Erster Herbststurm in Warnemünde

Randtief IGNAZ sorgte am Dienstag für schwere Sturmböen und sogar kräftige Graupelgewitter. In Warnemünde kippten reihenweise Strandkörbe um, der Fährverkehr wurde eingestellt. Wer den Wind aus erster Hand erleben wollte, musste bereits in der Seestraße und an der Mole mit feinem durch die Luft wirbelnden Strandsand vorliebnehmen.

Winddaten Warnemünde 17.09.2019

Spitzenböe: 27,1 m/s (= 98 km/h), Windstärke 10, um 18:40 Uhr
Höchstes 10 min-Windmittel: 20,0 m/s (= 72 km/h), Windstärke 8
Tageswindmittel: 13,0 m/s (= 47 km/h), Windstärke 6
mittl. Windrichtung: 290° Westnordwest

Die höchste Windgeschwindigkeit von 98 km/h wurde während eines Graupelgewitters registriert, welches rasch von der Ostsee heranzog. Dabei konnte der sehr starke Höhenwind teilweise heruntergemischt werden, sodass der gradientbedingte (Luftdruckunterschiede!) stürmische Wind zusätzlich lokal noch ruppiger ausfiel. Insgesamt traten beachtliche vier Schauer mit Graupel auf (gegen 15:20, 18:40, 20:30 und 20:40 Uhr), wobei zwei von Blitz und Donner begleitet wurden. Während des kräftigen Niederschlags sank die Lufttemperatur bis auf 9,0°C ab. Die Höchsttemperatur von 14,4°C sprach ebenfalls für einen Herbsttag.

Eine höhere Windspitze im Monat September registrierte die DWD-Station in Warnemünde übrigens zuletzt im Jahr 1997. Ganz selten hat es auch schon Orkane im ersten meteorologischen Herbstmonat gegeben. Am 21.09.1990 erreichten die Böen 126 km/h und damit Windstärke 12.

Bilder vom 17.09.- Nachmittag / Abend

Bilder vom 18.09.- nach dem Sturmhöhepunkt

Ausblick:

Der Tiefdruckkomplex IGNAZ verlagert sich Richtung Russland, von Westen rückt Hoch HANNEKE langsam nach. Damit fächert der Luftdruckgradient auf und der Wind ebbt Stück für Stück ab. Am heutigen Mittwoch ist er an der Ostsee jedoch noch frisch bis stark unterwegs mit Mittelwinden um Bft 6. Das zunehmend wetterbestimmende Hoch zeigt uns zunächst die kalte Schulter, denn an der Ostflanke bleibt die Luftzufuhr polaren Ursprungs weiterhin erhalten. Erst zum Wochenende könnte ein Hauch von Altweibersommer aufkommen, wenn die Strömung auf südliche Richtung dreht und zumindest 20 bis 22°C bei viel Sonnenschein in MV möglich sind.

Dienstag schwere Sturmböen möglich!

In Mecklenburg-Vorpommern und besonders an der Ostseeküste steht der erste Herbststurm bevor. Das kräftige Randtief IGNAZ entwickelt sich in den nächsten Stunden über Südskandinavien und kann sich im Lee des Skandinavischen Gebirges weiter vertiefen. Im Laufe des Dienstags zieht es Richtung Baltikum und an der Süd- und Westflanke des Tiefs bauen sich mit einem Hoch (Zentrum über Irland) als Gegenspieler kräftige Luftdruckgegensätze auf.

Zudem wird besonders in höheren Luftschichten sehr kalte Luft in unsere Region gelenkt. In 5,5 Kilometer Höhe kühlt es sich im äußersten Nordosten rund um Rügen bis auf -30°C ab. Dadurch wird eine große Labilität erzeugt, welche sich wiederum in der Entstehung kräftiger Schauer und einzelner (Kaltluft-)- Gewitter sowie starker Böigkeit des Windes widerspiegelt. Über dem noch sommerwarmen Meerwasser wären bei derartiger Wetterlage außerdem einzelne Tornados denkbar, doch der in allen Höhenschichten ziemlich starke Wind sollte dies weitgehend unterbinden.

Bereits gegen Morgen wird der westliche bis nordwestliche Wind an der Küste, nach einem nächtlichen Minimum, spürbar zulegen. Erste Schauerstaffeln können von Norden ins Land ziehen, spätestens zum Nachmittag treten dann zusätzlich mit Einsickern der Höhenkaltluft kurze Gewitter auf, bevorzugt an der Ostsee und in Vorpommern.

