„Heat Burst“ am 12.Juni in Greifswald

Bei der Auswertung der Datensätze verschiedener MV-Stationen für den vergangenen Monat fiel ein recht seltenes Phänomen auf, welches nachts in der Nähe abklingender Gewitter auftreten kann und einen starken, plötzlichen Temperaturanstieg + Abnahme des Taupunkts (Feuchtigkeit) zur Folge hat.

So geschehen in den frühen Morgenstunden des 12.06.2019 an der Wetterwarte Greifswald, als auf der Rückseite eines abziehenden mesoskaligen, konvektiven Systems (MCS, großer Gewitterkomplex) die Temperatur zwischen 5:00 MESZ und 5:10 MESZ, also in 10 Minuten und man beachte die Tageszeit, um knapp 5,5 Grad anstieg! Gleichzeitig fiel die relative Feuchte von 97 auf 65%. Über den Wind lässt sich leider nichts sagen, da das Gewitter vorher offenbar die Windmessung lahm gelegt hat. Typischerweise kommt es jedoch bei einem „heat burst“ zusätzlich zu starken Böen.

Ganz oben im Diagramm die markante Temperaturspitze (rot), sowie in der 2.Ebene die rel. Luftfeuchte (blau) und in der 5. Ebene der Luftdruckfall (blau).

Die Entstehung dieses Phänomens ist bislang nicht hundertprozentig geklärt. Grundlage sind Abwinde von trockenwarmer Luft aus höheren Schichten. Der letzte Niederschlag eines Gewitters fällt dabei in diesen Bereich trockener Luft, welche nun durch Verdunstung des Niederschlags abkühlt. Damit ist sie schwerer als die Umgebungsluft (jedoch immer noch vergleichsweise trocken) und fällt quasi zu Boden. Dieser Absinkprozess verläuft trockenadiabatisch, sprich pro 100 Höhenmeter Erwärmung um 1°C. Am Boden erfolgt dann die Wahrnehmung durch kurzzeitig extreme Temperaturspitzen, stark-böigem Wind und deutlichem Feuchterückgang + Druckabfall.

Im Prinzip funktioniert der „Hitzestoß“ wie Föhn, nur ohne Gebirge.

Ein noch extremeres Ereignis als zuletzt in Greifswald, wurde am 17.07.2007 von der Wetterstation Feldberg/Mecklenburg aufgezeichnet. Die Temperatur stieg gegen 5 Uhr innerhalb weniger Minuten von 21 auf knapp 31°C (!!!). Zudem fiel die Luftfeuchte von 80 auf 25% und es gab Böen bis knapp 85 km/h (Stärke 9).

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man davon ausgehen, dass die Messtechnik verrückt spielt. Doch auch dieser Fall passt ins Schema eines „heat bursts“. Auch andere Stationen in der Umgebung (bspw. Anklam, Greifswald, Greifswalder Oie) zeigten ähnliche Verläufe in der Temperaturkurve.

Quelle Diagramme: http://www.mtwetter.de/


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Monatsrückblick Juni 2019

Der Juni 2019 setzte nicht nur im deutschen Landesmittel, sondern auch in der Region neue Temperatur-Höchstmarken.

Er verlief deutlich zu warm bei leicht überdurchschnittlicher Niederschlags- und deutlich überdurchschnittlicher Sonnenscheinbilanz.

Der erste meteorologische Sommermonat endete im Ostseebad Warnemünde mit einer Mitteltemperatur von 19,3°C und lag um 3,9 Grad über dem langjährigen Durchschnitt der Klimaperiode 1981-2010, sogar 4,3°C über dem noch international gültigen Referenzzeitraum 1961-1990. Damit ist der Juni 2019 nun der wärmste Juni-Monat in der Warnemünder Temperaturreihe seit 1901. Der bisherige Rekordhalter stammte aus dem Jahre 1917 (19,0°C).*1 => Exkurs


*1 Zu beachten ist, dass sich über die Jahre ein Verstädterungseffekt in Warnemünde bemerkbar gemacht hat (hoher Versiegelungsgrad, dichte Bebauung) und zudem eine Umstellung (Anfang der 1990er-Jahre) von konventioneller zu elektronischer Messtechnik erfolgte. Die modernen Temperatursensoren nehmen verstärkt Wärmestrahlung aus Sand/Kies (Dünenmessfeld!) auf, während die traditionellen Glasthermometer darauf weniger empfindlich reagierten. Kurzum: Seit etwa 1990 beginnt eine Inhomogenität der Temperaturreihe, die Monats-/Jahresmittel liegen seitdem etwa 0,2 bis 0,3°C „zu hoch“. Bedenkt man diesen Fakt, so liegt der Juni 2019 wohl nur minimal über dem Temperaturmittel von 1917, aber dennoch ist der neue Rekord gesichert, denn auch die Umgebungsstationen zeigen dieses Bild.


