Viel Frost im Frühling 2020

Anzahl der Frosttage im Frühling (seit 1967) an der Wetterstation Groß Lüsewitz südöstlich von Rostock
Der Frühling 2020 hat mit 32 das langjährige Mittel von 20,8 Frosttagen deutlich überschritten.

Seit Beginn des meteorologischen Frühlings, oder besser gesagt des Statistikfrühlings (März, April, Mai), hat es überdurchschnittlich häufig Frost gegeben. Zu dieser Erkenntnis gelangt man auch, wenn man das „alte“ Klimamittel der Periode 1961-1990 heranzieht.

Eine Gegenüberstellung der Anzahl der Frosttage im Winter 2019/20 und im Frühling 2020 (Stand: 16.05.) für ausgewählte Stationen aus M-V:

StationFrosttage WinterFrosttage Frühling
Tribsees1736
Barth / Flugplatz2036
Groß Lüsewitz1832
Steinhagen-Negast2028
Schwerin1114
Waren / Müritz1512
Warnemünde43

Die Tabelle lässt wie folgt interpretieren: Ländliche Stationen wie Tribsees, Groß Lüsewitz oder Barth, häufig in Senken oder Muldenlagen (typische Kältelöcher) gelegen, haben deutlich mehr Tage mit Minusgraden im Frühlingszeitraum seit 01.März registriert. An der Messstelle Tribsees sind mittlerweile sogar mehr als doppelt so viele Frosttage als im Winter aufgetreten. Dies allein stellt ein absolutes Ausnahmeereignis dar.

Übrigens liegt regional das Minimum der Lufttemperatur im aktuellen Mai 2020 tiefer als im Wintermonat Februar 2020.

Abb 1 Frosttage Februar 2020 vs Mai 2020 (bis 16.05.)

Zurück zum begonnenen Winter=>Frühling-Vergleich. Denn es gibt auch komplett gegensätzliche Fälle: In Waren an der Müritz liegt der Winter mit 15 Frosttagen vorne. Auch an vielen Küstenstationen, in der Auflistung beispielhaft Warnemünde, fällt der Frühling nicht als frostiger Geselle auf.

Wie passen diese Unterschiede zusammen?

Der nächtliche Frost in den letzten Wochen und Monaten war an starke Ausstrahlung während Hochdruckwetterlagen gekoppelt. Hierbei spielt der Faktor Wärmekapazität des Untergrundes eine große Rolle. Diese ist bei versiegelten/bebauten Flächen und über Ostsee/ Seen hoch, sodass kaum gefürchtete Spätfroste in Städten und an der Küste (zumindest bei auflandigem Wind) auftreten. Über Wiesen, Feldern etc. tritt in klaren und windschwachen Nächten nach dem Einströmen polarer trockener Kaltluft auch im Mai noch ziemlich rasch Luft- zumindest aber Bodenfrost auf. Dieser kann aber nicht advektiv in städtische Räume oder höhere Lagen (welche aus der bodennahen Kaltluftschicht herausragen) „getragen“ werden, denn Wind würde die Luftmassen durchmischen und die Auskühlung hemmen.

Deshalb sammeln vor allem Stationen in ländlichen Regionen im April und Mai bei entsprechender Wetterlage noch Frosttage, im Winter sind die Unterschiede meist geringer, denn z.B. kann dann auch in feuchter Luft bei kalter Luftmasse rasch Frost in den Nächten auftreten.

Grundsätzlich werden späte Frost- oder Schneefallereignisse in Zeiten der Klimaerwärmung nicht seltener. Wenn eingeflossene Arktisluft unter Hochdruckeinfluss zur Ruhe kommt, dann ist besonders nach längeren Trockenperioden (aktuell seit Mitte März) in der heutzutage saubereren und schadstoffärmeren Luft eine stärkere Auskühlung möglich als es früher innerhalb der SO2-haltigen Luft der Fall war.


