Wetterrekorde Monat Mai

Die Fortsetzung der Serie „monatliche Extremwerte des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern“. Im dritten Teil wurde nun der Mai untersucht.

Dieser ist ein vergleichsweise ruhiger Wettermonat, hat als Übergangsmonat aber speziell temperaturtechnisch eine breite Palette zu bieten und ist ähnlich dem April besonders bis zur Monatsmitte durch eine gewisse Launenhaftigkeit geprägt. Eine alte Bauernweisheit besagt: „Der Mai als Wonnemonat erkoren, hat den Reif noch hinter den Ohren“.



Zunächst die Temperaturextreme:

Der dritte und letzte meteorologische Frühlingsmonat kann bereits sehr heiße Tage hervorbringen. Die Rekorde stammen recht verbreitet vom 23. und 24.05.1922. An den Wetterstationen Schwerin und Kirchdorf/Poel konnten damals jeweils schweißtreibende 35,7°C gemessen werden.

Höchsttemperaturen des 23./24.Mai 1922- M-V-Stationen
35.7°C Schwerin
35.7°C Kirchdorf/Poel
35.5°C Marnitz
35.0°C Waren (Müritz)
34.3°C Dömitz/Elbe
33.7°C Güstrow
32.6°C Greifswald
32.0°C Putbus/Rügen

Derart hohe Werte wurden seither im Mai nicht wieder erreicht, spätestens bei 33 °C (28.05.2005) war Schluss. Weit in der Vergangenheit liegt außerdem der 27.05.1892 mit bis zu 34,1°C in Schwerin.

28.05.2005- Einer der heißesten Maitage nach dem Krieg mit bis zu 33 Grad selbst am Ostseestrand.
https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/tageshoechsttemperatur/20050529-0000z.html

Die Höchstmarke für die Anzahl Heißer Tage (Tmax >=30°C) liegt bei 4, erreicht 1922 und im Mai 2018 an diversen Mecklenburgischen Stationen. Letzterer, ein über weite Strecken sommerlicher Monat, war zumindest in den mittleren und westlichen Landesteilen der wärmste Mai aller Zeiten. Das höchste Monatsmittel verzeichnete Boizenburg an der Elbe mit 17,4°C. Zudem hält die Station den Landesrekord für die meisten Sommertage im Mai (18 , ebenfalls im vergangenen Jahr 2018).

Selten treten im „Wonnemonat“ bereits Tropennächte auf, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. So geschehen am 14.05.1969 in Marnitz, als das 24-stündige Minima bei 20,1°C lag.

Der Mai hat in manchen Jahren noch späten Frost im Programm. Gerade in den ersten Monatstagen ist dies nicht ungewöhnlich. Zur Monatsmitte (11.-15.) gibt es die (angebliche) Wettersingularität „Eisheilige“. Dabei lässt sich eine Häufung von Luft- und Bodenfrösten zu diesen Tagen nicht nachweisen. Es gilt schlichtweg: Mit fortschreitender Jahreszeit wird Frost immer seltener. Sprich: Am 01.Mai sind Minusgrade am wahrscheinlichsten, am 31.Mai am unwahrscheinlichsten.

An der meteorologischen Station Neustrelitz konnte selbst am 31.05. im Jahre 1951 Luftfrost gemessen werden. Auch für die Jahre 1955,1957,1969,1980 und 1987 sind Minusgrade in den letzten Maitagen verzeichnet.

Die niedrigste jemals im Mai gemessene Lufttemperatur beträgt -7,2°C (01.05.1912) und stammt aus Dömitz an der Elbe.

Die 5 niedrigsten Mai-Tagesminima seit Aufzeichnungsbeginn – alle MV-Stationen
-7,2°C Dömitz/Elbe (01.05.1912)
-5,7°C Neustrelitz (01.05.1912)
-5,5°C Güstrow (Mai 1941)
-5,5°C Woldegk-Hinrichshagen (05.05.1864)
-4,5°C Neustrelitz (09.05.1957)

Geht es nach dem Gebietsmittel für M-V, war der Mai 1902 (8,8°C) der Kälteste. Der tiefste Stationswert stammt jedoch vom Mai 1927 und wurde in Putbus auf Rügen ermittelt (Mitteltemperatur 7,2°C).