In Schauer- und Gewitternähe muss mit Sturmböen von 80 bis 90 km/h (vereinzelt mehr) gerechnet werden, auch abseits der Küste im Binnenland. Direkt an der Küste von Kühlungsborn über Warnemünde, Graal-Müritz, Darß-Zingst bis Hiddensee/Rügen sind zum Sturmhöhepunkt am Nachmittag (etwa 16 bis 20 Uhr) schwere Sturmböen um 100 km/h möglich, vereinzelt in exponierten Lagen oder bei stärkerem Niederschlag sind auch orkanartige Windspitzen um 110 km/h nicht auszuschließen.

Berechnung der Windspitzen zwischen 14 und 20 Uhr nach dem hochauflösenden Schweizer Modell Super-HD (6z).
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/sui-hd/2019091606/mecklenburg-vorpommern/windboeen-6h/20190917-1800z.html

An der Ostsee sind zum Abend erhöhte Wasserstände (bis zu 55 cm über Normal) zu erwarten!

Die prognostizierten Windgeschwindigkeiten bedeuten für MV generell nichts Ungewöhnliches. Ein extremes Sturmereignis erwartet uns nicht! Da die Bäume jedoch zu dieser Jahreszeit noch belaubt sind und dem Wind eine große Angriffsfläche bieten, sollte der Sturm nicht unterschätzt werden. Sturmböen der Stärke 9 um 80 km/h können locker ausreichen um größere Äste abzubrechen oder vereinzelt auch einen Baum umzulegen. Leichte Schäden an Dächern oder umstürzende Baugerüste werden sich hier und da wohl auch nicht vermeiden lassen. An den Stränden könnten die Strandkörbe an einigen Abschnitten nasse Füße bekommen.

In der Nacht zum Mittwoch lässt der Wind überall nach (Küste noch Böen Bft 7-8 bis zum Morgen) und auch die Schauer- und Gewittertätigkeit geht zurück.

Septemberhitze in den Jahren 1919, 1929 und 1947

Am 16.09.1947 war nochmal Schwitzen angesagt, die Temperaturen erreichen bis zu 33°C in Boizenburg.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/tageshoechsttemperatur/19470917-0000z.html

Ein Blick auf die Extremwerte für den ersten meteorologischen Herbstmonat offenbart Überraschendes: Die höchsten September-Temperaturen in Mecklenburg-Vorpommern wurden nicht etwa in diesem Jahrhundert, sondern überwiegend schon vor mehr als 70 Jahren registriert. Die flächig gesehen heißesten Septembertage sind für den 01.09.1929 (sogar heißester Tag des Jahres) und 12./13.09.1919 verzeichnet.


Die höchsten Tagesmaxima des Monats September – MV-Wetterstationen

34.5°C Dömitz/Elbe (01.09.1929)
34.2°C Marnitz (13.09.1919)
34.2°C Neustrelitz (13.09.1919)
34.2°C Rostock-Stadt (12./13.09.1919)
33.5°C Marnitz (01.09.1929)
33.4°C Boizenburg/Elbe (16.09.1947)
33.4°C Marnitz (12.09.1919)
33.4°C Rostock-Stadt (01.09.1929)
33.1°C Güstrow (01.09.1929)
33.0°C Neubrandenburg (01.09.1929)
32.9°C Schwerin (01.09.1929)
32.9°C Kirchdorf/Poel (01.09.1929)
32.4°C Waren (Müritz) (12./13.09.1919)
32.4°C Warnemünde (16.09.1947)
32.2°C Boizenburg/Elbe (20.09.1947)


Damit sich die Luft zu fortgeschrittener Jahreszeit derart erwärmen kann, ist die Advektion subtropischer Luftmassen auf direktem Wege erforderlich. Mitte September 1919 waren die Bedingungen dafür optimal: Eine umfangreiche Hochdruckzone lag über Mittel- und Osteuropa, während von Island bis zu den Britischen Inseln tiefer Luftdruck vorherrschte. Diese Ausgangslage begünstigte den Zustrom subtropischer Luftmassen aus dem Mittelmeerraum und dem Norden Afrikas. Gleich drei Tage in Folge wurde in Westmecklenburg an den Klimastationen Schwerin und Marnitz bei Parchim über 30°C registriert (11.-13.09.).