Exkurs SO2

„Schwefeldioxid entsteht hauptsächlich bei der Verbrennung schwefelhaltiger Brennstoffe. Seit 1990 sind die Emissionen um über 90 Prozent gesunken, vor allem durch technische Maßnahmen sowie den Einsatz schwefelarmer Brennstoffe. Von 1990 bis 2017 ist ein Rückgang der Schwefeldioxid-Emissionen (SO2) von 5,5 auf nur 0,32 Millionen Tonnen (Mio. t) zu verzeichnen.“

Quelle: Umweltbundesamt / https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftschadstoff-emissionen-in-deutschland/schwefeldioxid-emissionen


Eine hohe Bodenfeuchte wirkt zudem stärkerer nächtlicher Auskühlung entgegen, sodass kurioserweise gerade in Wärme- bzw Hitzesommern örtliche Bodenfröste aufgetreten sind (z.B. im August 1995, Anfang September 2003 oder Anfang Juli 2018).

Auch die statistisch nachweisbare deutliche Abnahme von Nebeltagen und Erhöhung der mittleren Sichtweite zeigt, dass die Luft „besser“ geworden ist. Auch die Überlegung, dass die Winter wärmer geworden sind und die Häufigkeit nebelfreundlicher Tage mit günstigen Bedingungen abnimmt, kann hier getätigt werden.

Allerdings haben Untersuchungen gezeigt, dass die Sichtweiten bei gleicher Wetterlage heutzutage wesentlich größer als früher sind (Vergleich z.B. mit 1960er-Jahren).

Abb 2 Entwicklung der mittleren Sichtweite in Berlin-Dahlem von 1955 bis 2019

„Die Sichtweite ist in Berlin von Werten knapp unter 10 km Ende der 1950er/Anfang der 1960er auf über 25 km angestiegen, in 2018+2019 waren es erstmals über 30 km im Jahresmittel.“
Quelle und Grafik: Jörg Wichmann / http://www.wzforum.de/forum2/read.php?2,3806351,3806932#msg-3806932

Bestätigter Tornado am 29.04.2020 in Lübtheen

Dieser Bericht blickt auf einen Tornado im südwestlichen Mecklenburg zurück, welcher sich Ende April 2020 ereignet hat. Durch Vor-Ort-Untersuchungen konnte der Fall im Nachhinein bestätigt werden und soll nun Gegenstand dieser Analyse sein:

Der schwache F1-Tornado (F1= zweite Stufe auf der Fujitaskala) bildete sich am Mittwochabend des 29.April kurz vor 19:45 Uhr westlich der Kleinstadt Lübtheen. Das Radar zeigte zum Zeitpunkt der Entstehung eine unauffällige, nicht gewittrige Schauerzelle mit einem intensiven Niederschlagskern. Dieses Echo scherte etwas nach O/SO aus und bekam eine Drehbewegung, während die restlichen schauerartigen Niederschläge im Umfeld eine einheitliche SW=>NO-Zugrichtung aufwiesen.

Abb. 1 Radar HD-Bild vom 29.04.2020 / 19:35 Uhr

Der Pfeil markiert die Schauerzelle, an welcher etwa 8-10 Min später der Tornado entstand.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/lueneburg/20200429-1735z.html

Zudem lag eine Bodenwindkonvergenz vor. In einem schwachgradientigen Umfeld strömten schwache SO-Winde auf ebenfalls kaum messbare SW-Winde (BFT 1-2). Die vertikale Windscherung zwischen Boden und 1 km Höhe betrug gegen 19 Uhr im LK Ludwigslust-Parchim fast 35 Kn. Je größer die Windscherung zwischen verschiedenen Luftschichten (Änderung des Windes in Richtung und Stärke), desto erhöhter ist die Tornadogefahr. Die Luftmasse war außerdem sehr feucht. Keine schlechten Ausgangsbedingungen für „tornadische Bemühungen“.

Am Stadtrand von Lübtheen erreichte der sich bildende Tornadotrichter den Erdboden und wirbelte Staub von den landwirtschaftlich genutzten und sehr trockenen Flächen auf. Dadurch wurde der Tornado weithin sichtbar, sodass viele Menschen auf das Phänomen aufmerksam wurden und die Feuerwehr informierten. Es bestand die Vermutung eines Brandes. Die Freiwillige Feuerwehr Lübtheen konnte jedoch nur noch Sturmschäden feststellen. Abgerissene Dachziegel, dicke Äste auf Straßen und Wegen sowie ein schwer beschädigter Carport zählten dazu. Doch war wirklich ein Tornado dafür verantwortlich oder wüteten hier Fallböen (Downburst) bzw. ein Böenfrontwirbel (Gustnado)?

