Heute vor 10 Jahren: Starker Tornado bei Schwerin

Den 21.Mai 2009 (Christi Himmelfahrt) werden die Bewohner von Plate, Sukow und Ruthenbeck südlich von Schwerin sicherlich noch heute (schlecht) in Erinnerung haben. Etwa zwischen 18:45 und 18:50 Uhr zog damals ein Tornado der Stärke F2 auf der Fujitaskala* durch die drei mecklenburgischen Dörfer. Erhebliche Vegetations- und Gebäudeschäden waren die Folge. 63 Häuser und fast 20 PKW sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Allein in Plate ließen sich die Schäden auf 3,5 Millionen Euro beziffern.

Hier eine Rekonstruktion der Zugbahn, welche sich wohl insgesamt über 16 bis 17 Kilometer erstreckte:

Bildquelle: https://tornadoliste.de/bilder/2009/090521platekarte.jpg
Das Radarbild zur Zeit der Tornadoentstehung am 21.05.2009 knapp südlich von Schwerin. Von der Ostsee bis zur Elbe verlief eine Gewitterlinie, welche sich nach Osten vorarbeitete.
https://kachelmannwetter.com/de/radar-standard/mecklenburg-vorpommern/20090521-1645z.html

Zunächst war unklar, ob tatsächlich ein Tornado die Schäden verursacht hat. Auch ein Downburst (schwere Fallböen, Abwindstrom) schien möglich, doch eingehendes Bildmaterial, Amateurvideos und eine Vor-Ort-Untersuchung von Fachleuten bestätigten den Tornadoverdacht.

Es erfolgte eine Einordnung auf die Stärke F2. Somit traten vermutlich Windgeschwindigkeiten zwischen 180 und 250 km/h auf. Zur Einordnung: Bereits ab 118 km/h spricht man von Orkan (Bft 12).

Links zu Bildberichten über den Plate-Tornado:

https://tornadoliste.de/090521plate.htm

http://www.wzforum.de/forum2/read.php?8,1609579


Bildquelle: Tornadoliste Deutschland https://tornadoliste.de/090521plate.htm

Das Sturmereignis traf die Region südlich der Landeshauptstadt, wie bei Tornados üblich, völlig unerwartet. Die Bedingungen für ein derartiges Unwetter waren jedoch gegeben. Man spricht von 3 Hauptzutaten: Feucht-warme Luft, Labilität (große Temperaturunterschiede zwischen Boden und höheren Luftschichten, Aufwinde) und Windscherung (Änderung des Windes in Stärke und Richtung mit der Höhe).

Ein Tornado lässt sich aber niemals vorhersagen, erst recht nicht für einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Bei einer Gewitterlage kann lediglich das Potenzial für eine Tornadobildung analysiert und gefährdete Regionen grob eingegrenzt werden.

*Fujitaskala: dient der Schadensklassifikation von Tornados, 1971 vom japanischen Sturmforscher Dr. T. Theodore Fujita entwickelt


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Rückblick auf die kühle 1.Maihälfte in M-V

Pünktlich zur Kalten Sophie, dem abschließenden Tag der „Eisheiligen“ (11.bis 15.Mai) trat der womöglich letzte Frost in Mecklenburg-Vorpommern auf. Das ist natürlich Zufall, denn Wetter hält sich nicht an den Kalender und eine Häufung von Luft- und Bodenfrösten zu genau diesen Maitagen lässt sich statistisch nicht nachweisen. Die Eisheiligen haben ihren Ursprung in einer uralten Bauernregel aus der Zeit des Julianischen Kalenders. Durch die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 wurde die Zeitrechnung jedoch um elf Tage vorgestellt. Seitdem leben wir mit dem Gregorianischen Kalender und die Eisheiligen wären mittlerweile in den Zeitraum 22.-26.05. einzuordnen. Dann ist erst recht nicht mehr mit erhöhter Wahrscheinlichkeit Kälte zu erwarten.

Der Mai ist ein Übergangsmonat und späte Einbrüche polarer Kaltluft, welche zu dieser Jahreszeit noch über dem hohen Norden lauern kann, kommen immer wieder vor. Vor allem in den ersten Tagen des Monats sind nächtliche (leichte) Minusgrade nichts Ungewöhnliches, sofern sich nicht eine Frostnacht an die nächste reiht. Grundsätzlich gilt: Am 01.Mai ist Frost am wahrscheinlichsten, am 31.Mai am unwahrscheinlichsten.


