Jahresauswertung 2019- Warnemünde

Sturmtief Zeetje brachte am 01./02.Januar 2019 orkanartige Böen und das schwerste Sturmhochwasser in Warnemünde seit 1954.

2019 war mit einer Mitteltemperatur von 10,8°C das wärmste Jahr in Warnemünde in der Messreihe seit 1901. Das Jahresmaximum stammt vom 30.06. und betrug 35,9°C. Dieser Wert ist gleichbedeutend mit einem neuen Monatsrekord für Juni. Die tiefste Temperatur betrug lediglich -5,6°C (23.01.), nur 1974,1989 und 1990 wurde ein höheres Jahresminimum registriert.

An 8 Tagen lag der Höchstwert über der 30,0°C-Marke, genauso viele Hitzetage gab es auch im Jahrhundertsommer 2018. Die Anzahl der Sommertage (27) und Warmen Tage (82) ordnete sich jedoch recht deutlich unter dem Vorjahresniveau (39/117) ein.

Die Niederschlagsbilanz fiel unauffällig aus. Während die Gesamtsumme vom 01.01. bis 31.12. leicht unter dem Klimamittel von 1961-1990 blieb, wurden etwas mehr Niederschlagstage als durchschnittlich gemeldet. Sehr dürftig war die Ausbeute von Schneedecken- und Schneefalltagen.

Die Sonne zeigte sich mit mehr als 1900 Stunden erneut vergleichsweise häufig, wobei nach dem Super-Sonnenjahr 2018 (2187 h) wieder ein Rückgang nahe an das Normalmaß zu verzeichnen war.

Die Auswertung der Winddaten ergab ein unspektakuläres Bild: Das Jahresmittel von 5,0 m/s bedeutet eine kleine positive Abweichung gegenüber dem Mittelwert, die Anzahl der Sturmtage erreichte mit 46 dagegen den Sollwert von 51 nicht. Die Spitzenböe wurde gleich zu Beginn des Jahres am 02.01. gemessen und betrug 107 km/h (orkanartig, Stärke 11).


Mess- und Beobachtungsdaten zum Jahr 2019

Anmerkung: KM = Klimamittel 1961-1990

Diagramme

In den folgenden drei Diagrammen ist jeweils das Temperaturmittel, die Niederschlagsmenge und die Sonnenscheinsumme der einzelnen Monate in 2019 gegenüber dem Klimamittel der Perioden 1961-1990 und 1981-2010 abgebildet.

Das Temperaturdiagramm zeigt eindrucksvoll, dass lediglich der Mai leicht zu kühl ausfiel, die anderen 11 Monate dagegen (teils deutlich) zu mild/warm. Besonders der Februar und Juni stechen mit großen Abweichungen zum Mittelwert hervor.

Das Niederschlagsdiagramm verdeutlicht das Verhältnis von 7 zu trockenen ggü 5 Monaten mit einem leichten Überschuss in 2019. Auffällig: Deutlich zu trocken waren April und Mai zu Beginn der Vegetationsphase.

Das Sonnenscheindiagramm weist den Juni und April als klare Spitzenreiter in 2019 aus, wobei ersterer zu den sonnigsten Junimonaten seit 1947 zählte. Sehr trübes Wetter dominierte dagegen im November.

Niederschlag im Jahr 2019

2018 war in MV das zweittrockenste Jahr seit 1881, davor 2017 das zweitnasseste in diesem Auswertungszeitraum. Das gerade abgelaufene Jahr 2019 liegt im Normalbereich.
Quelle der Grafik: Deutscher Wetterdienst, https://www.dwd.de/DWD/klima/national/gebietsmittel/brdras_rrr_17_mv_6190_ano.png

Während 2018 (430,1 l/m²) ein ausgewiesenes Trockenjahr war und ein großes Niederschlagsdefizit aufgebaut wurde, lag das 2019er-Flächenmittel für Mecklenburg-Vorpommern mit 580,8 l/m² nur geringfügig unter den langjährigen Mittelwerten. Somit konnte die große Trockenheit in tieferen Bodenschichten aber nur begrenzt ausgeglichen werden. Es traten Im Verlaufe des Jahres zudem keine extrem nassen Monate auf, dafür jedoch erneut zwei recht trockene Monate (April, Mai) zu Beginn der Vegetationsperiode.

Im folgenden Diagramm ist in blau die Niederschlagsmenge der einzelnen Monate in 2019 dargestellt. Die grauen Säulen zeigen den langjährigen Mittelwert der Zeiträume 1961-1990 sowie 1981-2010 an, sodass schnell ersichtlich wird, ob ein Monat nasser oder trockener als im Durchschnitt ausfiel.