Abb. 2: Die Zugbahn des Tornados (von W nach O) quer durch Lübtheen

Mitglieder des „WTINFO Tornado Research Project“ schauten sich vor Ort um, dokumentierten die Schäden und befragten Augenzeugen.

Es ließen sich eindeutige Tornadoindizien finden. Dazu eine Passage aus dem Abschlussbericht: „Während die Inflow-Winde in Tornadozugrichtung rechtsseitig gesehen ein Trampolin in 115 Meter Entfernung vom Tornado auf 355° Nord 50 Meter zum Tornado hin verfrachteten, wurde zur gleichen Zeit ein Fliederbaum (Ölbaum/Syringa) linksseitig des Tornados in Zugrichtung gesehen zusammen mit Gartenmöbeln auf rückseitige (entgegengesetzt der Zugrichtung) 260° geworfen, welches kartographisch als Rotationsbeweis gilt.“ Das in verschiedene Richtungen verlaufende Schadensmuster, aufgrund Inflow/Outflow-Winde, gehört meteorologisch zu einem Tornado und nicht zu anderen Sturmphänomenen.

Augenzeugen sprachen außerdem von einer „rotierenden Trichterwolke“. Laubbäume bewegten sich „in verschiedene Himmelsrichtungen“.

Auch die Beschädigung am angesprochenen Carport konnte sehr genau rekonstruiert werden. Das Carport-Dach sei „27,4 Meter weit linksseitig der Tornadozugrichtung verfrachtet worden“. Der Wirbel saugte Dämmstoffe und Glaswolle ein. Hierbei konnte sogar eine Verfrachtung von 350 Metern kartiert werden. In der Lübtheener Gartenstraße hinterließ der Tornado ebenfalls Spuren: Etwa 50 Dachziegel wurden herausgehoben. Am Raiffeisenmarkt zerlegte es Blumenstände und Holzbalken gingen auf Wanderschaft.

Weitere klare Tornadoindizien ließen sich am Kirchplatz und nach Überquerung der Geschwister-Scholl-Straße in Richtung Krone Brüggen feststellen. Es wurde ein typisches konvergentes Fallmuster in einem Fichtenbestand nachgewiesen. Es bot sich also ein Bild mit unterschiedlichen chaotischen Fallrichtungen der Bäume mit Schwerpunkt zur Mitte des betroffenen Bereiches hin.

Abb. 3: Beispiel für konvergentes Tornado-Fallmuster

Diese Analyse gehört zum Fall Groß Laasch bei Ludwigslust (05.05.2015), der Tag des denkwürdigen F3-Tornados in Bützow.
Quelle: https://www.stormchaser-holstein.de/files/images/60.jpg

Im kleinen Ortsteil Lobetal verliert sich schließlich die Spur des Tornados. Er hinterließ in einer engbegrenzten Ost-Nordost verlaufenden Schneise von 2,57 km Länge Bruch- und Verfrachtungschäden mit konvergentem Muster. Die sogenannte primäre Schneisenbreite betrug 5 Meter, während der sekundäre Wirkungsbereich teilweise eine Breite von 185 Metern aufwies. Es hat Verfrachtungen von maximal 350 Metern gegeben.

Die Windgeschwindigkeiten können in den Bereich von 130 bis 150 km/h eingeordnet werden. Die Kartierungsarbeiten des „Tornado Research Projektes“ sind abgeschlossen und der Tornado ist nun schadensanalytisch nachgewiesen, ein Böenfrontwirbel bzw. Fallböen konnten ausgeschlossen werden.

Damit hat Mecklenburg-Vorpommern nun den ersten bestätigten Tornado im Jahr 2020. Hinzu kommt ein Verdachtsfall vom 12.März aus Grimmen (=> https://tornadoliste.de/read:7649 ) und ein unplausibler Fall (wahrscheinlich Fallböen) aus Rostock-Reutershagen vom 04.Januar.

Im vergangenen Jahr 2019 zählt die Statistik 4 Tornadoereignisse (davon 3 als Wasserhosen über der Ostsee) und 9 Verdachtsfälle für MV.