Im September 1947 kam die Hitze schubweise und selbst in der zweiten Monatshälfte traten am 16. und 20. nochmals Heiße Tage (Tmax >=30.0°C) auf. Der 20.09.1947 trägt bis heute den Rekord für den spätesten Hitzetag in Mecklenburg. Selbst direkt an der Ostsee in Warnemünde überschritt das Thermometer die 30-Grad-Marke.


Die spätesten Hitzetage (Tmax >=30.0°C) – MV-Wetterstationen

20.09.1947 verbreitet in Mecklenburg
19.09.1989 Neubrandenburg, Ueckermünde
18.09.2018 Boizenburg, Kirchdorf/Poel, Schwerin
16.09.1947 viele Stationen in MV
14.09.2016 Boizenburg, Kirchdorf/Poel


Nach 1947 konnten in Mecklenburg-Vorpommern keine Septembertemperaturen über 32°C mehr gemessen werden. Der 01.09.2009 reicht jedoch heran an die Hitze von 1919, 1929 und 1947. In Teterow wurden 32,0°C gemessen, in Schwerin und Boizenburg lag das Maximum bei 31,9°C. Auch vor 3 Jahren, am 13.09.2016, meldeten die Stationen ungewöhnlich heiße 30 bis 32°C.

Die 34°C vom 01.09.1929 und 13.09.1919 bleiben jedoch weiterhin ungeschlagen, obwohl diese Wärmerekorde bereits über 90 bzw. 100 Jahre in der Vergangenheit liegen. Eine Seltenheit, für viele andere Monate lassen sich Spitzenreiter aus den letzten 20 Jahren (besonders seit 1990er-Jahren) ausmachen. Betrachtet man die monatlichen Temperatur-Landesrekorde für Mecklenburg-Vorpommern, so stammt neben dem September nur der Maximalwert für den Mai (23./24.05.1922) aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. Kurios außerdem: Die Wärmerekorde für März und April und November stammen aus demselben Jahr, nämlich 1968.

Angemerkt werden muss, dass lediglich Höchsttemperaturen aus den Jahrgängen ab etwa 1880 für die Auswertung herangezogen werden können, da zuvor auch die offiziellen Stationen in der Regel nicht mit Extremthermometern (für Maxima/Minima) ausgerüstet waren, sodass nur Terminwerte der Temperatur (bspw. 07, 13, 19 Uhr oder sogar stündlich) vorliegen, in den Zeit dazwischen jedoch höhere Werte aufgetreten sein könnten, welche damals nicht dokumentierbar waren. Zudem mangelte es häufig an Strahlungsschutz und die Aufstellung der Geräte bzw. Gerätehöhe ist nicht mit den heutigen Messvorschriften vergleichbar.

Vb-Tief bringt bis zu 50 l/m² in MV

Im westlichen Landkreis Rostock meldete mehrere Stationen 24-stündige Regenmengen von über 30 l/m².
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme/20190910-0600z.html

Endlich einmal flächendeckende und ergiebige Regenfälle in weiten Teilen Ostdeutschlands- das VB-Tief HANS zog beginnend am Sonntag (08.09.) von Oberitalien über die Alpen nach Bayern und schließlich weiter nordwärts über Tschechien und Brandenburg zur Polnischen Ostsee. Es lenkte an seiner Ostseite warme und sehr feuchte Luftmassen gen Norden, an der Westflanke wurde dagegen kühle Luft angesaugt. Im Übergangsbereich gleitet die um den Tiefkern herumgeholte Warmluft auf die Kaltluft auf (Hebung) und löst damit anhaltende und teils intensive Niederschläge aus. Labilisierung durch das sommerwarme Ostseewasser und etwas energiereichere Luft in Vorpommern sorgten für schauerartige Verstärkungen in den Regenfällen.

Diese waren in den meisten Gebieten dringend nötig, vielerorts ist die Dürre bis in tiefe Bodenschichten ausgeprägt. Auch die besonders trockenen Regionen in Brandenburg und rund um Leipzig und Halle haben diesmal abgeräumt und etwa 15 bis 35 l/m² erhalten.