Blicken wir nun auf die Daten der Wetterstationen im Land:

In 10 Nächten der ersten Maihälfte trat innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns Bodenfrost auf. Das ist durchaus ein beachtlicher Wert. 7 Nächte brachten sogar leichten Luftfrost von bis zu -3 Grad. Besonders kalt waren die Nächte vom 04. zum 05., 07. zum 08. und 14. zum 15.Mai:

Quelle der Karten: Kachelmannwetter https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/tiefsttemperatur/20190505-0600z.html

Um die Werte in die Klimastatistik der Stationen einordnen zu können, müssen die 24-stündigen Tagesdaten verwendet werden. So kann eine Frostnacht zwei klimatologische Frosttage zur Folge haben, wenn vor 02:00 Uhr bereits Minusgrade auftreten. Als Bezugszeit für die Tageshöchst- und Tagestiefstwerte gilt 23:51 bis 23:50 UTC (= entspricht für unsere Zeitzone 01:51 -01:50 Uhr). Soweit die Theorie!

Die meisten Frosttage, nämlich sechs an der Zahl, verzeichnete die DWD-Wetterstation auf dem Flugplatzgelände in Barth (Nordvorpommern). Für den Standort ist das ein neuer Rekord für den Monat Mai, jedoch ist die dort 1947 beginnende Messreihe von 1958 bis 1975 unterbrochen.

Nur direkt an der Ostsee blieb es verbreitet frostfrei (in 2 m = offizielle Lufttemperatur).

Erwähnenswert ist zudem, dass kein einziger Tag die 20 Grad-Marke knackte.


Die tiefsten Tagesminima in 2m 01.-15.05.2019
-2,5°C Barth (15.05.)
-2,5°C Karlshagen/Usedom (05.05.)
-2,4°C Barth (05.05.)
-2,4°C Groß Lüsewitz (05.05.)
-2,0°C Laage/Flugplatz (05.05.)

Die tiefsten Tagesminima in 5 cm über Erdboden 01.-15.05.2019
-6,7°C Grambow-Schwennenz (05.05.)
-6,5°C Karlshagen/Usedom (05.05.)
-6,0°C Karlshagen/Usedom (08.05.)
-5,8°C Groß Lüsewitz (05.05.)
-5,6°C Trollenhagen (05.05.), Steinhagen-Negast (08.05.)

Höchste Anzahl Frosttage im Zeitraum 01.-15.05.2019
6 Tage Barth (Flugplatz)
Höchste Anzahl Bodenfrosttage im Zeitraum 01.-15.05.2019
10 Tage Barth (Flugplatz), Grambow-Schwennenz, Groß Lüsewitz, Tribsees


Auswertung Mitteltemperatur

Die tiefsten Mitteltemperaturen (Abweichung) 01.-15.05.2019
8,1°C (-2,4 K) Groß Lüsewitz
8,2°C (-2,5 K) Tribsees
8,3°C (-2,0 K) Barth (Flugplatz)
8,4°C (-2,4 K) Laage (Flugplatz)
8,4°C (-1,8 K) Steinhagen-Negast bei Stralsund

Das Gebiets-Monatsmittel für Mecklenburg-Vorpommern liegt vom 01.bis 15.Mai diesen Jahres bei 8,7°C. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum betrug der Wert 13,7°C. Am Ende des Monats stand fest: Es war der wärmste Mai aller Zeiten.

Rekordkühl präsentierte sich die erste Monatshälfte dennoch nicht. Eine (deutliche) negative Temperaturabweichung ist vorhanden, aber in einigen Jahren war diese noch größer. Zuletzt 2010, als das Landesmittel bis zur Monatsmitte lediglich bei 7,8°C lag.

Einordnung der Mitteltemperatur für die Station Schwerin (seit 1890)-
Die 10 kältesten ersten Maihälften:

5.5 °C 1902
6.2 °C 1941
7.2 °C 1909
7.8 °C 2010
8.2 °C 1897
8.4 °C 1991
8.5 °C 1980
8.6 °C 1982
8.7 °C 2019
8.7 °C 1979

=> Platz 9 in der Kältehitliste der letzten 129 Jahre

Beeindruckend kalt waren die Maimonate 1902 und 1941. Nicht auszudenken was wäre, sollte ein solches Kaliber heutzutage wieder auftreten.