Allerdings war der sechste Monat des Jahres 1889 womöglich noch wärmer (kein Wert verfügbar) und somit der wahre Allzeit-Junirekordhalter in Warnemünde. Im etwa 30 Kilometer entfernten Ostseebad Wustrow wurde damals ein Monatsmittel von 19,2°C bestimmt und dieser Standort ist kühler einzuschätzen als das Rostocker Ostseebad.

Nun wieder zurück zum aktuellen Monatsrückblick:

Ein Vergleich der Tagesmitteltemperaturen der vergangenen 30 Junitage zu den Mittelwerten der Zeiträume 1961-1990 und 1981-2010 zeigt: Die positiven Abweichungen zogen sich durch den ganzen Monat und fielen teilweise sehr deutlich aus. Auch hier gilt jedoch der Hinweis unter *1 weiter oben .

An keinem Tag lag die Mitteltemperatur unter den Durchschnittswerten der beiden verwendeten Klimaperioden 1961-1990 und 1981-2010.

Die höchste Temperatur wurde mit 35,9°C am 30.Juni gemessen. Dadurch steht nun ein neuer Junirekord zu Buche, die alte Bestmarke von 35,0°C (gemessen am 29.06.1947) ist Geschichte. Insgesamt traten 12 meteorologische Sommertage auf (Tmax>=25 Grad). Diese Anzahl ist ebenfalls gleichbedeutend mit einem neuen Junirekord (seit 1947). An vier Tagen konnten sogar Temperaturen von mindestens 30,0°C registriert werden. Hierbei wurde die Höchstmarke eingestellt (4 Tage, 06/2000). Deutlich in der Unterzahl waren die nicht-warmen Tage, an denen auch tagsüber die Temperatursensoren keine 20 Grad anzeigten.

Der Tiefstwert stammt vom 02.Juni und liegt bei 11,8°C. Seit dem Krieg gab es noch nie so ein hohes Juni-Monatsminimum.

Bezüglich der anderen zwei bedeutsamen meteorologischen Parametern Niederschlag und Sonnenschein lässt sich zusammenfassen: Der Monat war ausgesprochen sonnig und, auf die Regenmenge bezogen, auch leicht überdurchschnittlich nass. Die Anzahl der Niederschlagstage lag jedoch nur bei 9 (Mittel 1981-2010: 14 Tage). Dem gegenüber stehen 18 komplett trockene Tage. Ein Großteil der Niederschläge entfiel auf Gewittersysteme, welche die Region zwischen dem 11. und 15.06. heimsuchten. Danach, in der dritten Dekade, fiel überhaupt kein Tropfen Regen mehr. Die Trockenheit nahm schnell wieder zu, denn das Defizit aus dem vergangenen Jahr und dem diesjährigen Frühjahr ist längst nicht ausgeglichen worden.

Die Monatssonnenscheindauer betrug 330,3 Stunden und liegt damit nur knapp unter dem Niveau vom Juni 1992 (341,7 h) sowie 1970 (337,1 h) und 1959 (331,9 h). Es erfolgt die Einordnung als viertsonnigster Juni in der Reihe seit 1947. Die mittlere tägliche Sonnenscheindauer ist mit 11 Stunden anzugeben. Ein vollständig trüber Tag ohne Aufklaren wurde nicht verzeichnet, die geringste Sonnenausbeute wies der 15.06. mit 0,7 h auf. Am 29.06. ließ sich die Sonne gar ganze 16 Stunden blicken.

Für den 03./06./12./13./15. und 19.Juni sind Gewittertage notiert worden, wobei der Aufzug am 13. mit einer Rollcloud und am 15. mit einer Shelfcloud besonders spektakulär verlief. Die Gewitter brachten insgesamt fast 50 Liter Regen und somit etwa 70 % der Monatssumme und traten hauptsächlich an einer tagelang über Ostdeutschland liegenden Luftmassengrenze auf, wobei der Großteil Mecklenburg-Vorpommerns auf der schwülwarmen und feuchten Seite lag und teils auch MCS`s (Mesoscale Convective System / großräumiger, aus mehreren Gewitterzellen bestehender Komplex)) über die Region zogen. Hagel konnte nicht beobachtet werden.