Kleiner Exkurs: Das Vb-Tief wird eigentlich Fünf-b-Tief ausgesprochen, denn mit dem V ist die römische Zahl gemeint. Der Begriff geht auf den deutschen Meteorologen Wilhelm Jacob van Bebber zurück, welcher die Zugbahnen der Tiefs in den Jahren 1876 bis 1880 untersuchte und daraus 1891 eine Karte mit bevorzugten Zugbahnen (1 bis 5c) erstellte. Dieses System ist mittlerweile weitgehend in Vergessenheit geraten, nur die Vb-Zugbahn hat bis heute „überlebt“ und ist ein gängiger Begriff in der Meteorologie. Ein Vb-Tief zieht vom Mittelmeer nach Norden bis Nordosten und kann vor allem im östlichen Mitteleuropa schwere Unwetter hervorrufen.


Niederschlagsschwerpunkt etwa vom Raum Rostock bis zur Insel Rügen.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regensummen/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme-48std/20190910-2250z.html

In Mecklenburg-Vorpommern fiel am meisten Regen im westlichen Landkreis Rostock und auf Rügen mit lokal um 50 l/m² innerhalb von 48 Stunden. Kaum nennenswerte Mengen für die Natur kamen im Süden und Südosten des Landes in der Region Neubrandenburg/Woldegk zusammen. Dort fiel das Niederschlagsdefizit in den letzten Monaten jedoch nicht so groß aus. Die trockenste Station Trollenhagen/Flugplatz verzeichnete während der Vb-Wetterlage nur 3,4 l/m², während die landesweit niederschlagsreichste Station Bergen auf Rügen exakt 60,0 l/m² von Sonntagabend bis Mittwoch früh meldete. Damit ist in der Inselhauptstadt die durchschnittliche Septemberniederschlagsmenge bereits erreicht.

Begonnen haben die Regenfälle in MV im Einflussbereich von HANS in der Nacht zum Montag im Osten und Süden des Landes. Auf Rügen summierten sich bereits bis zu 17 l/m². Tagsüber am Montag schwenkte dann ein kompaktes Regengebiet mit schauerartigen Starkregeneinlagen über weite Landesteile, zum Nachmittag und Abend lag der Schwerpunkt schließlich in Mecklenburg und in den östlichen Landesteilen trocknete es vorübergehend ab. In der Nacht zum Dienstag erreichte Tief HANS die polnische Ostseeküste und an der Westflanke drehten sich die Regenschlieren im Radar zunächst über der mecklenburgischen Küste und zum Morgen erneut über Rügen ein. Erst zum Dienstagabend zog HANS Richtung Baltikum ab und mit ihm die Niederschlagsechos. Im Westen und Süden Mecklenburgs lugte die Sonne bereits hervor, während auf der größten deutschen Insel noch Regenwetter herrschte.


Die höchsten 72-h-Mengen von 08.09. 08 Uhr bis 11.09. 08 Uhr in MV
60,0 l/m² Bergen auf Rügen
57,2 l/m² Ostseeheilbad Zingst
54,7 l/m² Hiddensee-Dünenheide
47,4 l/m² Satow-Reinshagen bei Rostock
45,0 l/m² Sagard bei Sassnitz

Die höchsten 24-h- Mengen während Tief HANS in MV
45,4 l/m² Satow-Reinshagen bei Rostock
39,0 l/m² Ostseeheilbad Zingst
36,2 l/m² Bergen auf Rügen
34,3 l/m² Gersdorf bei Kröpelin
31,9 l/m² Parum bei Güstrow
31,5 l/m² Neubukow

Die niedrigsten 72-h-Mengen von 08.09. 08 Uhr bis 11.09. 08 Uhr in MV
3,4 l/m² Trollenhagen bei Neubrandenburg
4,9 l/m² Friedland
5,4 l/m² Schönbeck
5,6 l/m² Strasburg
5,8 l/m² Groß Lukow

Abwechslungsreiches Schauerwetter am 05.September

Am vergangenen Donnerstagabend entwickelten sich in der eingeflossenen maritimen Polarluft auf der Rückseite eines Tiefs über Skandinavien einige Schauer, welche im Zusammenspiel mit der untergehenden Sonne einige optische “Highlights“ am Himmel parat hielten.

Eine Auswahl der Bilder gibt es in der folgenden Galerie (Klick ins Bild = Großbild).

Aufnahmezeitpunkt: Am 05.09. zwischen 19:15 und 19:45 Uhr am Strand von Warnemünde.


