässlich des 150jährigen Jubiläums der Klimastation Kirchdorf eine Feierstunde statt. Zehn ehrenamtliche Beobachter haben seit 1852 die Wetterdaten gesammelt und somit diese wertvolle Messreihe ermöglicht.
Zum Juli 2004 erfolgte die Umstellung auf automatischen Betrieb durch die Ausstattung der Station mit dem PT 100 (Lufttemperatur) und Pluvio zur Niederschlagsmessung. Bis dahin mussten vom Wetterbeobachter morgens, nachmittags und abends zu festgesetzten Zeiten verschiedene Werte abgelesen werden. Regen und Schnee wurden in einem Niederschlagsmesser aufgefangen, weiterhin gehörten Angaben zur Windstärke, Wolkendichte, Bodenbeschaffenheit sowie Nebel, Tau, Reif, Gewitter usw. zum Programm. Dem Wetteramt Warnemünde wurde dann eine Zusammenstellung aller Daten gesandt, welche zu wissenschaftlichen Auswertungen auch an die Hauptwetterdienststelle Potsdam ging.

Stationsstandort/Bilder:

Die Station befindet sich auf 12 m ü NN am nordwestlichen Ortsrand von Kirchdorf auf einem großen Gartengrundstück etwa 2 km von der Ostsee entfernt.
Unmittelbar östlich des Messfeldes stehen recht hohe Bäume, wie auf den Luftbildern schon zu erahnen war. Hier ist der Abstand ungewöhnlich gering. Gerade bei südöstlicher Windrichtung steht der Temperaturmesser sehr geschützt, sodass sich die Wärme stauen kann. Deshalb ist eine Homogenität der Messreihe nicht gegeben, die steigenden Temperaturwerte sind teilweise den im Laufe der Jahre veränderten Umgebungsbedingungen geschuldet.

Gemessen wird hier das Wst-III-Standardprogramm (Lufttemperatur in 2 m + 5 cm über Erdboden, Luftfeuchte und Niederschlag). Im Winterhalbjahr wird durch eine ehrenamtliche Beobachterin die Schneehöhe ermittelt.

Klima/Extremwerte:
Rekordwerte der Station (seit 1852):
Wärmstes Jahr: 10,6°C 2014
Kältestes Jahr: 6,0°C 1864
Wärmster Monat: 21,9°C im Juli 2006
Kältester Monat: -10,0 °C im Februar 1929
Maximale Temperatur: 37,1 °C am 31.07.2018 und 36,6°C am 07.08.2018* => um 1 bis 1,5 K zu hoch / 35,9°C am 09.08.1992
Minimale Temperatur: -27,8 °C am 18.01.1893
Maximaler Niederschlag Tag: 96,6 mm am 09.06.1950
Maximaler Niederschlag Monat: 229,3 mm im August 1963
Maximaler Niederschlag Jahr: 845,0 mm im Jahr 2002
Minimaler Niederschlag Jahr: 379 mm im Jahr 1971
Maximale Schneehöhe: 49 cm im Februar 1940

Langjährige Mittelwerte Temperatur
1901-1950: Jahresmittel von 8,2°C
1951-1980: Jahresmittel von 8,5°C
1981-2010: Jahresmittel von 8,9°C
Langjährige Mittelwerte Niederschlag: 1961-1990 571,0 mm

Presseartikel zur Poeler Wetterbeobachtung:

file:///D:/Downloads/PIB_303_Januar_2016%20(5).pdf

https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Wismar/Poelerin-lebt-fuer-das-Wetter

Schneefall am 13./14.Oktober 2002

Winterliche Wetterkapriolen überraschten die Menschen im Osten Deutschlands Mitte Oktober 2002.

Ein kräftiges skandinavisches Hochdruckgebiet zapfte für die Jahreszeit ungewöhnlich kalte Luft aus Osteuropa an, welche sich dort zuvor angesammelt hatte. Mit östlicher Grundströmung wurde diese über Landweg bis nach Deutschland geführt. Von Westen rückten nun erste Tiefs an und schickten ihre Fronten voraus in die Kaltluft. Bei Höhenluft von -5°C in 850 hPa/1,5 km und andauerndem Ost/Südostwind fielen die Niederschläge entlang der Luftmassengrenze bis in tiefste Lagen in Sachsen, Brandenburg/Berlin und Mecklenburg-Vorpommern als Schneeregen oder reiner Schneefall.