Januar bis Dezember 2019- 6 Monate mit leichtem Niederschlagsüberschuss, 6 Monate zu trocken, insgesamt keine extremen Ausreißer

Klimamittel MV- Jahresniederschlag:

1961-1990: 594,8 l/m²

1971-2000: 593,3 l/m²

1981-2010: 618,8 l/m²


Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regensummen/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme-jahr/20191231-1050z.html

Innerhalb von MV zeigen sich (allerdings überschaubare) regionale Unterschiede: Am meisten Niederschlag mit knapp 700 l/m² fiel in Teilen von Nordvorpommern sowie im Raum Schwerin. Im Süden und Südosten blieb die Jahressumme lokal unter der 500 Liter-Grenze.

Die prozentuale Abweichung vom Klimamittel der international (noch bis Ende des Jahres 2020) gültigen Referenzperiode 1961-1990 lag je nach Region zwischen 85 bis 112 %. Somit summierte sich mancherorts etwas mehr Niederschlag im Vergleich zum Solllwert, andernorts fehlten kleinere Mengen. Insgesamt bewegten sich die Jahreswerte aber im Normalbereich.

Daten zum Niederschlag im Jahr 2019 / Mecklenburg-Vorpommern

Die 5 höchsten Jahresniederschlagssummen
695.9 mmSchwerin
681.1 mmZingst; Ostseeheilbad
671.1 mmBergen auf Rügen
668.1 mmRüting-Diedrichshagen
663.4 mmKrakow am See
Die 5 niedrigsten Jahresniederschlagssummen
425.2 mm*Groß Lukow
476.8 mmUeckermünde
488.6 mmRathebur
493.8 mmRöbel/Müritz
507.2 mmSchwinkendorf
* Groß Lukow, Wert muss noch verifiziert werden, Windfehler möglich o. Niederschlagsmesser durch Vegetation überwuchert
Die 5 höchsten Monatsniederschlagssummen
140.4 mmJuni 2019 (Rüting-Diedrichshagen)
137.8 mmSeptember 2019 (Sassnitz)
125.3 mmJuni 2019 (Wesenberg)
123.8 mmJuni 2019 (Kratzeburg-Granzin)
122.3 mmJuni 2019 (Grevesmühlen)
Die 5 niedrigsten Monatsniederschlagssummen
3.2 mmApril 2019 (Boitin)
3.7 mmApril 2019 (Baumgarten)
3.9 mmApril 2019 (Karow, Kreis Parchim)
4.0 mmApril 2019 (Rechlin/Müritz)
4.1 mmApril 2019 (Klink)
Die 5 höchsten Niederschlags-Tagessummen
79.3 mm15.06.2019 (Rüting-Diedrichshagen)
78.9 mm15.06.2019 (Grevesmühlen)
62.0 mm15.06.2019 (Boltenhagen)
57.7 mm11.06.2019 (Malk Göhren)
54.2 mm10.09.2019 (Sassnitz)

Der große Weihnachtswetter-Rückblick seit 1947

Fragen und Diskussionen darüber, ob es früher häufiger „Weiße Weihnachten“ bzw. ein kaltes Weihnachtsfest gab, kommen gerade im Dezember immer wieder auf. Viele Menschen können dann nur aus Erinnerungen sprechen und nicht selten gibt dies ein verzerrtes Bild wieder.

In diesem Beitrag blicken wir zurück auf 72 Jahre Weihnachtswetter im Ostseebad Warnemünde. Zudem werden besondere Ereignisse auch für ganz Mecklenburg-Vorpommern betrachtet.

In der folgenden Tabelle ist jeweils seit 1947 die Höchsttemperatur, Tiefsttemperatur und Schneehöhe am 24./25. und 26.Dezember für Rostock-Warnemünde dargestellt. Die Daten stammen allesamt von der Wetterwarte an der Strandpromenade.

Damit auf den ersten Blick erkennbar ist, ob eine signifikante Abweichung vom Klimamittel vorlag (z.B. deutlich zu kalt/ zu mild) bzw. ob Schnee lag, sind die Felder farblich gestaltet. Wer die Einteilung der Temperaturwerte genau nachvollziehen möchte, findet hier die Legende:

-Schneehöhe
• geschlossene Schneedecke, mindestens 1 cm = grau
-Tageshöchsttemperatur
• unter 0,0°C = dunkelblau
• 0,0 bis 1,9°C = hellblau
• 2,0 bis 4,9°C = grün
• 5,0 bis 9,9°C = gelb
• über 9,9°C = rot
-Tagestiefsttemperatur
• unter -4,9°C = dunkelblau
• 0,0 bis -4,9°C = hellblau
• 1,9 bis 0,1°C = grün
• 4,9 bis 2,0°C = gelb
• über 4,9°C = rot

Weiße Weihnachten in Warnemünde: 1956, 1961, 1962, 1963, 1964, 1969, 1970, 1981, (1984), 1986, 1995, (1996), (2001), 2009, 2010, (2012)

() = An nur einem der jeweils drei ausgewerteten Tage (24.-26.12.) lag eine messbare Schneedecke


Allgemein bekannt sein sollte, dass Schnee zum Weihnachtsfest eher eine Ausnahme darstellt. Selbst im Großraum München gibt es im Mittel der vergangenen 70 Jahre höchstens alle 3 Jahre weiße Weihnachten. Zudem sind von Jahr zu Jahr enorme Unterschiede, bspw. bei der Temperaturspanne möglich. Sowohl frühlingshafte Werte über 15°C als auch strenger Frost unter -15°C sind in Mecklenburg-Vorpommern an den Tagen vom 24-26.12. in der Vergangenheit bereits aufgetreten.