Bei den Mitteltemperaturen der ersten Monatshälfte Mai 2019 fallen regionale Unterschiede auf. Im Binnenland liegen die Abweichungen (Vergleich zum langj. Mittel 1961-1990 für 1.Maihälfte) bei -2 bis -2,5 K, Richtung Elbe teilweise nahe -3 K. An der vorpommerschen Ostseeküste war es dagegen kaum kälter als der Referenzwert der Periode 1961-1990 angibt. Am Kap Arkona und auf der Greifswalder Oie gab es sogar leicht positive Abweichungen. Der Grund dafür ist die vergleichsweise milde Ostsee, deren Wassertemperaturen bereits um 10-12°C liegen. Dadurch wurde der Kälterückfall an der Küste abgemildert und bei den häufigen auflandigen Winden der vergangenen Tage sanken die Temperaturen nachts kaum ab. Der Winter war ein insgesamt milder und März sowie April ebenfalls überdurchschnittlich, sodass das Meerwasser nicht das kalte Niveau hatte, welches in vielen anderen kalten Mai-Monaten vorherrschend war.

Setzt man die bisherigen Durchschnittstemperaturen der Stationen in Bezug zum Gesamt-Monatsmittel Mai (wieder Periode 1961-1990) kommen Abweichungen zwischen -1 und -2 K entlang der Küste und rund -3,5 K bis -4 K im Binnenland zum Vorschein. Dieser Vergleich hinkt jedoch, denn die zweite Monatshälfte ist normalerweise immer milder als die erste. Trotzdem mal angenommen, der Mai wäre jetzt bereits zu Ende. Beispielsweise in Schwerin (Messhistorie seit 1849) würde dies den drittkältesten Mai hinter dem des Jahres 1876 und 1902 bedeuten. Als Vorpommern-Repräsentant sei noch Greifswald ausgewertet: Hier wäre es der zweitkälteste Mai in der Reihe seit 1898.

Die kältesten Maimonate in Schwerin- seit 1849
8.6 °C 1876
8.7 °C 1902
8.7 °C 2019- bis 15.05.
9.2 °C 1851
9.3 °C 1861,1864,1873,1874
9.5°C 1866,1871
9.8 °C 1962
9.8 °C 1991
9.8 °C 1955

Die kältesten Maimonate in Greifswald- seit 1898
8.9 °C 1902
9.0 °C 2019 – bis 15.05.
9.1 °C 1941
9.5 °C 1980
9.6 °C 1909
9.6 °C 1928
9.6 °C 1991
9.8 °C 1962
9.9 °C 1955
9.9 °C 2010

Fazit: Das Gefühl täuscht nicht! Der Mai 2019 ist bislang ein kalter Geselle, aber nicht rekordkalt.

Zum Wochenende wird es nun deutlich wärmer werden, vor allem mildere Nächte werden die Mitteltemperaturen dann steigen lassen. Allerdings: Sofern zum Monatsende nicht noch eine Hitzewelle Einzug hält, ist für Mecklenburg-Vorpommern in der Endabrechnung mit einer negativen Temperaturabweichung, sprich mit einem zu kalten Mai zu rechnen. Nach 13 zu warmen Monaten in Folge ist es auch an der Zeit dafür. Die Kälte als Indiz für zunehmende Extreme infolge des Klimawandels zu betrachten oder diesen aufgrund der unterdurchschnittlichen Temperaturen in Frage zu stellen, ist Blödsinn. Es ist einfach Wetter!


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Warnemünde: Rekord für spätesten Bodenfrost eingestellt

An der Station des Deutschen Wetterdienstes in Warnemünde lag das Minimum in 5 cm über Grund auf dem Dünenmessfeld in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch (14. zu 15.Mai) bei -0,2°C. Gemessen wurden die knappen Minusgrade in der zweiten Nachthälfte bei nahezu völliger Windstille und klarem Himmel. So konnte es in der polaren Kaltluft bodennah besonders stark auskühlen und die Differenz zum Lufttemperatur-Minima in 2m Höhe (5,3°C) lag bei 5,5 K. In den anderen kalten Mainächten verhinderte auflandiger Wind niedrigere Minima.

In der seit Juli 1946 lückenlos fortbestehenden Messreihe des Ostseebades war der 15.05.1980 bislang der späteste Tag mit Bodenfrost. Nun gesellt sich der 15.05.2019 mit dazu.

Generell sind Minusgrade im Mai in den Warnemünder Dünen sehr selten. Luftfrost ist im „Wonnemonat“ überhaupt noch nicht aufgetreten und Bodenfrost beispielsweise in den letzten 30 Jahren nur an 3 Tagen (im Mai 1989,2009 und 2011).