Wetterdaten am 05.09. um 19:30 Uhr / DWD Warnemünde

Temperatur: 16,1°C
Luftfeuchte: 69 %
Windrichtung: 290° West
Windmittel: 46 km/h (Bft 6)
Windspitze: 67 km/h (Bft 8)
Wettereindruck: wolkig, leichter Regen

Radarbilder zum Aufnahmezeitpunkt (19:15 Uhr / 19:30 Uhr)

Die Schauerzelle, welche hier etwa bei Bad Doberan positioniert ist und sich von Westen der Hansestadt Rostock näherte, sorgte für den Regenbogen.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/rostock/20190905-1715z.html

Monatsauswertung August 2019- Ostseebad Warnemünde

Schauerwetter auf der Ostsee am 13.08.2019

Die Mitteltemperatur lag im August 2019 bei 19,47 °C, damit war der Monat rund 1,7 K wärmer als das Referenzmittel der Periode 1981-2010. Gegenüber dem WMO-Mittel der Jahre 1961-1990 betrug die Abweichung +2,8 K. Demnach erfolgt die Einordnung als sechstwärmster August in der Warnemünder Temperaturreihe seit 1901. Spitzenreiter ist der August 1997 (Mitteltemp. 21,6°C), gefolgt von 2002 (20,1°C), 2018 (20,1°C), 1975 (19,8°C) sowie 1995 (19,7°C).

Es gilt jedoch folgender Hinweis:

*1 Zu beachten ist, dass sich über die Jahre ein Verstädterungseffekt in Warnemünde bemerkbar gemacht hat (hoher Versiegelungsgrad, dichte Bebauung) und zudem eine Umstellung (Anfang der 1990er-Jahre) von konventioneller zu elektronischer Messtechnik erfolgte). Die modernen Temperatursensoren nehmen verstärkt Wärmestrahlung aus Sand/Kies (Dünenmessfeld!) auf, während die traditionellen Glasthermometer darauf weniger empfindlich reagierten. Kurzum: Seit etwa 1990 beginnt eine leichte Inhomogenität der Temperaturreihe, die Monats-/Jahresmittel liegen seitdem etwa 0,2 bis 0,3°C „zu hoch“. Bedenkt man zudem, dass während Großveranstaltungen (bspw. Hanse-Sail, 08.-11.08.) die Messvorschriften wegen der zahlreichen Imbissbuden und Verkaufsständen nahe dem Messfeld nicht komplett eingehalten werden, muss die ermittelte Monatstemperatur wohl um etwa 0,25°C reduziert werden, um einen Vergleich zu älteren Perioden wie 1961-1990 ziehen zu können.

Der letzte meteorologische Sommermonat startete in Warnemünde mit Tagestopwerten zwischen 20 und 23°C und somit durchschnittlich temperiertem Wetter. Trotz zwischenzeitlichem Tiefdruckeinfluss gab es nur sporadisch Niederschläge, meist in Schauerform. So lässt sich auch der Wettercharakter zur 29. Hanse-Sail vom 08-11.August beschreiben. Zur Monatsmitte traten die drei einzigen nicht-warmen Tage mit Höchstwerten unter 20°C auf. Im letzten Augustdrittel dominierte schließlich hochsommerliche Hitze mit teils kräftigen Gewittern.

Die höchste Temperatur wurde mit 32,7°C am 27.August gemessen. Insgesamt traten 9 meteorologische Sommertage auf (Tmax>=25 Grad). Darin inbegriffen sind zudem 4 Hitzetage mit Werten von mindestens 30,0°C. Seit 1947 sind nie mehr als 3 Hitzetage für den achten Monat des Jahres verzeichnet worden. Die Anzahl der Warmen Tage (Tmax >=20.0°C) lag mit 28 deutlich oberhalb des 1981-2010er-Mittel von knapp 20. Eine höhere Anzahl im August gab es zuletzt im Jahr 2002 (damals 29).

Der Temperatur-Tiefstwert stammt vom 14.August und betrug 10,7°C.

Temperaturverlauf August 2019 – Warnemünde


Mit 52,8 l/m² fielen 79 % des mittleren Niederschlags von 1981-2010, gegenüber 1961-1990 waren es 90 %. 16 Tagen mit messbarem Niederschlag standen 15 trockene und solche ohne RR >= 0,05 mm gegenüber.

Der nasseste und auch gewitterreichste Tag war der 27.08. als in den Morgenstunden 9,9 l/m² innerhalb einer Stunde fielen und am Abend nochmals Gewitter durchzogen, welche neben Starkregen auch Sturmböen im Gepäck hatten. Rostock erwischte es schlimmer, vielerorts gab es Überflutungen und Sturmschäden.