Der Wind spielte warntechnisch kaum eine Rolle, lediglich im Umfeld der schweren Unwetterfront vom 15.Juni konnten Sturmböen bis 75 km/h in Warnemünde erfasst werden.

Das Monats-Windmittel von 4,4 m/s (Stärke 3) blieb etwas unter dem vieljährigen Mittel der Periode 1981-2010. Eine Haupt-Windrichtung kann nicht ausgemacht werden, der Juni zeichnete sich durch ständige Strömungswechsel aus und alle Windrichtungen waren mehrfach vertreten.

Als eine Besonderheit soll abschließend das ungewöhnlich häufige Auftreten von Leuchtenden Nachtwolken erwähnt werden. Je nach Beobachtungsstandort entlang der Ostsee konnte in teilweise 10 Nächten dieses Phänomen beobachtet werden. Besonders stark ausgeprägt zeigten sich die NLCs in der Nacht vom 21. zum 22.06. über den gesamten Nordhimmel bis in den Zenit.

Die Wassertemperaturen der Ostsee vor Warnemünde stiegen zum Monatsende stark an und erreichten bei auflandiger Windströmung bereits bis zu 20°C, während bei Landwind kaltes Tiefenwasser empor stieg und das erwärmte Oberflächenwasser von der Küste auf das offene Meer abtrieb. So geschehen am 25.06., als ein starker Südostwind wehte und ufernah das Wasser nur etwa 14°C hatte.


Daten und Statistik zum Juni 2019 in Warnemünde

Temperatur

Monatsmitteltemperatur: 19,31°C (1961-1990: 14,99 °C/ 1981-2010: 15,39 °C)

Abweichung vom langjährigen Mittel 1961-1990: +4,32 K
Abweichung vom langjährigen Mittel 1981-2010: +3,92 K

Höchstes Tagesmittel: 24,3 °C am 25./30.06.
Tiefstes Tagesmittel: 15,7 °C am 07.06.
Tmax-Mittel: 24,6 °C
Tmin-Mittel: 15,1 °C
Höchste Temperatur: 35,9 °C am 30.06.
Tiefste Temperatur: 11,8 °C am 02.06.
Tmin 5 cm: 10,1 °C am 02.06.
Sommertage: 12
Hitzetage: 4
Warme Tage: 24
Frosttage: 0
Bodenfrosttage: 0

Niederschlag

Niederschlagsmenge: 72,2 mm (1961-1990: 59,4 mm; 1981-2010: 70,2 mm)

Prozent vom langjährigen Mittel 1981-2010: 102,9 %

Tagesmaximum: 26,4 mm am 15.06.
Tage mit messbarem Niederschlag (mind. 0,1 mm): 9
Tage mit >=1 mm: 8
Tage mit >=5 mm: 4
Tage mit >=10 mm: 3
Tage mit Schneefall/Schneeregen: 0
Tage mit Graupel: 0
Tage mit Hagel: 0

Sonnenschein

Sonnenscheindauer: 330,3 h (1961-1990: 247,4 h; 1981-2010: 230,0 h)

Prozent vom langjährigen Mittel 1981-2010: 143,6 %

Tagesmaximum: 16,1 h am 17.06.
Tage ohne Sonnenschein: 0
Mittel des Bedeckungsgrades: 4,3 Achtel

Wind

Windmittel des Monats: 4,4 m/s (15,8 km/h / Bft 3) (1981-2010: 4,7 m/s)

Spitzenböe: 20,8 m/s (74,9 km/h, Bft 9) am 15.06.
Höchstes Tageswindmittel: 10,9 m/s (39 km/h, Bft 6) am 27.06.
Höchstes 10-min-Mittel: 13,6 m/s (49 km/h, Bft 6) am 27.06.
Sturmtage (10-min-Mittel >= 8 Bft): 0
Tage mit Sturmböen (Spitzenböe >= 8 Bft): 1 (15.)