Liste der spätesten Bodenfröste an der DWD-Station Warnemünde
15.05.1980 -1,3°C + 15.05.2019 -0,2°C
14.05.1954 -0,7°C
12.05.1951 -1,1°C + 12.05.1953 -1,1°C + 12.05.1978 -2,3°C
11.05.1957 -1,0°C + 11.05.1978 -0,8°C
09.05.1957 -2,4°C


Den Aussichten zufolge, dürfte das Thema Frostgefahr für dieses Frühjahr nun ad acta gelegt werden. Abseits der Küste, im Binnenland, kann aber Luftfrost selbst noch im Juni auftreten. Der späteste Frosttag in M-V war der 16.06.1934 (Station Neubrandenburg). Bodenfrost ist in absoluten Ausnahmefällen sogar im Hochsommer in den ländlichen Regionen des Nordostens möglich.

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Wetterrekorde Monat Mai

Die Fortsetzung der Serie „monatliche Extremwerte des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern“. Im dritten Teil wurde nun der Mai untersucht.

Dieser ist ein vergleichsweise ruhiger Wettermonat, hat als Übergangsmonat aber speziell temperaturtechnisch eine breite Palette zu bieten und ist ähnlich dem April besonders bis zur Monatsmitte durch eine gewisse Launenhaftigkeit geprägt. Eine alte Bauernweisheit besagt: „Der Mai als Wonnemonat erkoren, hat den Reif noch hinter den Ohren“.



Zunächst die Temperaturextreme:

Der dritte und letzte meteorologische Frühlingsmonat kann bereits sehr heiße Tage hervorbringen. Die Rekorde stammen recht verbreitet vom 23. und 24.05.1922. An den Wetterstationen Schwerin und Kirchdorf/Poel konnten damals jeweils schweißtreibende 35,7°C gemessen werden.

Höchsttemperaturen des 23./24.Mai 1922- M-V-Stationen
35.7°C Schwerin
35.7°C Kirchdorf/Poel
35.5°C Marnitz
35.0°C Waren (Müritz)
34.3°C Dömitz/Elbe
33.7°C Güstrow
32.6°C Greifswald
32.0°C Putbus/Rügen

Derart hohe Werte wurden seither im Mai nicht wieder erreicht, spätestens bei 33 °C (28.05.2005) war Schluss. Weit in der Vergangenheit liegt außerdem der 27.05.1892 mit bis zu 34,1°C in Schwerin.

28.05.2005- Einer der heißesten Maitage nach dem Krieg mit bis zu 33 Grad selbst am Ostseestrand.
https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/tageshoechsttemperatur/20050529-0000z.html

Die Höchstmarke für die Anzahl Heißer Tage (Tmax >=30°C) liegt bei 4, erreicht 1922 und im Mai 2018 an diversen Mecklenburgischen Stationen. Letzterer, ein über weite Strecken sommerlicher Monat, war zumindest in den mittleren und westlichen Landesteilen der wärmste Mai aller Zeiten. Das höchste Monatsmittel verzeichnete Boizenburg an der Elbe mit 17,4°C. Zudem hält die Station den Landesrekord für die meisten Sommertage im Mai (18 , ebenfalls im vergangenen Jahr 2018).

Selten treten im „Wonnemonat“ bereits Tropennächte auf, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. So geschehen am 14.05.1969 in Marnitz, als das 24-stündige Minima bei 20,1°C lag.

Der Mai hat in manchen Jahren noch späten Frost im Programm. Gerade in den ersten Monatstagen ist dies nicht ungewöhnlich. Zur Monatsmitte (11.-15.) gibt es die (angebliche) Wettersingularität „Eisheilige“. Dabei lässt sich eine Häufung von Luft- und Bodenfrösten zu diesen Tagen nicht nachweisen. Es gilt schlichtweg: Mit fortschreitender Jahreszeit wird Frost immer seltener. Sprich: Am 01.Mai sind Minusgrade am wahrscheinlichsten, am 31.Mai am unwahrscheinlichsten.

An der meteorologischen Station Neustrelitz konnte selbst am 31.05. im Jahre 1951 Luftfrost gemessen werden. Auch für die Jahre 1955,1957,1969,1980 und 1987 sind Minusgrade in den letzten Maitagen verzeichnet.

Die niedrigste jemals im Mai gemessene Lufttemperatur beträgt -7,2°C (01.05.1912) und stammt aus Dömitz an der Elbe.