Abb. 4: Fujitaskala zur Einstufung und Schadensklassifikation von Tornados

Quelle: https://witnessgenerationy.files.wordpress.com/2015/05/skala.png

Quellenangaben:

Tornadoliste Deutschland => https://tornadoliste.de/read:7665

Gemeinnütziges Tornado Research Project => https://wtinfo.eu/

Facebook Tornado Research Project => https://www.facebook.com/WTINFO/

Facebook FFW Lübtheen => https://www.facebook.com/Feuerwehrluebtheen/

Kachelmannwetter.com =>https://kachelmannwetter.com/de/regenradar

Rückblick April 2020 in M-V

Abendhimmel über der Ostsee vor Warnemünde- 11.April 2020

Der zweite Frühlingsmonat des Jahres 2020 weist im Gebietsmittel von Mecklenburg-Vorpommern eine Temperatur von rund 9,0°C auf, nur im Bundesland Schleswig-Holstein gab es niedrigere Durchschnittstemperatur. Dennoch lag die Abweichung zum Vergleichswert der „alten“ Klimaperiode 1961-1990 mit etwa 2,3 K deutlich im positiven Bereich. Als Besonderheit muss die hohe Anzahl von Frostnächten erwähnt werden, im 24-stündigen Tageszeitraum traten an der Station Tribsees 16-mal Minusgrade auf, am Erdboden sackte die Anzeige sogar 26-mal unter den Gefrierpunkt.

Abb. 1 Frost- und Bodenfrosttage im April 2020

Sommer- und Hitzetage wurden nicht registriert, die Maximaltemperatur erreichte Boizenburg mit 23,2°C am 12.April.

Der Niederschlag summierte sich auf knapp 14 l/m². Damit sind nur 32 % des Klimamittels von 41 l/m² zusammengekommen. Natürlich gab es regionale Unterschiede: Am 29. und 30.04. regnete es im Süden und Westen des Landes vielerorts kräftiger und hier wurde das April-Defizit somit noch etwas abgefedert. Ansonsten ließen sich nur am Monatsanfang geringfügige Mengen notieren.

Die trockensten Ecken sind in Vorpommern rund um Anklam und auf der Insel Usedom sowie in Südost-Rügen zu verorten. Lokal fielen dort nur 2-5 l/m².

Abb. 2 Niederschlag im April 2020 in M-V

Abgeschätze Niederschlagssummen für den April 2020 aus den Radardaten, blaue Flächen = nur 1 bis maximal 8 Liter
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regensummen/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme-720std/20200501-0550z.html

Bezüglich Sonnenschein konnte man sich nicht beklagen. Ungefähr 288 Stunden (Normalwert: 180 h) war Klärchen im landesweiten Durchschnitt am Start. An den Küsten wurde teilweise die Marke von 300 Sonnenstunden geknackt, dieses Kunststück gelang dem April bisher nur 2009 und im vergangenen Jahr 2019. Am Kap Arkona auf Rügen und auf Hiddensee schien die Sonne im Schnitt 10,5 Stunden pro Tag. Die einzigen landesweit trüben Tage waren der 01. und 02. sowie 29.April.

Da Hochdruckwetterlagen dominierten, blieben Unwetter und andere markante Wetterereignisse aus. Thema Nummer eins wurde im Verlauf des Monats dagegen zum wiederholten Male die Trockenheit / Dürre und damit verbundene Wald- und Vegetationsbrandgefahr.


Hitlisten für Mecklenburg-Vorpommern

  • Die Temperaturextreme lagen bei -5°C bzw. 23°C.
  • Boizenburg/Elbe war die wärmste und nasseste Station
  • trockenster Ort: Karlshagen/Usedom mit knapp 3 l/m²
  • rund 320 Sonnenstunden auf Hiddensee

Abb. 3 Zeitreihen und Trends- Aprilniederschlag seit 1881

Das folgende Diagramm zeigt den mittlerweile deutlich ausgeprägten Trend zur Niederschlagsarmut im Monat April. Seit 2009 fiel nur ein einziger April zu nass aus. 2007 und 2009 waren zusammen mit 1893 die trockensten Vertreter der letzten 140 Jahre.


Abb. 4 Trockenheit in den Bodenschichten im April 2020

Im oberen Teil der Grafik sind der Verlauf der realen Verdunstung über Gras und sandigem Lehm, des Tagesniederschlags sowie des pflanzennutzbaren Wassers (nFK) und der nutzbaren Feldkapazität für zwei Standardbodenarten (sandiger Lehm und lehmiger Sand) für die Tage vom 24.04. bis 02.05.2020 dargestellt.