Die weiße Pracht war bei Temperaturen um oder knapp über dem Gefrierpunkt nass und schwer, sodass es lokal gar zu umstürzenden Bäumen kam, welche zu dieser Zeit teilweise noch voll belaubt waren. Selbst direkt an der Ostsee konnten ab den Abendstunden des 13.Oktober bei ablandiger kontinentaler Windströmung Schneeflocken beobachtet werden. Die seit Juli 1946 bestehende Warnemünder Wetterwarte verzeichnete an diesem Tag das früheste Schneefallereignis.

Im Binnenland überzog eine geschlossene Schneedecke die Landschaft. In Carpin-Serrahn (71 m) bei Neustrelitz meldete der ehrenamtliche Beobachter zum Klimatermin am 14.10.2002 eine Schneehöhe von 8 cm. Auf der Insel Rügen bildete sich ebenfalls eine dünne weiße Schicht auf Straßen und Feldern. Es sind nicht viele derart frühe Wintereinbrüche mit Schneefällen in den letzten 150 Jahren bekannt. Auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern ist mit dem 11./12.10.1919 nur ein früheres Ereignis mit Ausbildung einer Schneedecke in den Klimastatistiken verzeichnet.

Am Morgen des 14.10.2002 um 08 Uhr war der Schnee teilweise bereits wieder geschmolzen, im Bereich Meckl. Seenplatte lagen noch bis zu 8 cm.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/20021014-0600z.html

Außergewöhnlich waren auch die niedrigen Lufttemperaturen am Tage des 13. und 14.Oktober 2002. Bei dichter Bewölkung, fehlender Sonnenstrahlung/geringer Globalstrahlung und zusätzlich Niederschlagsabkühlung stiegen die Werte gegenüber der Nacht kaum an und lagen beispielsweise zur Mittagszeit am 13.10. in der Müritzregion nur bei 0 bis 1°C. Selbst mitten am Tag konnte so der Schneefall liegenbleiben, besonders Richtung Brandenburg/Berlin und Sachsen.

Temp.-Messwerte am 13.10.2002 um 14 Uhr- Im Süden von MV schneite es bei lokal nur 0,5°C (Marniz bei Parchim).
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/temperatur/20021013-1200z.html

In den Folgetagen erreichte übrigens rasch deutlich mildere Luft den Nordosten. Am 16.10.2002 wurden bis zu 16°C im südlichen Mecklenburg gemessen und nichts erinnerte mehr an das verfrühte Winterintermezzo.

Niederschlagsentwicklung in MV seit 1881

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Auswertung zahlreicher Niederschlags-Mittelwerte des Deutschen Wetterdienstes für Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem erfolgt eine entsprechende Visualisierung in verschiedenen Grafiken. Betrachtet wird der Zeitraum seit 1881, der DWD schreibt zu den Gebietsmittelwerten:

Das Messnetz in Deutschland ist für die Temperatur und die Niederschlagshöhe seit Ende des 19. Jahrhunderts dicht genug, um Rasterfelder für die einzelnen Monate und daraus abgeleitete Mittelwerte zu gewinnen, sodass sich entsprechende Zeitreihendiagramme seit 1881 erstellen ließen.“

Spannend ist sicherlich die Frage: Gibt es einen Trend zu mehr Trockenheit/ Dürrejahren?  Schon auf den ersten Blick lässt sich aus den Diagrammen ableiten, dass keine klare Tendenz Richtung „trockener“ oder „nasser“ vorliegt. Auffällig ist zudem, dass schon immer eine große Variabilität vorherrschte. Die Niederschlagsausbeute schwankt von Jahr zu Jahr stark.

Viel wird über die extreme Trockensituation diskutiert, welche im Sommer 2018 ihren Ausgangspunkt hatte und auch im Verlauf diesen Jahres nicht ausreichend kompensiert werden konnte. In Vergessenheit geraten ist wohl bereits, dass 2017 der sechstnasseste Sommer in der Reihe seit 1881 war und zudem noch ein extrem niederschlagsreicher Oktober folgte, in welchem die A20 bei Tribsees nach Regentief Xavier wegbrach und selbst Anfang April 2018 in Folge der Osterschneefälle viele Äcker unter Wasser standen und mit landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen gar nicht befahren werden konnten. Danach kam die Dürre, doch wäre es nun nicht zu leicht, diese einfach dem Klimawandel in die Schuhe zu schieben? Wetter ist nicht gleich Klima! Ein einzelnes Wetterereignis kann nicht per se einer Klimaveränderung zugeschrieben werden. Dafür müssen mehrere Jahrzehnte ausgewertet werden, erst dann sind eindeutige Trends festzustellen.