In Warnemünde war es zuletzt 2010 verbreitet winterlich kalt und verschneit. Ein Jahr später lag am Morgen des Heiligabend noch eine abtauende Nassschneedecke von 2 cm, zur Bescherung konnte aber nicht mehr von winterlichen Verhältnissen gesprochen werden. Insgesamt läuft demnach seit 2011 eine „Mild-Serie“ und dieses Jahr findet das neunte schneefreie Fest in Folge statt. In Bezug auf den Schnee ist dies in der Messreihe seit 1947 aber nicht einzigartig: Auch von 1947 bis 1955 (9 Jahre) war die Landschaft zu Weihnachten grau, im Zeitraum 1971 bis 1980 sogar 10 Jahre hintereinander. Bemerkenswert ist eher die Milde der Luftmasse, in der Tabelle gut an der Dominanz der Rotfärbungen seit 2011 zu erkennen. So wurden im Rostocker Ostseebad 2011, 2013, 2014 und 2015 zweistellige Temperaturen am 24.12. gemessen. Frost gab es dagegen nur am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2014.

Der Blick auf einige markante Ereignisse:

Kalte/schneereiche Weihnachten

In der Auflistung sticht besonders die Aufeinanderfolge ziemlich kalter und weißer Weihnachten von 1961 bis 1964 hervor. Viel Schnee lag nicht, aber bei einer geschlossenen Schneedecke von 1 bis 5 cm herrschte damals vier Mal hintereinander ein winterlicher Gesamteindruck. Extrem eisig war es am 26.12.1961 mit -21°C im mecklenburgischen Goldberg. Die Karte mit den Tiefsttemperaturen an den MV-Stationen:

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/tagestiefsttemperatur/19611227-0000z.html

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass Anfang der 1960er-Jahre die kältesten Weihnachten im Zeitraum nach dem Krieg aufgetreten sind. In diesem Zusammenhang ist auch das Fest 1969 zu nennen, als ebenfalls verbreitet zweistellige Minusgrade in MV registriert wurden und überall eine geschlossene Schneedecke lag.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/19691224-0600z.html
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/tagestiefsttemperatur/19691225-0000z.html

Recht kalte Weihnachten waren dann im folgenden Jahrzehnt 1970, 1972 und 1976, die beiden letztgenannten jedoch ohne Schnee (zumindest in Warnemünde).

1981 gab es wieder flächendeckend „Weiße Weihnachten“ in Mecklenburg-Vorpommern. Die zur damaligen Zeit zahlreichen Messstellen (über 200 in MV) meldeten meist zwischen 10 und 20 cm Schnee, am meisten von der weißen Pracht lag auf der Insel Rügen:

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/19811224-0600z.html

1986 war eines der sehr seltenen Weihnachtsfeste, welche flächig in ganz Deutschland weiß waren. Auch in Warnemünde präsentierte sich die Landschaft winterlich in weiß getaucht.

Aus meteorologischer Sicht fast schon spektakulär mutet die Schneehöhenkarte vom 24.12.2001 an. Die Messwerte aus den Morgenstunden lagen in Nordvorpommern bei 20 bis 50 cm (!), in Bergen auf Rügen bestimmte der Wetterbeobachter sogar eine Schneedecke von 57 cm Höhe. Da die Temperaturen jedoch in den Plusbereich stiegen, setzte rasch Tauwetter ein und bald blieb kaum mehr als Matsch übrig.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/20011224-0600z.html

Selbst die jüngere Generation dürfte noch Erinnerungen an das legendäre Weihnachtsfest 2010 haben. Der Dezember war einer der kältesten und schneereichsten seit Aufzeichnungsbeginn und eben gleiches gilt auch für die Weihnachstage. Es war damals durchaus ein Extremereignis und tritt so auch in der obigen Tabelle in Erscheinung. MV- und auch deutschlandweit hat es im Untersuchungszeitraum seit 1947 kein weiteres Weihnachten mit einer derart flächigen Schneedecke in dieser Mächtigkeit gegeben. Ausnahmenlos überall, selbst auf den Inseln und im tiefsten Ruhrgebiet, ist Frau Holle aktiv gewesen.