Beobachtung

Tage mit Gewitter: 6 (03./06./12./13./15./19.)
Tage mit Nebel: 0

Luftdruck / Luftfeuchte

mittl. Luftdruck: 1015,1 hPa (1981-2010: 1013,5 hPa)
mittl. relative Luftfeuchte: 69,2 %
Maximum Luftfeuchte: 99,5 % am 15.06.
Minimum Luftfeuchte: 18,0 % am 30.06.


Diagramme

Auf und Ab bei den Temperaturen, jedoch durchgehend auf hohem Niveau.
Nach Monatsmitte gab die Sonne nochmal alles, Niederschlag blieb jedoch fast komplett aus.
Zuletzt vier sehr warme Junimonate in Folge.
Langjährig ist ein leichter Aufwärtstrend bei den Juniniederschlägen zu erkennen. Kurios: Dem nassesten Juni im Jahre 1991 folgte direkt der trockenste Juni in der Messreihe seit 1901.

Übersicht der Warnemünder Rekorde für den Monat Juni
Wärmster Monat: 19,3°C (2019)
Kältester Monat: 11,5°C (1923)
Höchste Temperatur: 35,9°C (30.06.2019)
Niedrigste Temperatur: 2,5°C (02.06.1975)
Höchster Monatsniederschlag: 154,9 mm (1991)
Niedrigster Monatsniederschlag: 0,5 mm (1992)
Höchster Tagesniederschlag: 61,6 mm (29.06.1960)
Höchste Sonnenscheinsumme: 341,7 h (1992)
Niedrigste Sonnenscheinsumme: 137,8 h (1984)
Höchste Windspitze: 119 km/h (23.06.1984)
Höchste Anzahl Gewittertage: 8 Tage (1956, 1978, 1980)


Temperaturrekorde am letzten Junitag

Was ein Hitzesonntag! Landesweit wurde in Mecklenburg-Vorpommern die 30 Grad-Marke geknackt, häufig ging es sogar über 35°C hinaus. Es war der Höhepunkt einer in weiten Teilen von Mittel- und Südeuropa beeindruckenden Hitzewelle.

Quer durch M-V gab es nicht nur neue Junirekorde, an einigen Stationen wurde gestern,am 30.06.2019, die höchste Temperatur seit Aufzeichnungsbeginn erfasst! Besonders hervorzuheben sind die Stationen mit über 100-jährigen Messreihen, beispielsweise Greifswald, Marnitz und Putbus auf Rügen.


Auswahl neue Rekorde / DWD-Klimastationen in MV

Hinweis: Der Marnitzer Allzeit-Temperaturrekord (Marnitz liegt im südlichen Mecklenburg bei Parchim) ist mit einem Fragezeichen versehen. Am 09.08.1992 könnte es dort noch heißer gewesen sein, das damalige Maximum ist bislang nicht einwandfrei zu ermitteln.

Auch die Landeshöchstmarke des Monats wurde geknackt:

+++ Landesrekord Mecklenburg-Vorpommern für Juni +++
NEU: 37,3°C / am 30.06.2019 in Anklam
ALT: 36,1°C / am 20.06.2000 in Teterow + 21.06.2000 in Ueckermünde


In Warnemünde war es ebenfalls ein historisch heißer Tag. Der lebhaft böige Süd-Südwestwind ließ keine Seewindzirkulation zu, sodass in der Tropikluft bei voller Sonneneinstrahlung ein Maximum von 35,9°C gegen 16 Uhr gemessen werden konnte. Dies entspricht einem neuen Junirekord in der Messreihe seit 1934. Kurz danach drehte die Strömung vor Durchgang einer Kaltfront auf Nordwest und es gab einen Temperatursturz um 10°C innerhalb einer Stunde. Zum Abend entwickelten sich im Zuge des Luftmassenwechsels linienartig einige Schauer und Gewitter im nördlichen Vorpommern, in Warnemünde blieb es aber komplett trocken. Seit dem 16.Juni fielen lediglich 2 Liter Niederschlag. 15 von 16 Tagen blieben niederschlagsfrei.

Die 5 höchsten Juni-Maxima in Warnemünde seit 1934

35.9 °C 30.06.2019
35.0 °C 29.06.1947
34.9 °C 30.06.1947
33.3 °C 08.06.1996
33.2 °C 11.06.1937

Nun ist die Rekordhitze erstmal Geschichte und es folgt ein kühlerer und wechselhafter Witterungsabschnitt. Entlang der Küste ist zudem immer wieder mit Starkwind zu rechnen. In den nächsten 10 Tagen wird die 30-Grad-Marke wohl unangetastet bleiben. Was danach passiert? Man weiß es nicht.