Im unteren Teil der Grafik wird für das gleiche Zeitfenster das pflanzennutzbare Wasser (nFK) in % als Vertikalprofil über die obersten 60 cm für die Bodenart sandiger Lehm und den Bewuchs Gras abgebildet.

Die linke Grafik gehört zum Standort Boltenhagen in Nordwestmecklenburg, dort ist der ergiebige Regen aus der Nacht vom 30.04 zum 01.05. deutlich abzulesen. Die braunen Dürrefarben bis 0,2 m Bodentiefe sind verschwunden, die oberen Schichten wurden somit gut durchgewässert.

Die rechte Grafik von der Wetterstation Trollenhagen bei Neubrandenburg zeigt andauernde Trockenheit. Es fielen dort nur rund 6 mm verteilt über mehrere Tage zum Monatswechsel. Dieses Regenwasser drang kaum in den Erdboden ein bzw. verdunstete gleich wieder.

Großer Tagesgang der Lufttemperatur

In der trockenen Kontinentalluft hat es in den vergangenen Tagen beachtliche Unterschiede zwischen Höchst- und Tiefsttemperatur gegeben. Die klaren Nächte verliefen fast windstill und somit kühlte die Luft stark aus und in Muldenlagen trat sogar Luftfrost auf. Tagsüber ging es nach Sonnenaufgang und bei voller Einstrahlung mit den Temperaturen „hoch hinaus“.

Über den ausgetrockneten Böden konnte sich die Luft am Donnerstag (23.April) besonders gut erwärmen und lokal wurde ein Tagesgang der Lufttemperatur (Unterschied zwischen 24-stündigem Maximum und Minimum) von mehr als 20 K = °C erreicht.

Spitzenreiter in dieser Kategorie war die Wetterstation Tribsees mit enormen 21,5 Kelvin. Morgens war dort Scheibenkratzen angesagt, nachmittags dann frühsommerliche Wärme selbst im Schatten. Die Temperatur in 2m stiegt am Rande der Trebelstadt von -0,3°C auf 21,2°C.

Abb 1: Karte der Tmin und Tmax am 23.April 2020 in MV

Abb 2: Temperaturverlauf an der Station Tribsees / 23.April 2020

Quelle: http://www.mtwetter.de/tageskarte.php

Tagesgänge von mehr als 20 K sind sehr selten und kommen am ehesten im Frühjahr / Frühsommer vor. Im Gegenzug können besonders in sehr feuchter Luftmasse und bei dichter Bewölkung/geringer Globalstrahlung winzige Tagestemperaturunterschiede von nur 0,1 bis 0,5 K auftreten.

Gibt es auch Tage, an denen es zu überhaupt keiner Änderung der Temperatur kommt, also weder Erwärmung noch Abkühlung (Tagesgang: 0,0 K) ? Dies lässt sich nicht abschließend beantworten, jedoch ist nach Durchsicht der Archivdaten in Mecklenburg-Vorpommern dieser Fall in den letzten 100 Jahren an keiner Messstation eingetreten.

Mehr Frosttage als im Winter

Seit dem 01.März hat sich an zahlreichen Wetter-Stationen in Mecklenburg-Vorpommern eine höhere Anzahl von Frosttagen (Tmin<0,0°C) ergeben als im gesamten Statistikwinter 2019/20 (Dez, Jan, Feb).

Diesbezüglich kann man von einer absoluten Ausnahme-Konstellation sprechen, ein verrücktes Kuriosum. In dieser Ausprägung hat es sowas zumindest in den letzten 130 Jahren noch nicht gegeben.

Vergleich Frosttage Winter 2019/20 vs. Frühling 2020

In Tribsees (Nordvorpommern) stehen bisher 28 Tage mit Frost im Frühling (Stand 18.April) nur 17 derer aus dem Winter gegenüber. Unter anderem auch in Groß Lüsewitz, Barth und Ueckermünde häuften sich frostige Temperaturen erst ab März und übertrumpften die Winter-Anzahl.

Nicht überall im Land stellt sich die Lage so dar. An der Küste, in West-Mecklenburg und in der Müritz-Region gab es vom 01.Dezember bis 29.Februar regional mehr Frosttage als im nachfolgenden Frühlingszeitraum, so wie es üblicherweise zu erwarten ist.