Wertet man bestimmte Regionen einzeln (kein Gebietsmittel), fällt jedoch auf, dass es 1981 im Mittelgebirgsraum und im Süden noch schneereicher war.

Noch ein Blick auf die Karte mit den Schneehöhen der MV-Stationen vom 24.12.2010:

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/20101224-0600z.html

Hinweis: Die extremen Spitzen (z.B. 68 cm Stralsund) sind durch Schneeverwehungen leicht verfälscht.


Wie oft trat eine geschlossene Schneedecke von 1 cm oder mehr am 1. Weihnachtsfeiertag auf ? / 1951 bis 2018 (67 Jahre):

  • Warnemünde (4 m): 12 x
  • Schwerin (59 m): 16 x
  • Kap Arkona (42 m): 10 x
  • Boltenhagen (15 m): 11 x
  • Anklam (9 m): 14 x
  • Carpin-Serrahn bei Neustrelitz (71 m): 19 x
  • Parchim (48 m): 15 x

Es wurden Stationen quer durch MV mit einer zuverlässigen durchgehenden Schneehöhen-Messreihe ohne Lücken ausgewählt.

Die folgende Grafik zeigt die mittlere Schneehöhe am 1.Weihnachtsfeiertag in Mecklenburg-Vorpommern. Ausgewertet wurde der Zeitraum seit 1930, wobei alle vorhandenen Messwerte von Wetterstationen und Niederschlagsstationen mit eingeflossen sind. Es wird deutlich, dass 2010 das mit Abstand schneereichste Weihnachtsfest war! Durchschnittlich lag vor 9 Jahren 25,1 cm Schnee in MV.


Außergewöhnlich milde Weihnachten

Nach dem Durchstöbern des Datenarchives kommt man am 24.12.1977 nicht vorbei. Viele Dezember-Temperaturrekorde an MV-Wetterstationen stammen von diesem Tag. Am Vormittag erreichte ein kurzer extremer Warmluftschwall ausgehend von Südwesteuropa die Region und die Thermometer zeigten Werte von 10°C auf Hiddensee und für die Jahreszeit sehr ungewöhnliche 15 bis 17°C in Mecklenburg an. Auch der 1. und 2.Weihnachstsfeiertag verliefen mild, aber zweistellige Temperaturdaten wurden nicht mehr gemessen.

Außerdem gab es Heiligabend 1977 schweren Sturm mit einer Spitzenböe von 144 km/h in Boltenhagen.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/tageshoechsttemperatur/19771225-0000z.html

Plusgrade um oder über 10°C gab es zudem 1980, 1983, 1988 und 1997, bevor von 2011 bis 2018 die beeindruckende Mild-Abfolge einsetzte. Als Einzelereignis kamen sehr milde Weihnachten schon immer mal vor, aber derart viele Festtage mit zweistelligen Werten und Nachttemperaturen fernab des Minusbereiches in den letzten Jahren sind schon auffällig. Diese Entwicklung lässt sich gut an der Warnemünde-Liste ableiten: Auf dem ersten Bild (bis Beginn 1960er-Jahre) erscheint nur ein Feld in der Farbe Rot, während im letzten Abschnitt von 2011 bis 2018 Tagestopwerte von mindestens 10°C und Nachtwerte von über 5°C eher die Regel als Ausnahme darstellten.

Wetterrekorde Weihnachten / Mecklenburg-Vorpommern

Höchstes Tagesmaximum: 16,5°C Boizenburg/Elbe (24.12.1977)
Tiefstes Tagesmaximum: -12,7°C Ueckermünde (24.12.1969)
Tiefstes Tagesminimum: -20,6°C Goldberg (26.12.1961)
Höchstes Tagesminimum: 10,3°C Boizenburg/Elbe (26.12.2015)
Höchste 24h-Niederschlagsmenge: 42,0 l/m² Zingst, Ostseeheilbad (26.12.1913)
Höchste Schneedecke: 69 cm Stralsund (25.12.2010) => erscheint etwas überhöht
Nachfolgewert: 55 cm Zudar/Rügen (25.12.2010)
Höchste Windspitze: 144 km/h Boltenhagen (24.12.1977)

Erste Schneeflocken der Wintersaison

Im Großraum Rostock fiel in der Nacht vom 11. zum 12.Dezember (Mittwoch auf Donnerstag) zum ersten Mal im Winterhalbjahr 2019/20 fester Niederschlag in Form von Schnee.

Kurz nach Mitternacht mischten sich Flocken in den bereits stundenlang andauernden leichten Regen. Aufgelöst wurden die Niederschläge durch eine Okklusionsfront (Mischfront, Kaltfront hat Warmfront eingeholt), welche zum Atlantiktief SIRO gehörte und von Westen in die bei uns lagernde Kaltluft vordrang. Dabei verlief die Front jedoch strömungsparallel und konnte im Laufe des Mittwochs kaum Boden nach Osten gewinnen. Somit hielten sich Reste der Kaltluft und mit Einbruch der Dunkelheit und Intensivierung der Niederschläge sanken die Temperaturen auf Werte von nur knapp über 0°C. In den höheren Luftschichten herrschten leichte Minusgrade vor, sodass alsbald nasser Schneefall in der Region von Rostock bis zur Müritz und am Donnerstagmorgen auch in Vorpommern beobachtet werden konnte.