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Neuer Junirekord in M-V knapp verpasst

Der Mittwoch brachte die bisher höchsten Temperaturen des Jahres nach Mecklenburg-Vorpommern. Der Hitzeschwerpunkt verlagerte sich mit Kippen der Strömung auf West /Nordwest in den Südosten des Landes. Spitzenreiter im DWD-Messnetz war die Station Grambow-Schwennenz an der polnischen Grenze mit einem Höchstwert von 35,7°C. Somit bleibt die Juni-Rekordmarke von 36,1°C aus dem Jahr 2000 (Ueckermünde, Teterow) bestehen.

An den vorpommerschen Stationen Greifswald (Tageswerte seit 1898) und Ueckermünde (seit 1947) ordnete sich der Maximalwert vom 26.06.2019 (34,2°C bzw. 35,3°C) allerdings als zweitheißester Juniwert hinter dem 21.06.2000 ein. Somit durchaus ein seltenes Ereignis.


Die Tmax-Hitliste vom 26.06.2019 in M-V (DWD und MeteoGroup-Stationen)
35,9°C Penkun/ Vorpommern (MG)
35,9°C Usedom-Stadt (MG)
35,7°C Grambow-Schwennenz (DWD)
35,7°C Zinnowitz / Usedom (MG)
35,5°C Luckow-Rieth (MG)
35,3°C Ueckermünde (DWD)
35,3°C Rattey-Schloss (MG)
35,2°C Neustrelitz (MG)
35,1°C Anklam (DWD)
34,7°C Trollenhagen (Flugplatz) (DWD)


In Warnemünde wurde vormittags die 30-Grad-Marke geknackt und die Strandbesucher kamen bei prallem Sonnenschein und nahezu Windstille ordentlich ins Schwitzen und suchten Abkühlung im Schatten bzw. in der 18-20°C frischen Ostsee. Doch bereits in den Mittagsstunden lebte der westliche Wind auf und sorgte für angenehmere Verhältnisse.

An den Stränden der Insel Usedom wurde es mit ablandigem Westwind vorübergehend 35 bis knapp 36°C heiß, bevor dann mit der großflächig nordwestlichen Strömung ab Nachmittag kühlere Meeresluft bis ins Landesinnere vordrang.

Diese Luftmasse bleibt bis Freitag unter Hochdruckeinfluss (weiterhin viel Sonne und trocken, nur eben kühler) bestehen. Zum Wochenende nimmt die Hitze einen neuen Anlauf und kann sich von Frankreich erneut nach Norden voranarbeiten. Am Samstag sind im südlichen Binnenland bereits wieder 30°C, am Sonntag dann bis an die Ostsee 31 bis 35°C, unter Umständen noch darüber, zu erwarten. In der neuen Woche sieht es dann jedoch nach einer nachhaltigeren Abkühlung aus.

Bei diesen Aussichten und aufgrund des neuen Hitzepeaks am letzten Junitag scheinen einige Monats-Temperaturrekorde fällig zu sein. Beispielsweise folgende Landes-Höchstmarken:

  • absolute Höchsttemperatur (36,1°C Teterow, Ueckermünde / Juni 2000)
    => neuer Anlauf am Sonntag
  • höchstes Monatsmittel der Temperatur (20,4°C Neustrelitz / Juni 1889)
    => aktuell bis 26.06.: 20,9°C Waren und Grambow-Schwennenz
  • höchste Anzahl Sommertage, Tmax>=25°C, (20 Tage Schwerin / Juni 1917, 20 Tage Marnitz / Juni 1889)
    => aktuell bis 26.06.: 19 Tage Marnitz und Goldberg im Süden Mecklenburgs
  • höchste Anzahl Warme Tage, Tmax>= 20°C, (30 Tage südl. M-V / Juni 1889)
    => aktuell bis 26.06.: 26 Tage an vielen Stationen im Binnenland, Rekord wird nahezu sicher eingestellt

Tmax-Prognose Sonntag (30.06.)– Morgenläufe ICON (Deutsches Modell), ECMWF (Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage) und GFS (US-Modell)

Das GFS-Modell (ganz unten) spielt bei den Extremhitze-Rechnungen nicht mit und will „nur“ 28 bis 33°C.