Niederschlag

1983 gab es den niederschlagsreichsten Mai mit der höchsten Monatssumme von 187,4 l/m² in Finkenthal (Gemeinde im Osten des LK Rostock).

Die größte (gemessene) Tagessumme datiert auf den 11.05.1890 und ist in Schwerin zu verorten. An einer Station im Stadtgebiet sollen es 118,3 l/m² innerhalb von 24 Stunden gewesen sein. Ein absolutes Ausnahmeereignis für den Monat Mai, danach folgt ein Tagesmaxima von „nur“ 85,0 l/m² (Tribsees, 20.05.1972). Wobei „nur“ lediglich den Abstand zum Starkregenereignis vom Mai 1890 verdeutlichen soll, schließlich entspricht eine Menge von 85 Litern einer doppelten normalen Monatssumme für Mai.

Am 20.05.1972 fielen in einem Streifen von Rostock /Ribnitz bis nach Brandenburg innerhalb von 24 Stunden vielerorts deutlich mehr als eine durchschnittliche Monatsmenge.
https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme/19720521-0600z.html

Als trockenster Wonnemonat im Landesschnitt ergab sich der Mai 1989, gefolgt von 1919 und 2018. Der niedrigste Stationswert stammt aus Boltenhagen und liegt bei 1,1 l/m² (1980). Ähnlich wenig Niederschlag konnte an einigen Messstellen 1919 registriert werden. In Grabow sind laut Printquellen gerundete 1 l/m² zusammengekommen.

Genauso wie Frost, braucht auch Schnee im Mai vermutlich niemand mehr, dennoch kommt es hin und wieder vor. Auch in diesem Jahr: Nach einem Einbruch polarer Kaltluft aus Norden fielen in den Morgenstunden des 07.Mai Schneeflocken im Raum Stralsund. Ein sehr später Tag mit Schneeflocken auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns war der 22.05.1955.

In Ausnahmefällen bildet sich sogar eine geschlossene Schneedecke aus. Dies war im Monat Mai zuletzt am 11.05.1978 (Spätester Schneedeckentag für M-V), 01.05.1970 und 08.05.1941 der Fall.  Mehr zu Schneefallereignissen im Frühling in diesem Blogeintrag: https://warnemuendewetter.wordpress.com/2019/04/17/die-spatesten-schneefallereignisse/

Eine messbare Schneedecke in Teilen Nordvorpommerns und des Landkreises Rostock am Morgen des 11.05.1978.
https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/19780511-0600z.html

Sonnenschein

Der Mai ist zusammen mit dem Juni insbesondere entlang der Ostseeküste der wolkenärmste und sonnenscheinreichste Monat. Dies liegt nicht nur am hohen Sonnenstand und der großen Tageslänge, sondern an häufig auftretenden Hochdruckwetterlagen und dem noch kühlen Ostseewasser, wodurch Quellwolkenbildung über See weitgehend verhindert wird.

Der Mai 2008 gilt als einer der sonnigsten Monate überhaupt seit Beginn regelmäßiger und zuverlässiger Sonnenscheinmessungen. 395,5 Stunden zeichnete die Messtechnik im Ostseebad Warnemünde auf. Im Stationsnetz der privaten MeteoGroup knackten Hiddensee-Dornbusch (406 h) und Heiligendamm (405 h) sogar die magische 400 Stunden-Marke. Diese Monatssummen bedeutet durchschnittlich 13 Stunden Sonne pro Tag. Viel mehr ist auch astronomisch kaum möglich (rund 465 Stunden an unserer Ostseeküste).

Ein besonders trüber Vertreter war dagegen der Mai 2010 mit teils nur 100 Sonnenstunden in Ostvorpommern. Der niedrigste gemessene Stationswert liegt bei 103,6 h in Karlshagen/Usedom.