Der meteorologische Hintergrund kann kurz gefasst werden: Der Winter war rekordmild. Ständige West-/Südwestströmungen und feucht-milde Luftmassen dominierten. Klare und windschwache Nächte mit einer halbwegs kalten Luftmasse aus Nord- bis Osteuropa traten fast überhaupt nicht auf. Im März und auch momentan im April dagegen haben wir Wetterlagen, welche im Winter die große Kälte bringen würden. Trockenkalte Polarluft bzw. Kontinentalluft aus Osteuropa strömte mehrfach nach Mecklenburg-Vorpommern und setzte sich dann hier zur Ruhe. Die fortgeschrittene Jahreszeit samt steigendem Sonnenstand ermöglicht natürlich kein Dauerfrost mehr, aber für nächtliche Minusgrade reicht es noch. Tagsüber deutet darauf bei teils angenehm milder Luft nichts hin, aber nach Sonnenuntergang rauschen die Werte in solchen „Strahlungsnächten“ rasch in den Keller. Bei wolkenlosem Himmel und windschwachen Verhältnissen funktioniert dies in ländlichen Gegenden/ Muldenlagen am besten. Dort bildet sich dann eine bodennahe Kaltluftschicht und mangelnde Durchmischung unterstützt diesen Effekt. An den Küsten (Seewind) und innerorts (Wärmeinseleffekt, hohe Versiegelung) bleiben die Tiefstwerte wiederum häufig deutlich im Plusbereich. Das erklärt, warum gerade Stationen in ländlichen „Kältelöchern“ (Tribsees usw, siehe oben) in diesem Frühjahr im Vergleich zum vergangenen Winter so viele Frosttage aufweisen.

Des Weiteren liegt regional auch die absolute Minimum-Temperatur tiefer als im Winter. Am Morgen des 23.März meldete Ueckermünde -6,8°C und Barth/Flugplatz -6,7°C. Im Dreimonatszeitraum zuvor lag der Tiefstwert dort bei -3,9°C bzw. -4,5°C. Auch mitten im April, am 18.04., meldete Barth nochmal -4,3°C und kratzte damit am Winter-Minimum.

In den kommenden Nächten ist die Frostgefahr immer noch nicht ganz gebannt. Mit Bodenfrost muss häufig gerechnet werden, in ungünstigen Lagen ist nochmals leichter Luftfrost möglich!

Der große Osterwetter-Rückblick seit 1947

Die Bandbreite des Osterwetters ist im Vergleich zu anderen Feiertagen besonders groß, denn Ostern findet jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt statt. Es ist natürlich ein Unterschied bezüglich des Sonnenstandes ob Ende März oder Ende April die Festtage anstehen.

In der folgenden Tabelle sind jeweils das Tagesmittel / Maximum und Minimum der Lufttemperatur, die Niederschlagsmenge und Sonnenscheindauer sowie Schneehöhe und Windspitze für den Ostersonntag und Ostermontag seit 1947 aufgeführt.

Wichtig zu beachten ist, dass eben nur diese beiden Tage ausgewertet worden sind. Es kann in den Tagen davor (Gründonnerstag bis Ostersamstag) oder danach natürlich deutlich wärmer/kälter oder nasser/trockener etc. gewesen sein. Zur Schneehöhe sei noch gesagt, dass diese nur zu einem Termin am Tag morgens gemessen wurde. Es kann natürlich dazwischen trotzdem, zum Beispiel in einem Schneeschauer, für eine kurze Schneedecke gereicht haben! Dies lässt sich anhand der Daten nicht verifizieren.

Die Daten sind allesamt in Warnemünde (Station an der Strandpromenade) gemessen worden.

Das früheste Ostern im Zeitraum seit 1947 war übrigens im Jahr 2008, gefolgt von 1951. Das späteste Ostern 2011, gefolgt von 2000 und 1962.

Überblick meteorologischer Extreme

Wirklich warme Ostern mit Temperaturen über 20°C sind selten. Erinnerungen bestehen womöglich noch an die sehr milden und sonnigen Ostertage im Jahr 2000, 2003, 2009, 2011 sowie 2014. Die kühleren und wechselhaften Ostern sind jedoch in der Überzahl. Das mittlere Tagesmaximum eines Ostersonntags bzw. Ostermontags liegt im Rostocker Ostseebad bei nur 9,7°C.

Für das gesamte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern betrachtet gab es warme und teils sommerliche Ostern 1952, 1962, oder auch 2000.