Zum Klimatermin um 07 Uhr meldeten einige Stationen sogar eine dünne geschlossene Schneedecke von 1 cm. Das F bei etlichen Messstellen steht für Schneeflecken.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/20191212-0600z.html

In Rostock reichte es nicht für eine Schneedecke und auch der vorübergehende nasse Schneefall dürfte den meisten Menschen entsprechend der Uhrzeit (etwa 00:30-04:00 Uhr) entgangen sein.


Eine kleine Einordnung anhand der langjährigen Beobachtungsreihe der Wetterwarte Warnemünde. Betrachtet wird für den Zeitraum seit 1949 das Datum des ersten Schneefalls:

Im langjährigen Mittel fällt am 19.November der erste Schnee im Ostseebad.

Das früheste Eintrittsdatum wurde im Jahr 2002 mit dem 13.Oktober notiert. Auch in den Jahren 1950, 1955, 1979, 1997 sowie 2002 schneite es bereits im Oktober.

Der späteste Zeitpunkt für den ersten Schneefall stammt aus der Saison 1951/52, damals sollen erstmals am 01.Januar Flocken gesichtet worden sein. Ähnlich lange musste man 2006/07 warten, der erste Schneefalltag datiert auf den 28.Dezember.

Es ist also zu erkennen, dass es diesen Winter bis zum ersten Flockenwirbel überdurchschnittlich lange dauerte, wenngleich die Warnemünder Beobachtungsreihe einige Jahre mit späterem Eintrittsdatum enthält. Übrigens: Im vergangenen Winterhalbjahr vergingen ähnlich viele Tage bis zum „Premieren-Schnee“- am 14.Dezember war es soweit.

Orkan Xaver am 05./06.Dezember 2013

Bodendruckkarte 05.12.2013 18:00 Uhr- Quelle: Deutscher Wetterdienst

Anfang Dezember 2013 entwickelte sich Tief Xaver durch große Temperaturgegensätze zu einem ausgewachsenen Orkanwirbel und bewegte sich in etwa von Island über das Nordmeer nach Skandinavien und schließlich weiter in Richtung Osteuropa. Das Sturmfeld, welches ungewöhnlich breit war, erfasste Schottland, die Niederlande, Dänemark, Polen und auch die deutsche Nord- und Ostseeküste sowie das angrenzende Hinterland. Im Zentrum des Orkantiefs sank der Luftdruck in der Nacht zum Nikolaustag zeitweise auf knapp 960 hPa (Raum Dänemark/Südschweden). Es entstanden enorme Luftdruckgegensätze, denn gleichzeitig ankerte als Gegenspieler ein ausgedehntes Hochdruckgebiet vor der Biskaya mit einem Kerndruck von circa 1037 hPa.

Xaver zog bemerkenswert langsam, sodass der Sturm sehr lange anhielt. In Warnemünde wurden beispielsweise über einen Zeitraum von 30 Stunden ohne Unterbrechung Böen von mindestens Stärke 9 registriert. Noch extremer sind die Daten der exponiert gelegenen Wetterstation Hiddensee-Dornbusch: Hier wurde über einen Zeitraum von 41 Stunden im Mittel (keine Böen!) Sturmstärke erreicht. Orkanböen gab es durchgehend von Donnerstag, 05.12. 16:10 MEZ bis Samstag, 07.12. 00:10 MEZ. Dies entspricht einer Spanne von 32 Stunden.

An der Nordseeküste kam es zu einer schweren bis sehr schweren Sturmflut, auch an der MV-Ostseeküste gab es deutlich erhöhte Wasserstände.

Spitzenböen MV, 05./06.12.2013- in km/h

167 Hiddensee-Dornbusch
141 Heiligendamm
136 Warnemünde
130 Greifswalder Oie
125 Kap Arkona
121 Boltenhagen
121 Darßer Ort
118 Bastorf-Kägsdorf
113 Schwerin
107 Putbus/Rügen
106 Groß Lüsewitz

103-117 = Windstärke 11 (orkanartig)
ab 118 = Windstärke 12 (Orkan)

Ablauf

Mit Annäherung von Tief XAVER frischte vorderseitig bereits am Donnerstagvormittag (05.12.) der SW-Wind in Mecklenburg-Vorpommern deutlich auf. Zudem setzte der Warmfrontregen ein. An der Küste drückte der ablandige Wind das Wasser vom Ufer weg und es stellte sich Niedrigwasser ein. Ein erster Höhepunkt wurde dann in den Abendstunden mit Durchzug der Kaltfront erreicht. Diese äußerste sich durch kräftige Schauerlinien (teils mit Graupel/kleinem Hagel), einem Windsprung von SW auf NW und vor allem extremer Böigkeit. An der Rostocker Küste erreichten die Windspitzen zwischen 20 und 21 Uhr Orkanstärke Bft 12 mit 141 km/h in Heiligendamm und 136 km/h in Warnemünde. Zahlreiche Schäden entstanden zu dieser Zeit in den Küstenwäldern Mecklenburgs, aber auch in den Städten, beispielsweise Rostock, Wismar und Schwerin.