Die 5 niedrigsten Mai-Tagesminima seit Aufzeichnungsbeginn – alle MV-Stationen
-7,2°C Dömitz/Elbe (01.05.1912)
-5,7°C Neustrelitz (01.05.1912)
-5,5°C Güstrow (Mai 1941)
-5,5°C Woldegk-Hinrichshagen (05.05.1864)
-4,5°C Neustrelitz (09.05.1957)

Geht es nach dem Gebietsmittel für M-V, war der Mai 1902 (8,8°C) der Kälteste. Der tiefste Stationswert stammt jedoch vom Mai 1927 und wurde in Putbus auf Rügen ermittelt (Mitteltemperatur 7,2°C).


Niederschlag

1983 gab es den niederschlagsreichsten Mai mit der höchsten Monatssumme von 187,4 l/m² in Finkenthal (Gemeinde im Osten des LK Rostock).

Die größte (gemessene) Tagessumme datiert auf den 11.05.1890 und ist in Schwerin zu verorten. An einer Station im Stadtgebiet sollen es 118,3 l/m² innerhalb von 24 Stunden gewesen sein. Ein absolutes Ausnahmeereignis für den Monat Mai, danach folgt ein Tagesmaxima von „nur“ 85,0 l/m² (Tribsees, 20.05.1972). Wobei „nur“ lediglich den Abstand zum Starkregenereignis vom Mai 1890 verdeutlichen soll, schließlich entspricht eine Menge von 85 Litern einer doppelten normalen Monatssumme für Mai.

Am 20.05.1972 fielen in einem Streifen von Rostock /Ribnitz bis nach Brandenburg innerhalb von 24 Stunden vielerorts deutlich mehr als eine durchschnittliche Monatsmenge.
https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme/19720521-0600z.html

Als trockenster Wonnemonat im Landesschnitt ergab sich der Mai 1989, gefolgt von 1919 und 2018. Der niedrigste Stationswert stammt aus Boltenhagen und liegt bei 1,1 l/m² (1980). Ähnlich wenig Niederschlag konnte an einigen Messstellen 1919 registriert werden. In Grabow sind laut Printquellen gerundete 1 l/m² zusammengekommen.

Genauso wie Frost, braucht auch Schnee im Mai vermutlich niemand mehr, dennoch kommt es hin und wieder vor. Auch in diesem Jahr: Nach einem Einbruch polarer Kaltluft aus Norden fielen in den Morgenstunden des 07.Mai Schneeflocken im Raum Stralsund. Ein sehr später Tag mit Schneeflocken auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns war der 22.05.1955.

In Ausnahmefällen bildet sich sogar eine geschlossene Schneedecke aus. Dies war im Monat Mai zuletzt am 11.05.1978 (Spätester Schneedeckentag für M-V), 01.05.1970 und 08.05.1941 der Fall.  Mehr zu Schneefallereignissen im Frühling in diesem Blogeintrag: https://warnemuendewetter.wordpress.com/2019/04/17/die-spatesten-schneefallereignisse/

Eine messbare Schneedecke in Teilen Nordvorpommerns und des Landkreises Rostock am Morgen des 11.05.1978.
https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/19780511-0600z.html

Sonnenschein

Der Mai ist zusammen mit dem Juni insbesondere entlang der Ostseeküste der wolkenärmste und sonnenscheinreichste Monat. Dies liegt nicht nur am hohen Sonnenstand und der großen Tageslänge, sondern an häufig auftretenden Hochdruckwetterlagen und dem noch kühlen Ostseewasser, wodurch Quellwolkenbildung über See weitgehend verhindert wird.

Der Mai 2008 gilt als einer der sonnigsten Monate überhaupt seit Beginn regelmäßiger und zuverlässiger Sonnenscheinmessungen. 395,5 Stunden zeichnete die Messtechnik im Ostseebad Warnemünde auf. Im Stationsnetz der privaten MeteoGroup knackten Hiddensee-Dornbusch (406 h) und Heiligendamm (405 h) sogar die magische 400 Stunden-Marke. Diese Monatssummen bedeutet durchschnittlich 13 Stunden Sonne pro Tag. Viel mehr ist auch astronomisch kaum möglich (rund 465 Stunden an unserer Ostseeküste).

Ein besonders trüber Vertreter war dagegen der Mai 2010 mit teils nur 100 Sonnenstunden in Ostvorpommern. Der niedrigste gemessene Stationswert liegt bei 103,6 h in Karlshagen/Usedom.