Ein Sommertag am 13.04.1952 (Ostersonntag) in Boizenburg und Dömitz an der Elbe, eher frische Temperaturen dagegen an der mecklenburgischen Küste. Sogar einstellig blieb der Höchstwert auf der Greifswalder Oie.

Noch extremer zeigten sich die Temperaturunterschiede zum Osterfest zehn Jahre später: 20-Grad Differenz zwischen Arkona/Rügen (7,0°C) und Neustrelitz (27,2°C), somit lagen auch im Empfinden Welten zwischen dem exponierten Küstenort mit Seewind und der mollig warmen Residenzstadt im südlichen Mecklenburg.

Hochsommerliche Temperaturen von bis zu 29°C gab es am 23.April 2000 mit einem intensiven Warmluftvorstoß aus Südeuropa. Auch auf den Ostseeinsel Rügen, Hiddensee und Usedom wurde die Sommertagsmarke von 25°C geknackt.


Besonders wenn die Feiertage schon Ende März oder Anfang April liegen, kann durchaus noch Schnee und Frost die Eiersuche erschweren.

Eine geschlossene Schneedecke gab es zu Ostern 1970 (29./30.März) und im letzten Jahr 2018 (01./02.April). Schneefall, der nicht oder nur kurzzeitig liegenbleibt, tritt häufiger auf. Zuletzt war dies am 16.April 2017 (Ostersonntag) und am 23. und 24.März 2008 der Fall.

Die MV-Karte mit den Schneehöhen-Meldungen vom 29.03.1970 und 01.04.2018:

1970 durchaus stattliche Schneeauflagen von 10 bis 20 cm Mächtigkeit in der Osthälfte, z.B. auch auf den Insel Rügen und Usedom.

Die massiven Nassschneefälle zum Ostersonntag 2018 dürften vielen in Erinnerung geblieben sein.


Minusgrade wurden in Warnemünde zu Ostern 1951, 1969, 1970, 1974, 1975, 1993, 2008 und 2013 gemessen, wobei die beiden Letztgenannten als die kältesten Auferstehungsfeste in der 72-jährigen Messreihe von Warnemünde zu bewerten sind.

Eisige Tiefstwerte von bis zu -9°C in Groß Lüsewitz am Ostersonntag 2013 (31.März).

Winterliche Höchstwerte von nur 0 bis 3°C zu Ostern 2008 und 2018:


Ausgesprochen sonnenscheinreich verlief Ostern 2011. Von Gründonnerstag bis Ostermontag zeigte sich nahezu keine Wolke am Himmel und es summierten sich fast 70 Sonnenstunden. Mehr geht nicht! Eine ähnlich phänomenale Sonnenausbeute, sogar noch minimal besser, schaffte die Osterzeit im vergangenen Jahr 2019.

Insbesondere seit der Jahrtausendwende gab es auffällig viele sonnige Ostertage, während in den 1960er-Jahren trübe Festtage dominierten. Das extremste Beispiel dafür ist das Jahr 1966, als von Gründonnerstag bis Ostermontag (07. bis 11.April) nicht eine Minute Sonnenschein an der Warnemünder Wetterstation registriert wurde. Zusätzlich fiel immer wieder Regen, am Ostersonntag sogar 20 l/m².


Sehr windig mit Sturmböen verlief Ostern 1978, 1982 und 1992.

Am 27.März 1978 (Ostersonntag) meldeten die Wetterstation Schwerin und Teterow orkanartige Böen der Stärke 11. In Neubrandenburg trat sogar eine Orkanböe von 119 km/h auf.


Eine Zunahme warmen Wetters über die Ostertage lässt sich nicht feststellen, die Temperaturextreme verteilen sich recht gleichmäßig über den ausgewerteten Zeitraum. Beim Niederschlag und Sonnenschein sieht es etwas anders aus. Seit den 1990er-Jahren häufen sich die sonnigen und trockenen Ostersonntage und Ostermontage. Ganz und gar nicht frühlingshaft war natürlich das vorletzte Osterfest, welches das wohl schneereichste aller Zeiten darstellte (15 cm in Warnemünde, bis zu 35 cm im westlichen Landkreis Rostock) und dadurch als absolut denkwürdiges Ereignis einzuschätzen ist.

Alle Messwert-Karten stammen von https://kachelmannwetter.com/de/messwerte