Quelle: Kachelmannwetter => https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten


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Mittwoch neue Temperaturrekorde?

In der neuen Woche steht ein recht kurzes, aber intensives Hitzeintermezzo an. Von einer Hitzewelle kann per Definition nicht gesprochen werden, denn dafür wären 3 Tage in Folge mit mindestens 30 Grad erforderlich. Diese wird es allenfalls ganz im Süden von M-V geben.

Fest steht: Am heutigen Montag wird es bereits sommerlich warm, Dienstag und Mittwoch heiß mit über 30°C. An den Küsten könnte Seewind abschnittsweise für erträglichere Bedingungen sorgen, zumindest heute und dann wieder am Mittwoch mit Winddrehung auf Nordwest im Tagesverlauf.

Ebenfalls sicher: Am Donnerstag wird die aus Nordafrika angezapfte Tropikluft bereits durch deutlich kühlere Nordseeluft ersetzt worden sein. Genau diesen Vorgang haben die computergestützten Wettermodelle vor einigen Tagen noch unterschätzt. Das statistisch beste Mittelfristmodell ECMWF hatte als einziges bereits frühzeitig den richtigen Riecher und sollte Recht behalten. Frösteln müssen wir den Rest der Woche trotzdem nicht. Mit 20 bis 26°C ist es dann wohl für die Allermeisten schlichtweg angenehm temperiert.

Ein spannender und interessanter Wettertag könnte dennoch der Mittwoch werden. Hier simulieren die Modelle momentan bis zu 36°C in der Südosthälfte von M-V. Der JuniTemperaturrekord für Mecklenburg-Vorpommern liegt bei 36,1°C (Teterow, Ueckermünde / 20.,21.06.2000) und würde in „Gefahr“ geraten. Ob wirklich eine neue Höchstmarke aufgestellt wird, hängt von Details ab, welche 3 Tage im Voraus nicht zu klären sind. Bewölkung könnte die Einstrahlung dämpfen und eine schnell auf Nordwest drehende Bodenströmung die Hitze bereits nach Berlin/Brandenburg abdrängen. Gerade im Westen des Landes sind neue Monatsrekorde mittlerweile sehr unwahrscheinlich. Dennoch einmal ein Blick auf die Spitzenwerte der langjährigen Messreihen von Schwerin, Greifswald und Warnemünde.

Juni-Tagesmaxima in Schwerin (seit 1890)  
34.4 °C 20.06.2000  
34.3 °C 09.06.1915  
34.1 °C 17.06.1917  
34.1 °C 29.06.1947  
33.9 °C 11.06.1937  
Juni-Tagesmaxima in Greifswald (seit 1898)
35.6 °C 21.06.2000
34.8 °C 20.06.2000
34.1 °C 20.06.1917
34.0 °C 30.06.1947
33.7 °C 11.06.1937
Juni-Tagesmaxima in Warnemünde (seit 1934)
35.0 °C 29.06.1947
34.9 °C 30.06.1947
33.3 °C 08.06.1996
33.2 °C 11.06.1937
33.0 °C 20.06.1954

Am ehesten sind neue Stationsrekorde im Südosten Vorpommerns möglich, dort liegt der zu schlagende Maximalwert allerdings noch höher. Hier für Ueckermünde, wo der Juni-Landesrekord „zu Hause“ ist.

Juni-Tagesmaxima in Ueckermünde (seit 1947)
36.1 °C 21.06.2000
35.2 °C 20.06.2000
34.5 °C 29.06.1947
34.1 °C 29.06.1994
33.5 °C 14.06.1964

Aktuelle Tmax-Modellprognose für Mittwoch (26.06.)- SuperHD / ICON / ECMWF

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/sui-hd/mecklenburg-vorpommern/hoechsttemperatur/20190626-1800z.html
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/deu-hd/mecklenburg-vorpommern/max-temperatur-6std/20190626-1800z.html
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/euro/mecklenburg-vorpommern/max-temperatur-6std/20190626-1800z.html

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Schauer im Abendlicht

Am vergangenen Donnerstag (13.06.) boten die Luftmasseneigenschaften zwar weit weniger Potenzial für Schwergewitter als am gestrigen Samstag, dennoch reichte es für einige ansehnliche Entwicklungen am Abendhimmel.