Wind

Atlantische Sturmtiefs sind im Mai selten, hohe Windgeschwindigkeiten kommen eher durch lokale Gewitterböen zustande. In der DWD-Datenbank ließ sich eine Spitzenböe von 112 km/h (Bft 11) aus Teterow finden (24.05.1979). Da das Windmessnetz sind sonderlich engmaschig ist, können örtliche Windspitzen nicht dokumentiert werden. So traten bei der Unwetterlage mit mehreren Tornados in Mecklenburg am 05.05.2015 auch Gewitterfallböen von bis zu 126 km/h am Flughafen Laage (Station des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr) auf. Teilweise wird es deutlich mehr gewesen sein, in den Tornados sowieso.

Der 05.05 2015 (Bützow-Tornado) muss als der schwerste Mai-Unwettertag der letzten Jahrzehnte angesehen werden. Weitere starke Tornados sind für den 21.05.2009 (Plate bei Schwerin), 29.05.2007 (Löcknitz bei Pasewalk) und 24.05.1948 (Ahrenshagen-Daskow) verzeichnet.

Im Binnenland zählt der Mai zu den gewitterreichen Monaten des Jahres. Direkt an der Ostsee und besonders auf den Inseln sind Frühlingsgewitter eher selten und es kommen auch Maimonate ohne Gewittermeldung vor.

Die höchste Anzahl an Gewittertagen gab es in Warnemünde im Mai 1981 und 1983 mit jeweils 9. In Greifswald (Gewitterstatistik bereits seit 1891) brachte der Mai 1937 am häufigsten Blitz und Donner mit ebenfalls 9 Gewittertagen.


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Polarluft und Schauerwetter

Kühl und wechselhaft verlief der Freitag und Samstag an der Ostseeküste sowie auch in vielen anderen Regionen Deutschlands. Auf nahezu direktem Wege strömte polare Kaltluft aus dem hohen Norden zu uns. Die Temperaturen blieben in Warnemünde am Samstag einstellig (Tmax nur 8,6 °C) und die Nacht zum Sonntag brachte abgesehen vom direkten Küstenstreifen verbreitet leichten Frost, am Erdboden konnten lokal bis zu -7 Grad gemessen werden.

Doch das Wetter bot auch schöne (fotogene) Seiten!

In den höheren Luftschichten war es besonders kalt (bis zu -37 Grad in 500 hPa = entspricht etwa 5.500 m Höhe). Damit ergab sich ein großer Temperaturunterschied zwischen der bodennahen Luft und der Höhenkaltluft. Man spricht von sogenannter labiler Schichtung. Durch diese großen vertikalen Temperaturgegensätze entstanden zahlreiche kurze Schauer und auch einzelne Gewitter. Dabei waren alle Niederschlagsformen von Regen über Graupel, kleinem Hagel bis hin zu Schneeregen vertreten.

Die Tiefstwerte der Nacht zum Sonntag (05.05.2019)- Stationen des DWD
-Lufttemperatur in 2 m Höhe-

-2,5 °C Karlshagen/Usedom
-2,4 °C Barth/Flugplatz
-2,4 °C Groß Lüsewitz bei Sanitz
-2,0 °C Laage/Flugplatz
-1,6 °C Tribsees

5 cm über dem Erdboden konnten an den Stationen Karlshagen/Usedom, Grambow nahe der polnischen Grenze und Kargow-Schwarzenhof (Müritz) Minima von -7 Grad gemessen werden.


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Monatsrückblick April 2019

Der zweite meteorologische Frühlingsmonat endete im Ostseebad Warnemünde mit einer Mitteltemperatur von 9,3°C und lag um 1,6 Grad über dem langjährigen Durchschnitt der Klimaperiode 1981-2010. Damit setzt sich die Serie überdurchschnittlich warmer Monate weiter fort. Der letzte Monat mit einer negativen Temperaturabweichung war der März 2018.

Zunächst ein Blick auf die Tagesmitteltemperaturen der vergangenen 30 Apriltage im Vergleich zu den Mittelwerten der Zeiträume 1961-1990 und 1981-2010. Es stechen die warmen Abschnitte vom 03. bis 07.04. und 22. bis 26.04. heraus. Zur Monatsmitte lagen vorrübergehend mehrere Tagesmittel unterhalb der langjährigen Durchschnitte.

Die höchste Temperatur wurde mit 24,7°C in den Mittagsstunden des 26.April gemessen. Das Minimum stammt vom 01.April und liegt bei 0,5°C. Luftfrost trat somit nicht mehr auf, in Bodennähe konnten jedoch an 5 Tagen Minusgrade registriert werden. An 3 Tagen überschritt die Temperatur die 20-Grad-Marke (offiziell warmer Tag).