Unbestritten ist, dass wir auch im Sommer 2019 eine große Trockenheit in vielen Teilen Deutschlands hatten, die 2018 auch einige Dürrerekorde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen brachte. Doch niemand weiß, ob in den nächsten Monaten bereits ergiebige Regenfälle und Hochwasser auf uns zukommen oder drei nasse Sommer in Folge bevorstehen.

Noch ein paar wichtige Hinweise zur Deutung und Interpretation der Grafiken:

Es handelt sich um Gebietsmittel, somit können diese Daten nicht auf einzelne Orte/Regionen in Mecklenburg-Vorpommern übertragen werden. Lokal kann es natürlich deutlich nasser oder trockener gewesen sein, zumal Niederschläge manchmal örtlich eng begrenzt auftreten. Schon ein Sommergewitter kann punktuell enorme Regenmengen bringen, während einige Kilometer entfernt kaum ein Tropfen fällt.

Bezüglich des Gebietsmittels muss man sich vorstellen, dass der Niederschlag über ganz MV in einem Jahr/Jahreszeit geglättet wird und einzelne Extremereignisse, sowohl nach unten als auch nach oben, herausfallen. Das ist genau der richtige Weg, um Trends zu erkennen, ob es insgesamt trockener oder nasser wird.

Außerdem ist zu beachten, dass aus den Kriegsjahren teils nur wenige Messwerte vorliegen und deshalb das Landesmittel vereinzelt nicht sonderlich repräsentativ ist, beispielsweise wenn keine Stationsmeldungen aus einer niederschlagsreichen Region eingingen.

In allen folgenden Hitlisten wurden die Jahre ab 1990 orange eingefärbt, um einen möglichen Trend in den vergangenen Jahrzehnten zu sehen.

Jahresniederschlag im MV-Mittel seit 1881

Quelle: https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/niederschlagsentwicklung-in-deutschland-seit-1881/

Hitliste der Jahre – Top 20 seit 1881

Während sich bei der Temperaturentwicklung ein klarer Erwärmungstrend zeigt, ist ein Trend beim Niederschlag nicht zu erkennen. Es finden sich seit 1990 vier Jahre unter den 20 trockensten Jahren und sogar acht Jahre unter den 20 nassesten Jahren. Es gab also seit 1990 sogar mehr sehr nasse Jahre als sehr trockene Jahre. Ein Trend zu Dürrejahren gibt es also (bisher) absolut nicht.

Quelle: https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/niederschlagsentwicklung-in-deutschland-seit-1881/

Niederschlag im MV-Mittel seit 1881 – Jahreszeiten

  • März, April Mai = Frühling
  • Juni, Juli, August = Sommer
  • September, Oktober, November = Herbst
  • Dezember, Januar, Februar = Winter

Hitliste der Jahreszeiten – Top 20 seit 1881

In der folgenden Liste sind aus allen Jahreszeiten jeweils die trockensten Jahreszeiten und die nassesten Jahreszeiten seit Messbeginn 1881 herausgefiltert worden. Es zeigt sich ein ähnliches Bild wie beim Jahresniederschlag. Näher sei beispielhaft auf den Winter und Frühling eingegangen: Bei Ersterem fällt durchaus eine Häufung nasser Vertreter auf. Dies wäre eine logische Folge, denn milde Winter (westliches Strömungsmuster, Tiefdruckaktivität) bringen oft mehr Niederschlag als Kaltwinter (kontinentale Luftmassen, Hochdruck). Der Frühling ist die einzige Jahreszeit, welche in den letzten 20 Jahren häufiger sehr trocken als deutlich zu nass ausfiel. Dies liegt besonders am Monat April, welcher zuletzt auffällig oft ein beachtliches Niederschlagsdefizit aufwies.

Quelle: https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/niederschlagsentwicklung-in-deutschland-seit-1881/

Erster Frost und Lake-Effekt an der Ostsee

Samstagfrüh (05.10.19) in Warnemünde: Über der offenen See entwickeln sich kräftige Regenschauer, an Land ist der Himmel frei von Cumulus-Gewölk.