Wind

Atlantische Sturmtiefs sind im Mai selten, hohe Windgeschwindigkeiten kommen eher durch lokale Gewitterböen zustande. In der DWD-Datenbank ließ sich eine Spitzenböe von 112 km/h (Bft 11) aus Teterow finden (24.05.1979). Da das Windmessnetz sind sonderlich engmaschig ist, können örtliche Windspitzen nicht dokumentiert werden. So traten bei der Unwetterlage mit mehreren Tornados in Mecklenburg am 05.05.2015 auch Gewitterfallböen von bis zu 126 km/h am Flughafen Laage (Station des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr) auf. Teilweise wird es deutlich mehr gewesen sein, in den Tornados sowieso.

Der 05.05 2015 (Bützow-Tornado) muss als der schwerste Mai-Unwettertag der letzten Jahrzehnte angesehen werden. Weitere starke Tornados sind für den 21.05.2009 (Plate bei Schwerin), 29.05.2007 (Löcknitz bei Pasewalk) und 24.05.1948 (Ahrenshagen-Daskow) verzeichnet.

Im Binnenland zählt der Mai zu den gewitterreichen Monaten des Jahres. Direkt an der Ostsee und besonders auf den Inseln sind Frühlingsgewitter eher selten und es kommen auch Maimonate ohne Gewittermeldung vor.

Die höchste Anzahl an Gewittertagen gab es in Warnemünde im Mai 1981 und 1983 mit jeweils 9. In Greifswald (Gewitterstatistik bereits seit 1891) brachte der Mai 1937 am häufigsten Blitz und Donner mit ebenfalls 9 Gewittertagen.


+++ Aktuelle Wetterinfos und Warnungen bei markantem Wetter / Unwetter jederzeit auf Twitter unter https://twitter.com/meteoHRO +++

4 Gedanken zu „Wetterrekorde Monat Mai

    • Danke dir, auch für das regelmäßige Reinschauen! Ich habe bezüglich der ganzen MV-Klimadatenstatistik vor einiger Zeit schon Vorarbeit geleistet und alle Monatsextreme aus digitalisierten Datensätzen und Printquellen zusammengestellt und so ein umfangreiches Archiv erschaffen.

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  1. „Mai 2018 – ein über weite Strecken sommerlicher Monat, war überall in M-V der wärmste Mai aller Zeiten.“ Diese Aussage stimmt so nicht: Beispielsweise in Greifswald gibt es ein Patt zwischen dem Mai 1889 (14,7°C) und 2018 (ebenfalls 14,7°C) -> siehe „Klimajournal Vorpommern“.
    In Grambow-Schwennenz wurde mit 16,5°C im Mai 2018 der Rekordwert vom Mai 1889 ebenfalls nicht erreicht (damals 17,2°C im nur 13 km entfernten Stettin). In Neustrelitz wird zwar vom DWD nicht mehr gemessen, aber die 17,2°C vom Mai 1889 entsprechen dort einer Abweichung von bombastischen +5,1 K, während der Mai 2018 „nur“ von +4 K oder wenige Zehntel darüber brachte.
    Auch von Rostock (Stadt) liegt mir ein Wert von 15,3°C aus dem Mai 1889 vor, der aber angesichts der 15,0°C in Warnemünde und 15,7°C in Laage und Lüsewitz vom Mai 2018 wohl übertroffen wurde.
    Fazit: Im östlichen M-V bleibt der Mai 1889 mit Ausnahme der Insel Rügen weiterhin ungeschlagen an der Spitze. Gleiches gilt übrigens auch für alle anderen ostdeutschen Bundesländer.

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    • Hallo Jörg! Freut mich, dass du meine Seite besuchst. Danke für den Hinweis, ist korrigiert! Hätte mir eigentlich auffallen müssen, habe zumindest die Datenreihen von Greifswald und Neustrelitz auch bei mir in der Datenbank und entsprechende Hitlisten der wärmsten Monate erstellt.

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