Spitzenböen der DWD-Stationen bis Freitag, 06.12.2013 01 Uhr
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/windboeen-max/20131206-0000z.html

Nach kurzer Abschwächung über Nacht nahm der Wind auf der Rückseite der Kaltfront zum Freitagmorgen wieder zu. Der sogenannte Trogsturm erfasste nun die Ostseeküste von MV. Auf der Insel Hiddensee meldete die Messtechnik um 04:10 und 06:20 Uhr mit 167 km/h die maximale Windgeschwindigkeit für MV.

! Erklärung Trogsturm: Tritt im Bereich höhenkalter Luft auf der Rückseite eines Sturm- oder Orkantiefs bei zunehmend konvektiver Wetteraktivität auf. Tiefer Luftdruck stößt in höheren Schichten der Atmosphäre in Form eines Troges vor.

Mittlerweile strömte deutlich kältere Luft polaren Ursprungs ins Land und gelegentlich von NW hereinziehende Schauer fielen zumindest im Binnenland (abseits des wärmenden Ostseewassers) teils als Schnee. In den südlichen Landesteilen bildete sich bis zum Klimatermin um 07 Uhr regional eine geschlossene Schneedecke aus. In Carpin-Serrahn bei Neustrelitz maß der ehrenamtliche Beobachter eine Schneehöhe von 10 cm.

Schneehöhen am 06.12.2013 um 07 Uhr
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/20131206-0600z.html

Aufgrund der Unwetterlage fiel am 06.12. im ganzen Bundesland der Unterricht an den Schulen aus. Fähren blieben in den Häfen, die Weihnachtsmärkte öffneten ebenfalls nicht. Der Sturm hielt tagsüber unvermittelt an, weiterhin erreichten die Windgeschwindigkeiten im Küstenumfeld Stärke 10 bis 12 aus Nordwest.

Zur Nacht auf Samstag (07.12.) erreichten die Pegelstände an der MV-Ostseeküste ihren Höchstwert. In Rostock wurden 1,17 m über mittleren Wasserstand erreicht, Koserow auf Usedom meldete 1,11 m und Warnemünde 1,05 m über MWST. Somit handelte es sich nur um eine leichte Sturmflut. Ganz anders an der Nordsee, wo es teilweise die zweithöchste Sturmflut seit Beginn der Aufzeichnungen gab. In Hamburg-St. Pauli wurde ein Spitzenwert von 3,98 m über MWST erreicht.

Zum Wochenende beruhigte sich das Wetter und das öffentliche Leben normalisierte sich.

Bildmaterial aus Warnemünde

Um die 50 Bäume hat Xaver im Ostseebad nach Angaben des Grünamtes umgelegt. Besonders betroffen war der Kurpark, Stephan-Jantzen- Park sowie der alte Warnemünder Friedhof. Teilweise gingen Fensterscheiben zu Bruch und Mülltonnen flogen umher. Die Feuerwehr sicherte den Weihnachtsbaum auf dem Warnemünder Kirchenplatz.

Höhe Haus Stolteraa
Stephan-Jantzen-Park

Warnmanagement

Die Warnkarte der Unwetterzentrale vom 05.12.2013- höchste Warnstufe violett im Küstenumfeld
Quelle: http://www.unwetterzentrale.de/uwz/928.html

Xaver zählt zu den stärksten Sturmereignissen der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland. Zu dieser Einschätzung kommt man insbesondere, wenn nur der Norden zur Auswertung herangezogen wird, denn Süddeutschland bekam kaum etwas von Xaver ab.

Hier die Einordnung für Warnemünde, Orkan Xaver auf Platz 4 der höchsten Windspitzen seit 1967.

Die 5 höchsten Tageswindspitzen in Warnemünde (seit 1967)
41.0 m/s (148 km/h)13.11.1972 => Orkan Quimburga
39.0 m/s (140 km/h)15.01.1968 => namenslos
37.8 m/s (136 km/h)26.11.1992 => Orkan Ismene
37.7 m/s (136 km/h)05.12.2013 => Orkan Xaver
37.0 m/s (133 km/h)17.10.1967   => Skane-Orkan

Auffällig war das offensive Ausgeben von Warnungen im Vorfeld des 05./06.Dezember. Dadurch konnten einerseits Vorkehrungen getroffen und so Schäden verhindert werden. Andererseits häuften sich im Nachgang Einschätzungen, nach denen alles nur halb so schlimm war. Tatsächlich geisterten Vorhersagen von Böen im Bereich 160 bis 180 km/h durch die Medien, welche es schließlich nur an sehr exponierten Stellen an der Küste gab.