Am Folgetag (28.08.) gewitterte es zu später Stunde erneut über Rostock und Warnemünde. Im Ostseebad ging dabei gegen 21:40 Uhr ein Erdblitz im Bereich Alexandrinenstraße nieder (starker Knaller, -18kA) und dürfte einige „Frühschläfer“ wieder geweckt haben.

Die Monatsniederschlagssumme fiel im Umland übrigens teils deutlich höher, regional aber auch niedriger als in Warnemünde aus, wo das Klimamittel nicht ganz erreicht wurde. Den knapp 53 l/m² in Warnemünde stehen beispielsweise 122,7 l/m² an der Meteo-Group-Station Rostock-Hinrichsdorf gegenüber.

Die Monatssonnenscheindauer betrug 256,6 Stunden und ist als leicht überdurchschnittlich einzuordnen. Die mittlere tägliche Sonnenscheindauer ist mit 8,3 Stunden anzugeben. Es wurden keine vollständig trüben Tage ohne Aufklaren verzeichnet, am 15./17. und 18. gab es jedoch nur 5 bis 10 Sonnenminuten. Am 03.08. ließ sich die Sonne 14,6 Stunden blicken.

Niederschlag / Sonnenschein / Windmittel August 2019 – Warnemünde

Spannend ist diesmal die Auswertung der Winddaten: Das Monats-Windmittel von 3,32 m/s (Stärke 3) lag einigermaßen deutlich unterhalb des vieljährigen Mittels der Periode 1981-2010 von 4,3 m/s. Nach genauer Prüfung steht fest: Der August 2019 war der windärmste Augustmonat in der Warnemünder Windmessreihe seit 1954. Ganz knapp nach dem neuen Rekordhalter folgen 1974 (3,33 m/s), 1975 (3,45 m/s), 1985 (3,47 m/s) und 1996 (3,49 m/s).

Die Spitzenböen erreichten am 27.August während eines aufziehenden Gewitters 21,2 m/s (76,3 km/h). Dies entspricht Windstärke 9. Lokal hat es in der näheren Umgebung noch deutlich stärkere Böen gegeben und auch einzelne Bäume stürzten um. Dies vor allem wegen der sehr ungewöhnlichen Windrichtung der Böen um Südost. An der Station Rostock-Hinrichsdorf registrierte die Messtechnik ein Maximum von 106 km/h (Bft 11, orkanartig).

Eine klare Haupt-Windrichtung kann für den Monat nicht ausgemacht werden, häufig waren selbst innerhalb von 24 Stunden mehrere Windrichtungen vertreten (umlaufend). Zum Monatsende wehte einige Tage östlicher bis südlicher Wind.

Die Wassertemperaturen der Ostsee vor Warnemünde waren im Monatsverlauf relativ stabil und erreichten während der hochsommerlich warmen Phase in den letzten Augusttagen ihr Jahresmaximum von 21 bis 22°C. An den Tagen mit ablandigen Ost- bis Südwinden stieg kühleres Tiefenwasser empor und das erwärmte Oberflächenwasser trieb von der Küste auf das offene Meer ab. Vorübergehend betrug die Wassertemperatur dann frischere 16-18 Grad.


Diagramme – Zeitreihen

Der letzte unterdurchschnittlich temperierte Augustmonat trat 2014 auf, auffällig ist die Ballung kühler Vertreter in den 1960er-Jahren.

Seit 2011, dem rekordnassen August, fiel der achte Monat des Jahres immer zumindest leicht zu trocken aus.


Übersicht der Warnemünder Rekorde für den Monat August
Wärmster Monat: 21,6°C (1997)
Kältester Monat: 14,2°C (1902)
Höchste Temperatur: 36,9°C (09.08.1992)
Niedrigste Temperatur: 6,5°C (22.08.1964)
Höchster Monatsniederschlag: 192,9 mm (2011)
Niedrigster Monatsniederschlag: 9,4 mm (1976)
Höchster Tagesniederschlag: 75,9 mm (27.08.1946)
Höchste Sonnenscheinsumme: 314,1 h (1975)
Niedrigste Sonnenscheinsumme: 136,3 h (2010)
Höchste Windspitze: 100 km/h (14.08.1994)
Höchste Anzahl Gewittertage: 13 Tage (2006)

In Ostvorpommern rekordwarmer Sommer 2019

Für den meteorologischen Sommer 2019 (bestehend aus Juni, Juli und August) wurde ein Gebietsmittel von 19,1°C für Mecklenburg-Vorpommern berechnet. Damit ist es der zweitwärmste Sommer in der Reihe seit dem Jahre 1881.