Die folgenden Bilder zeigen eine von Westen aufziehende Schauerzelle mit vorlaufender Rollcloud, welche knapp östlich von Warnemünde elektrisch wurde und sich in eine entstehende Gewitterlinie von der Ostsee bis zur Müritz integrierte.


Radarbilder zum Zeitpunkt der Aufnahmen:

Dieses unscheinbare Schauerecho sorgte für das optische Highlight am Abend.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/rostock-stadt/20190613-1945z.html
Nach der Überquerung der Warnow entstanden urplötzlich linienartig starke Gewitter, welche Richtung Vorpommern zogen.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/rostock-stadt/20190613-2015z.html

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Tornadobeobachtungen aus Warnemünde- eine ungewöhnliche Statistik

Tornado auf der Ostsee vor Rügen am 23.08.2017,
Quelle: https://tornadoliste.de/170823ruegen.htm

Von den Wetterbeobachtern an der Wetterwarte Warnemünde sind in den vergangenen Jahrzehnten bereits mehrere Tornadosichtungen (meist Wasserhosen über der Ostsee) dokumentiert worden. Auch durch historische Schriften oder in der jüngeren Vergangenheit mittels Handyfotos und Videos konnten Tornados in der Region um Warnemünde bestätigt werden.

Hier alle bekannten Fälle aus Warnemünde:

Datum Stärke auf Fujita-Skala Uhrzeit Bemerkung
18.08.1885 W, F1 Gegen 08:30 Uhr 2 Fälle,
einer streifte Ort
19.08.1885 W 07:30 Uhr  
25.08.1885 W 09-10 Uhr  
19.06.1889 W morgens mehrere Fälle
20.09.1928 W unbekannt 2 Fälle
17.04.1952 F1 unbekannt  
06.09.1997 W 13-14 Uhr Beobachtung von Wetterwarte
05.09.2000 W unbekannt  
01.09.2003 W 11-12 Uhr Beobachtung von Wetterwarte
26.07.2005 W 21:25-21:30 Uhr  
16.09.2005 W ? 10:44-11:00 Uhr Verdacht
16.06.2008 W ? nach 22:00 Uhr Verdacht
26.05.2009 W ? 20:08 Uhr Verdacht
28.08.2010 W, F0 19:00-19:30 Uhr Mind. 2 Fälle,
einer zog bis auf
die Promenade
02.09.2010 W, F0 12:10-12:15 Uhr Zog westlich des Hotel Neptuns auf Land
12.05.2013 W ? 15:48 Uhr Verdacht
11.08.2013 W ? 14:00 Uhr Verdacht
10.09.2014 W 15:24-15:29 Uhr  
25.04.2016 W 07:10-07:16 Uhr  

W = Wasserhose
F0 = Windgeschwindigkeit unter 117 km/h (keine Orkanstärke)
F1 = Windgeschwindigkeit 117 bis 180 km/h, Tornados dieser Kategorie können bereits Bäume entwurzeln/ durchbrechen, Dächer beschädigen und Anhänger / Wohnmobile umwerfen

Quelle: Tornadoliste Deutschland => https://tornadoliste.de/


Bei den in Warnemünde aufgetretenen Tornados, meistens über der Ostsee beobachtet (selten mit Landgang), handelte es sich wohl nahezu ausschließlich um sogenannte Typ-II-Tornados. Die überwiegende Mehrheit aller Wasserhosen zählt zu dieser Kategorie. Zur Entstehung solcher „Ostsee-Tromben“ kommt es bevorzugt, wenn im Spätsommer/ Herbst in höheren Luftschichten sehr kalte Luft über dem noch sommerwarmen Meerwasser vorherrscht. Diese teils erheblichen Temperaturunterschiede zwischen der Höhe und der bodennah feuchtmilden Ostseeluft sind eine wichtige Voraussetzung. Man spricht von labiler Schichtung. Außerdem begünstigen eine windschwache Umgebung und kleinräumige Bodenwindkonvergenzen das Entstehen von Wasserhosen, welche meist nur eine Lebensdauer von einigen Minuten, selten bis zu einer Stunde aufweisen. Eine Gefahr geht insbesondere für kleine Schiffe und Boote aus, welche durchaus kentern können. Es sind einzelne solcher Unfälle auf Nord- und Ostsee, aber auch auf deutschen Binnenseen bekannt.