In den Berechnungen der verschiedenen Vorhersagemodelle zeichnete sich schon ziemlich früh eine Sturmtiefentwicklung für den 05./06.12. ab. Das amerikanische Modell rechnete bereits am 29.11.2013 ein Orkantief mit einem Kerndruck von 960 hPa über Südnorwegen, also fast exakt so, wie es schließlich kommen sollte. In den Folgetagen schwankten die Prognosen dann (wie üblich) noch hin und her. Drei Tage vor dem Ereignis waren sich die meisten Modelle dann einig: Orkanböen für die Küsten von Nord- und Ostsee sowie im Binnenland von Schleswig-Holstein.

Letztendlich wurden die Spitzenböen etwas überschätzt, die Andauer des Sturms dagegen leicht unterschätzt.

Monatsrückblick November 2019

Der letzte meteorologische Herbstmonat wies in Mecklenburg-Vorpommern ein Flächenmittel von 5,9°C (+1,4 K) auf. Damit war MV zusammen mit Schleswig-Holstein das zweitwärmste Bundesland des abgelaufenen Monats (hinter Berlin/Brandenburg/ 6,0°C). Die Sonne schien durchschnittlich rund 34 Stunden (52 Stunden), das Klimamittel wurde deutlich unterschritten. Nur in Hessen verlief der November geringfügig trüber. Die Niederschlagsmenge erreichte mit etwa 67 l/m² 130 % des Solls (52 l/m²). An mehreren Stationen in Vorpommern wurde bereits am 5. das vieljährige Niederschlags-Mittel überschritten. Am 29.11. trat vereinzelt im Osten des Landes der erste Schneefall der Saison auf. Schneedeckentage gab es jedoch keine.

(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode 1961-1990)

Hitlisten November 2019 Mecklenburg-Vorpommern

Welche Station meldete die höchste Temperatur? Wo fiel am meisten Niederschlag? Eine kleine Übersicht über die wichtigsten meteorologischen Parameter:

Extremwertekarte MV Monat November

Zum Stöbern und Staunen: Beeindruckende Rekorde aus über 150 Jahren Wetteraufzeichnung

Beispielsweise im tiefwinterlichen November 1965: -18,5°C in Neustrelitz und fast 60 cm Schnee auf Rügen.

Rekord-Orkan und Jahrhunderthochwasser am 13.November

Am mittlerweile aufgelösten Seewetteramt im Ostseebad Warnemünde galt der 13.11. im meteorologischen Sinne fast schon als Phänomen.

Es ist der Tag, an dem im Jahre 1872 die schwerste Sturmflut seit mindestens 180 Jahren auftrat, die das Wasser in Warnemünde bis auf 2,43 m über Normalmittelwasserstand ansteigen ließ und damit fast den ganzen Ort überflutete. Derartige Höchststände wurden seither nie wieder erreicht. Kurioserweise exakt hundert Jahre später, am 13.November 1972, registrierte die Wetterwarte den heftigsten Orkan seit Kriegsende.

Der 13.November galt deshalb scherzhaft, so ist es überliefert, als der Tag an dem kein Meteorologe in Warnemünde Dienst haben wollte.

Orkan QUIMBURGA am 13.11.1972

Original Berliner Wetterkarte vom 13.11.1972

Am 13. November 1972 ereignete sich vor allem im Norden und Osten Deutschlands einer der schlimmsten Stürme des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa. Das Orkantief QUIMBURGA zog damals mit seinem Kern etwa über die Elbmündung und Hamburg hinweg nach Rügen und das Hauptsturmfeld reichte von Niedersachsen und Mecklenburg über Sachsen-Anhalt bis nach Brandenburg und Berlin. Wegen der immensen Schäden und vielen Toten in Niedersachsen ging das Ereignis auch als „Niedersachsen-Orkan“ in die Wettergeschichte ein.