Der April 2019 war ein trockener Monat. Nur 16,2 l/m² (= mm) Niederschlag kamen zusammen. Diese Menge verteilte sich auf 9 Niederschlagstage. Das Soll wurde damit nicht einmal zur Hälfte erfüllt. Trockenheit und Waldbrandgefahr wurden erneut zu prominenten Themen. An 3 Tagen (11.-13.April) konnten nach einem Polarlufteinschub Schneeflocken beobachtet werden. Eine Schneedecke bildete sich allerdings nicht aus. Für den 26.April ist der erste Gewittertag des Jahres verzeichnet. Direkt in Warnemünde fiel zwar kein Tropfen, aber es donnerte über eine Stunde lang hörbar aus einer kräftigen Gewitterzelle, welche wenige Kilometer östlich bei Rövershagen aktiv war.

Die Sonnenscheindauer übertraf mit 286 Stunden das 30-Jahresmittel der Periode 1981-2010 deutlich. Für einen neuen Aprilrekord reichte es aber nicht, 2009 (321,3 h) und 2007 (290,8 h) war der vierte Monat des Jahres im Ostseebad noch sonniger.

An jedem Tag des Monats ließ sich die Sonne blicken, am wenigsten zeigte sie sich am 28.04. (13 Minuten), am 21. und 22.04. dagegen je 13,9 h.

An den Ostertagen schien die Sonne nahezu ungestört von früh bis spät. So summierte sich von Gründonnerstag bis Ostermontag die maximal mögliche Ausbeute von knapp 70 Sonnenstunden. Dennoch durfte die Jacke bei einem Spaziergang am Wasser über Ostern nicht fehlen, denn häufig blies ein kühler Seewind.

Der Wind spielte warntechnisch kaum eine Rolle, lediglich am 23.04. traten stürmische Böen der Stärke 8 auf. An diesem Tag gefährdeten Staub- und Sandstürme regional den Verkehr in M-V. Nach Auswertung der täglichen mittleren Windrichtung zeigt sich ein ungewöhnliches Bild: Vom 1. bis 24.April wehten ausschließlich östliche Winde. Erst in den letzten fünf Tagen des Monats setzten sich Winde um West durch, als der Einfluss des bis dato stabilen Skandinavienhochs nachließ.


Daten und Statistik zum April 2019 in Warnemünde

Temperatur

Monatsmitteltemperatur: 9,30 °C (1961-1990: 6,34 °C/ 1981-2010: 7,74 °C)

Abweichung vom langjährigen Mittel 1961-1990: +2,96 K
Abweichung vom langjährigen Mittel 1981-2010: +1,56 K

Höchstes Tagesmittel: 16,4 °C am 24.04.
Tiefstes Tagesmittel: 3,1 °C am 13.04.
Tmax-Mittel: 13,9 °C
Tmin-Mittel: 5,7 °C
Höchste Temp: 24,7 °C am 26.04.
Tiefste Temp: 0,5 °C am 01.04.
Tmin 5 cm: -3,2 °C am 20.04.
Warme Tage: 3
Eistage: 0
Frosttage: 0
Bodenfrosttage: 5
Kältesumme (Summe der negativen Tagesmittel): 0,0 K

Niederschlag

Niederschlagsmenge: 16,2 mm (1961-1990: 41,7 mm; 1981-2010: 34,9 mm)

Prozent vom langjährigen Mittel 1981-2010: 46,4 %

Tagesmaximum: 5,3 mm am 26.04.
Tage mit messbarem Niederschlag (mind. 0,1 mm): 9
Tage mit Schneefall/Schneeregen: 3 (11./12./13.04.)
Tage mit Schneedecke (07 Uhr-Klimatermin): 0
Maximale Schneehöhe: 0 cm
Tage mit Graupel/Schneegriesel: 2 (11./12.04.)
Tage mit gefrierendem Regen/Sprühregen: 0
Tage mit Hagel: 0

Sonnenschein

Sonnenscheindauer: 286,3 h (1961-1990: 173,5 h; 1981-2010: 191,7 h)

Prozent vom langjährigen Mittel 1981-2010: 149,4 %

Tagesmaximum: 13,9 h am 21./22.04.
Tage ohne Sonnenschein: 0
Mittel des Bedeckungsgrades: 3,5 Achtel

Wind

Windmittel des Monats: 4,1 m/s (14,8 km/h / Bft 3) (1981-2010: 4,4 m/s)
Spitzenböe: 18,1 m/s (65,2 km/h) am 23.04.
Höchstes Tageswindmittel: 6,8 m/s (24,5 km/h) am 29.04.
Sturmtage (10-min-Mittel >= 8 Bft): 0
Tage mit Sturmböen (Spitzenböe >= 8 Bft): 1 (23.04.)