Wärmste Sommer in MV seit 1881 (Mitteltemp.)

2018 19,2°C
2019 19,1°C
2003 18,7°C
2006 18,6°C
1992 18,4°C
2002 18,3°C
1917 18,2°C
1997 18,2°C
2010 18,1°C
1947 17,8°C

Richtig kalte Sommer gab es seit den 1990er-Jahren kaum mehr. Da der Bezug zum mitteleuropäischen Klima und für unsere Region speziell zum durchschnittlichen Sommerwetter an der Ostsee immer weiter verloren geht, wäre es spannend in der heutigen Zeit nochmal einen Sommer wie 1962 zu erleben. Damals meldeten die Küstenstationen teilweise nicht einen einzigen Sommertag mit mindestens 25°C. Der Aufschrei wäre vermutlich groß, erwarten doch viele Urlauber mittlerweile durchweg störungsfreies und badetaugliches Strandwetter.

Kälteste Sommer in MV seit 1881 (Mitteltemp.)

1962 14,5°C
1902 14,6°C
1907 14,6°C
1923 14,9°C
1965 14,9°C
1987 15,0°C
1888 15,1°C
1956 15,1°C
1993 15,1°C


Zurück zum Sommer 2019: Es gibt regionale Unterschiede bei der Einordnung. Im Osten und Südosten Vorpommerns schloss der diesjährige Sommer sogar als wärmster seit mindestens 1834 ab. In den langjährigen Messreihen von Greifswald und Ueckermünde steht der 2019er Sommer nun an der Spitze und löst den Vorjahresvertreter direkt wieder ab. In den westlichen und nördlichen Landesteilen bleibt der Sommer 2018 ungeschlagen (siehe Hitliste von Schwerin).

Bundesweit betrachtet sind die Abweichungen vom Klimamittel in den neuen Bundesländern deutlich höher, in Brandenburg war es auch im Flächenmittel rekordwarm. In Westdeutschland dagegen handelte es sich „nur“ um den dritt- oder viertwärmsten Sommer.

Auswahl MV-Stationen mit langen, durchgehenden MessreihenDie wärmsten Sommer

Auffällig ist in den über 150-jährigen Messreihen (z.B. Schwerin, Putbus) die Ballung sehr warmer Sommer von 1857 bis 1859, welche sogar in den Top 10- Listen auftauchen. Der wärmste Sommer des 19.Jahrhunderts trat im Jahre 1834 auf. Von drei Stationen auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern liegen aus dieser Zeit regelmäßige Messungen vor.

Mitteltemperatur Sommer 1834
19,9°C Stralsund
19,3°C Bad Sülze
19,2°C Rostock-Stadt

Auch wenn an den Standorten in Stralsund, Bad Sülze und Rostock-Stadt heutzutage keine Klimastationen mehr bestehen, so zeigt der Vergleich mit Schwerin oder Greifswald: Die Sommermitteltemperaturen von damals können es durchaus mit denen der Sommer 2018 und 2019 aufnehmen. Es gab solche Hitzesommer also auch früher schon. Nur blieben die wirklich kühlen Sommer in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend aus.

Erwähnt werden muss natürlich, dass die Messgeräte und Messbedingungen von 1834 mit der heutigen Datenerhebung nur eingeschränkt zu vergleichen sind. Dennoch sind die Werte längst nicht völlig gaga. Dies zeigt auch der Blick auf die Hitliste der wärmsten Sommer in der über 300-jährigen homogenisierten Messreihe von Berlin. Ebenfalls ordnet sich der 1834er-Sommer hier im Bereich des letzt- und diesjährigen Vertreters ein.

Berlin- wärmste Sommer
Platz 1: 2019 mit ca. 21,45 °C = +3,15 K
Platz 2: 2018 mit 21,3 °C = +3,0 K
Platz 3: 1834 mit 21,2 °C = +2,9 K
Platz 4: 1992 mit +2,8 K**
Platz 5: 2003 mit +2,6 K**
Platz 6: 2006 mit +2,1 K**

**) DWD-Landesflächenmittel von Brandenburg+Berlin (BB/BE)


In den nächsten Tagen folgt der Sommerrückblick für das Ostseebad Warnemünde.