Zum ersten Oktoberwochenende stellte sich eine nordöstliche Strömung ein, mit welcher Luftmassen polaren Ursprungs nach Mecklenburg-Vorpommern geleitet wurden. Die Temperaturen erreichen tagsüber nur noch 10 bis 12°C und lagen somit etwa 3 bis 4°C unterhalb des Klimamittels der Periode 1961-1990. In der Nacht zum Sonntag sanken die Tiefstwerte in 2m Messhöhe zum ersten Mal in diesem Herbst unter die 0-Grad-Marke. Am Flugplatz Barth in Nordvorpommern (typisches Kälteloch) zeigte der elektronische Messfühler Luftfrost bis -1,9°C an.

Auch direkt an der Ostseeküste trat bei schwachem ablandigem Wind zumindest Bodenfrost auf. An der DWD-Station in Warnemünde ist der Messwert von -0,4°C in 5cm über Dünensand sogar gleichbedeutend mit dem drittfrühesten Bodenfrosttag in der Messreihe seit 1947.

Früheste Bodenfrosttage (Tmin 5cm < 0,0°C)- Warnemünde seit 1947

03.10.1947 -1,6°C
04.10.1947 -0,9°C
06.10.1959 -1,5°C / 06.10.2019 -0,4°C

Mit dem Einsickern der Kaltluft kam ein bekannter meteorologischer Effekt zum Tragen. Gemeint ist der sogenannte „Lake-Effekt“. Ursprünglich stammt der Begriff aus den USA und steht in Zusammenhang mit heftigen Schneefällen, die an den Großen Seen (Great Lakes) ausgelöst werden. Das Grundprinzip ist an den deutschen Küsten dasselbe: Kalte Luft, besonders in höheren Luftschichten, strömt mit nordöstlichen bis östlichen Winden über das mit 12 bis 14°C (aktuelle Daten) vergleichsweise warme Oberflächenwasser der Ostsee. Durch die großen vertikalen Temperaturunterschiede (in 5,5 km Höhe bis -30°C am gestrigen Samstag) resultiert eine labile Schichtung. Die grundsätzlich trockene Kontinentalluft nimmt bei ihrem langen Weg über die Ostsee außerdem viel Feuchte auf. Letztendlich äußert sich der Lake-Effekt durch strichweise angeordnete Schauerbänder, die lokal eng begrenzt große Niederschlagsmengen an der Küste bringen können.

Strichweise ordnen sich die Schauer an und ziehen dann gen Küste.
Quelle (bearbeitet): https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/mecklenburg-vorpommern/20191005-0750z.html
Zwei Niederschlagsschwerpunkte durch den Lake-Effekt.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regensummen/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme-6std/20191005-1250z.html

Aktuell ist die Luft noch zu mild und es fällt Regen, im Winter können unwetterartige Neuschneemengen zusammenkommen und erhebliche Schneeverwehungen auftreten. An der deutschen Ostseeküste bilden sich üblicherweise, so war es auch gestern am 05.10., zwei markante Schauerstraßen aus: Eine besonders Intensive verläuft in der Mecklenburger und Lübecker Bucht und tangiert Ostholstein, Lübeck sowie den Klützer Winkel in Nordwestmecklenburg. Eine zweite beginnt südlich der dänischen Insel Bornholm und landet an der Küste von Usedom bzw. am Greifswalder Bodden an und reicht in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit meist einige Kilometer ins Landesinnere hinein.

Je nach Windrichtung (N bis O) können prinzipiell aber alle Küstenabschnitte betroffen sein.

Ein prominentes Beispiel eines winterlichen Lake-Effekts war das Ereignis vom 29./30.November 2010, als Ostholstein und der Kreis Segeberg mit 30 bis 50 cm Neuschnee zu kämpfen hatten. Das öffentliche Leben kam teils zum Erliegen, Schulen blieben geschlossen. Der intensive Kaltlufteinbruch aus O/NO erreichte die Region damals sehr früh, zu einer Zeit, als die Ostsee noch „lauwarm“ war und die Quellwolken- und Niederschlagsbildung erheblich verstärken konnte.

Im Januar 1987 versanken große Teile der Ostseeküste und des angrenzenden Binnenlandes in den Schneemassen. In Warnemünde ermittelten die Wetterbeobachter am 14.01.1987 eine mittlere Schneehöhe von 55 cm.