Tage mit Gewitter: 1 (26.04.)
Tage mit Nebel: 0

mittl. Luftdruck: 1017,4 hPa


Diagramme


Übersicht der Warnemünder Rekorde für den Monat April

Wärmster Monat: 10,5°C (2009)
Kältester Monat: 3,6°C (1929)
Höchste Temperatur: 29,5°C (23.04.1996)
Niedrigste Temperatur: -4,0°C (13.04.1957)
Höchster Monatsniederschlag: 134,1 mm (1970)
Niedrigster Monatsniederschlag: 1,1 mm (2007)
Höchster Tagesniederschlag: 29,0 mm (10.04.1970, 13.04.1994)
Höchste Sonnenscheinsumme: 321,3 h (2009)
Niedrigste Sonnenscheinsumme: 96,3 h (1998)
Größte Schneehöhe: 20 cm (14.04.1966)
Höchste Windspitze: 115 km/h (19.04.1980)


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Erste sommerliche Gewitterlage

Am gestrigen Freitag brodelte es nach sonnigem Tagesstart in den Mittagsstunden am Himmel. Ein Luftmassenwechsel stand an. Über der Mitte und dem Osten von Mecklenburg-Vorpommern herrschte mit östlicher Windströmung Subtropikluft vor, während von Schleswig-Holstein und Niedersachsen ausgehend der Wind in Mecklenburg zunehmend auf West drehte und eine kühlere Luftmasse einströmte.

Kräftige Gewitter entstanden schließlich an dieser Konvergenz (West- und Ostwind strömten zusammen) ab 13:30 Uhr im Raum Rostock. In der Stadt blieb es weitgehend trocken, aber knapp östlich zwischen Rövershagen und Ribnitz ging es ordentlich zur Sache. Laut Radaranalyse fielen eng begrenzt über 50 l/m². Meldungen und Fotos in sozialen Netzwerken belegen außerdem mindestens 2 cm große Hagelkörner. Bei den Gewittern handelte es sich um sogenannte „retrograde Multizellen“, da besonders am Südende der Zellen (welche Richtung Norden zogen) immer wieder Neuentwicklungen auftraten. So konnte man den (falschen) Eindruck gewinnen, dass sich die Gewitter rückwärts verlagern.

Nur wenige Kilometer entfernt in Warnemünde kam kein Tropfen vom Himmel, es donnerte und grummelte jedoch über eine Stunde lang. Am Strand des Ostseebades blickte man nach Osten auf eine schwarze Wand, während sich der Himmel nach Westen beinahe wolkenlos zeigte (leider keine Fotodokumentation, da der Autor nicht vor Ort war). Mit Windsprung von Südost auf West sank die Temperatur in Warnemünde innerhalb einer halben Stunde von knapp 25 Grad um 12:40 Uhr auf 13 Grad um 13:10 Uhr.


Temperaturdaten Warnemünde (DWD) Freitag, 26.April 2019 12:30 bis 13:30 Uhr

12:30 Uhr 24.1 °C
12:40 Uhr 24.2 °C
12:50 Uhr 15.4 °C
13:00 Uhr 14.9 °C
13:10 Uhr 13.2 °C
13:20 Uhr 12.8 °C
13:30 Uhr 12.0 °C


Mit der Konvergenz verlagerte sich auch die Zone mit den linienförmig angeordneten Schauern und Gewittern zum Nachmittag nach Vorpommern. Diese verloren aber insgesamt an Struktur und Intensität, sodass dort keine unwetterartigen Ausmaße registriert wurden. Zuvor konnten im Raum Neubrandenburg und Pasewalk noch bis zu 27 Grad gemessen werden, die bislang höchsten Temperaturen des Jahres.

Nach einer vorrübergehenden Wetterberuhigung kamen in der Nacht zum Samstag von Süden erneut schauerartige Regenfälle mit eingelagerten Gewittern auf. Besonders im Osten von M-V registrierten die Niederschlagsmessgeräte bis zu 10 l/m². Bezüglich der Trockenheit ist damit immerhin ein Anfang gemacht. Nachhaltig und flächendeckend hat sich die Lage aber nicht entspannt!

Die Niederschlagsmengen in M-V vom Do, 25.04. 08:50 Uhr bis Sa, 27.04. 08:50 Uhr.
Die Schwerpunkte der Schauer- und Gewitterzellen mit eng begrenztem Starkregen sind deutlich auszumachen.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regensummen/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme-48std/20190427-0650z.html

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