Zur Entstehung/Entwicklung von QUIMBURGA der Originaltext der Berliner Wetterkarte vom 13.11.72:


„ÜBERSICHT: Im Bereich des Tiefdruckgebiets „Q“, das gestern morgen im Seegebiet westlich von Irland lag, herrschte ein ausgeprägtes „Vierer-Druckfeld“ mit einem kalten Hochdruckgebiet im Norden und einer warmen Antizyklone im Süden. Von Grönland her wurde arktische Polarluft nach Süden und von den Azoren Subtropikluft nach Norden geführt. Daher verschärfte sich die Frontalzone über Westeuropa erheblich (massive Temperaturgegensätze!), und das Tiefdruckgebiet „Q“ vertiefte sich bei seinem Weg nach Osten über den Britischen Inseln und der Nordsee zu einem Orkanwirbel.
Heute Vormittag wies dieser Wirbel ein mehr als 1.000 Kilometer ausgedehntes Sturmfeld auf, wobei in einem Bereich von mehr als 300 km voller Orkan, in weiten Bereichen in Böen Orkanstärke erreicht wurde. Besonders die Ausdehnung dieses Starkwindfeldes, das sich mittags von Südwestdeutschland bis zur mittleren Ostsee erstreckte, wird in Mitteleuropa nur selten beobachtet.“

Quelle: https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/vor-45-jahren-orkan-quimburga-tobt-in-deutschland/

Die Karte mit den Luftdruckwerten am Vormittag des 13. November 1972 zeigt das Tief QUIMBURGA über Norddeutschland. Mehrere Stationen meldeten zu dieser Zeit einen Luftdruck von 959 Hektopascal. Zwischen dem Orkantief und hohem Luftdruck über Südwesteuropa herrschten extreme Luftdruckgegensätze. Zwischen Hamburg und Freiburg gab es um 10 Uhr eine Differenz von 43 Hektopascal!

Quelle: https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/vor-45-jahren-orkan-quimburga-tobt-in-deutschland/

Die stärksten Windböen erreichten am 13. November 1972 auch im Binnenland verbreitet Orkanstärke. Spitzenreiter war damals der Brocken mit einer Spitzenböe von 245 km/h. Dabei lag der Harz noch knapp südlich des Hauptsturmfelds. In tiefen Lagen traten verbreitet 12er-Böen auf, die gebietsweise 150 km/h überstiegen. In Celle-Wietzenbruch lief das Gerät zweimal bis zum Anschlag bei 167 km/h und verharrte dort jeweils für 3 bis 4 Sekunden. Für höhere Windgeschwindigkeiten war die Messtechnik nicht ausgelegt.

Aus dem brandenburgischen Doberlug-Kirchhain wurde eine Böe 175 km/h gemeldet (taucht wie Celle-Wietzenbruch nicht in der Karte auf, da das Messgerät danach nicht mehr funktionstüchtig war). Auch in Berlin gab es verbreitet Böen bis Orkanstärke, am Flughafen Tegel wurden 144 km/h registriert. Zusätzlich zum flächendeckenden Sturm sind 5 Tornadoverdachtsfälle mit großen Schäden bekannt, von denen aber bis heute noch kein Fall bestätigt werden konnte.


Der „Niedersachsen-Orkan“ schlug vor 47 Jahren auch an der mecklenburgischen Ostseeküste zu.

In Warnemünde wurde am 13.11.1972 mit 41 m/s (knapp 150 km/h) die bis heute stärkste Orkanböe registriert (seit mindestens 1946). Der Kern von Quimburga zog knapp nördlich der Rostocker Küste nach Nordosten, sodass auf der Rückseite das Orkanwindfeld aus Nordwest von der Ostsee hereinbrach. Am Vormittag wehte vorderseitig noch starker Südostwind, dennoch wurde später nur eine mittlere Sturmflut ausgelöst, auch weil das Tief schnell nach Osten abzog und der Nordwestorkan rasch wieder nachließ.

Der bekannte Rostocker Meteorologe Reiner Tiesel, zu dieser Zeit im synoptischen Schichtdienst an der Seewetterdienststelle Warnemünde tätig, berichtete, dass es die Menschen regelrecht von der Strandpromenade geweht hat.

Windmittel in km/h und Windrichtung am 13.11.1972- Wetterwarte Warnemünde

Das Diagramm zeigt die stündlichen mittleren Windgeschwindigkeiten der Wetterwarte Warnemünde vom 13.11.1972. Am Morgen wehte auf der Vorderseite des heranziehenden Orkanwirbels mäßiger bis starker Südostwind. Gegen 11 Uhr lässt der Wind nochmal nach, da der Kern von Quimburga nun über die Region zieht. Kurze Zeit später bricht auf der Rückseite des Tiefzentrums abrupt der Nordwestorkan los. Am Nachmittag lässt der Westwind langsam nach.


Die 5 höchsten Tageswindspitzen in Warnemünde (seit 1967)
41.0 m/s (148 km/h) 13.11.1972 => Orkan Quimburga
39.0 m/s (140 km/h) 15.01.1968 => namenslos
37.8 m/s (136 km/h) 26.11.1992 => Orkan Ismene
37.7 m/s (136 km/h) 05.12.2013 => Orkan Xaver
37.0 m/s (133 km/h) 17.10.1967   => Skane-Orkan

Auf das Sturmflutereignis vom November 1872 wird in einem 2.Teil näher eingegangen…