Eine Stärkeeinschätzung für Wasserhosen (Fujitaskala, F0 bis F5) ist übrigens nur möglich, wenn sie auf Land trifft. In der Regel hält sich das Schadensausmaß aber auch dann in Grenzen.

Ein prominentes Beispiel aus dem Rostocker Ostseebad ist der Tornado vom 28.08.2010. Dieser bildete sich am Rande eines Kaltluftgewitters über der Ostsee und zog dann über den Strand von Warnemünde bis auf die Promenade und löste sich auf Höhe Alter Strom schließlich auf. Viele im Internet veröffentlichte Amateurvideos zeigen das Schauspiel. Während am Strand lediglich Windfangzäune beschädigt wurden und Strandkörbe umkippten, zerstörte der Tornado auf der Promenade Zelte sowie eine Telefonzelle und umherfliegende Teile verletzten mehrere Menschen.

Außergewöhnlich muss auch das Wasserhosenereignis vom 19.Juni 1889 gewesen sein, wobei hier ein Bericht der Coburger Zeitung vom 22.06.1889 überliefert ist:

“ Am Mittwoch Morgen bot sich den Badegästen von Warnemünde, die rechtzeitig aufgestanden waren, ein eigenartiges Schauspiel dar. Wasserhosen zeigten sich in großer Zahl auf der See. Der Wind wehte aus West, und am nordöstlichen Himmel hing wie ein Vorhang schweres finsteres Gewölk. Aus dem Rande dieses Gewölkes senkten sich kegelförmige Zapfen zur See hinab, denen entgegen die See sich in wirbelnder Bewegung erhob. So entstanden säulenartige Gebilde, welche See und Wolke mit einander verbanden. Das untere Stück einer solchen Säule bildete ein Kegel, der mit der Spitze nach unten in rotierender Bewegung wie ein Kreisel auf der Oberfläche der See hinzugleiten schien. Die Säulen standen nicht immer senkrecht, sondern schienen häufig wie vom Winde hin und hergebogen. Eigenthümlich sah es aus, wenn zwei Wasserhosen aneinander vorbeigingen. Sie bewegten sich langsamer oder schneller in der Richtung von Westen nach Osten. Wenn eine Wasserhose sich wieder auflöste, verschwand der untere helle Theil in der See, der obere dunkle zog sich mit reißender Schnelligkeit und noch immer in wirbelnder Bewegung in das Gewölk zurück. Die ältesten Lootsen von Warnemünde hatten so viele Wasserhosen auf einmal noch nie gesehen. Sonst wußten sie Manches von dieser Naturerscheinung zu erzählen. So ein Ding sei nicht ungefährlich. Wenn ein kleines Fahrzeug dahineingeriethe, wäre es unbedingt verloren, aber auch einem großem Schiff könnten davon die Masten abgedreht werden. An demselben Tage fiel über Warnemünde der erste etwas ausgiebige Regen seit vielen Wochen.“

Nun sind natürlich sehr wahrscheinlich noch deutlich mehr Tornados in den letzten 100 bis 200 Jahren über der Ostsee vor Warnemünde (oder womöglich auch im Ort) aufgetreten, als in der oben aufgeführten Liste stehen. Viele Fälle stammen aus den letzten Jahren und liegen nicht weit in der Vergangenheit. Das liegt vor allem daran, dass heute fast jeder die Möglichkeit hat schnell das Smartphone oder die Fotokamera zu zücken und somit die Dokumentation viel leichter und unkomplizierter ist.

Die jährliche Anzahl beobachteter Wasserhosen an unseren deutschen Küsten schwankt stark. Wenn sich günstige Wetterlagen im August oder September einstellen, und dies nach einem sehr warmen Sommer mit hohen Wassertemperaturen, können über 50 Fälle registriert werden. Besonders extrem war das Jahr 2006 mit 64 bestätigten Tornados über Wasser und einer hohen Dunkelziffer.

Zum Abschluss noch eine kleine Begriffskunde: Die Begriffe Tornado und Windhose sind Synonyme und beschreiben das gleiche Wetterphänomen, wobei Meteorologen „Windhose“ ungern verwenden, da es verniedlichend wirkt. Wasserhosen sind Tornados, die über einer größeren Wasserfläche wie einem Meer oder See auftreten. Die in den Medien gerne formulierte Beschreibung „Mini-Tornado“ ist Blödsinn. Tornados können in Europa genauso stark sein, wie in den Vereinigten Staaten.


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