Monatsrückblick Juni 2019

Der Juni 2019 setzte nicht nur im deutschen Landesmittel, sondern auch in der Region neue Temperatur-Höchstmarken.

Er verlief deutlich zu warm bei leicht überdurchschnittlicher Niederschlags- und deutlich überdurchschnittlicher Sonnenscheinbilanz.

Der erste meteorologische Sommermonat endete im Ostseebad Warnemünde mit einer Mitteltemperatur von 19,3°C und lag um 3,9 Grad über dem langjährigen Durchschnitt der Klimaperiode 1981-2010, sogar 4,3°C über dem noch international gültigen Referenzzeitraum 1961-1990. Damit ist der Juni 2019 nun der wärmste Juni-Monat in der Warnemünder Temperaturreihe seit 1901. Der bisherige Rekordhalter stammte aus dem Jahre 1917 (19,0°C).*1 => Exkurs


*1 Zu beachten ist, dass sich über die Jahre ein Verstädterungseffekt in Warnemünde bemerkbar gemacht hat (hoher Versiegelungsgrad, dichte Bebauung) und zudem eine Umstellung (Anfang der 1990er-Jahre) von konventioneller zu elektronischer Messtechnik erfolgte. Die modernen Temperatursensoren nehmen verstärkt Wärmestrahlung aus Sand/Kies (Dünenmessfeld!) auf, während die traditionellen Glasthermometer darauf weniger empfindlich reagierten. Kurzum: Seit etwa 1990 beginnt eine Inhomogenität der Temperaturreihe, die Monats-/Jahresmittel liegen seitdem etwa 0,2 bis 0,3°C „zu hoch“. Bedenkt man diesen Fakt, so liegt der Juni 2019 wohl nur minimal über dem Temperaturmittel von 1917, aber dennoch ist der neue Rekord gesichert, denn auch die Umgebungsstationen zeigen dieses Bild.


Allerdings war der sechste Monat des Jahres 1889 womöglich noch wärmer (kein Wert verfügbar) und somit der wahre Allzeit-Junirekordhalter in Warnemünde. Im etwa 30 Kilometer entfernten Ostseebad Wustrow wurde damals ein Monatsmittel von 19,2°C bestimmt und dieser Standort ist kühler einzuschätzen als das Rostocker Ostseebad.

Nun wieder zurück zum aktuellen Monatsrückblick:

Ein Vergleich der Tagesmitteltemperaturen der vergangenen 30 Junitage zu den Mittelwerten der Zeiträume 1961-1990 und 1981-2010 zeigt: Die positiven Abweichungen zogen sich durch den ganzen Monat und fielen teilweise sehr deutlich aus. Auch hier gilt jedoch der Hinweis unter *1 weiter oben .

An keinem Tag lag die Mitteltemperatur unter den Durchschnittswerten der beiden verwendeten Klimaperioden 1961-1990 und 1981-2010.

Die höchste Temperatur wurde mit 35,9°C am 30.Juni gemessen. Dadurch steht nun ein neuer Junirekord zu Buche, die alte Bestmarke von 35,0°C (gemessen am 29.06.1947) ist Geschichte. Insgesamt traten 12 meteorologische Sommertage auf (Tmax>=25 Grad). Diese Anzahl ist ebenfalls gleichbedeutend mit einem neuen Junirekord (seit 1947). An vier Tagen konnten sogar Temperaturen von mindestens 30,0°C registriert werden. Hierbei wurde die Höchstmarke eingestellt (4 Tage, 06/2000). Deutlich in der Unterzahl waren die nicht-warmen Tage, an denen auch tagsüber die Temperatursensoren keine 20 Grad anzeigten.

Der Tiefstwert stammt vom 02.Juni und liegt bei 11,8°C. Seit dem Krieg gab es noch nie so ein hohes Juni-Monatsminimum.

Bezüglich der anderen zwei bedeutsamen meteorologischen Parametern Niederschlag und Sonnenschein lässt sich zusammenfassen: Der Monat war ausgesprochen sonnig und, auf die Regenmenge bezogen, auch leicht überdurchschnittlich nass. Die Anzahl der Niederschlagstage lag jedoch nur bei 9 (Mittel 1981-2010: 14 Tage). Dem gegenüber stehen 18 komplett trockene Tage. Ein Großteil der Niederschläge entfiel auf Gewittersysteme, welche die Region zwischen dem 11. und 15.06. heimsuchten. Danach, in der dritten Dekade, fiel überhaupt kein Tropfen Regen mehr. Die Trockenheit nahm schnell wieder zu, denn das Defizit aus dem vergangenen Jahr und dem diesjährigen Frühjahr ist längst nicht ausgeglichen worden.

Die Monatssonnenscheindauer betrug 330,3 Stunden und liegt damit nur knapp unter dem Niveau vom Juni 1992 (341,7 h) sowie 1970 (337,1 h) und 1959 (331,9 h). Es erfolgt die Einordnung als viertsonnigster Juni in der Reihe seit 1947. Die mittlere tägliche Sonnenscheindauer ist mit 11 Stunden anzugeben. Ein vollständig trüber Tag ohne Aufklaren wurde nicht verzeichnet, die geringste Sonnenausbeute wies der 15.06. mit 0,7 h auf. Am 29.06. ließ sich die Sonne gar ganze 16 Stunden blicken.

Für den 03./06./12./13./15. und 19.Juni sind Gewittertage notiert worden, wobei der Aufzug am 13. mit einer Rollcloud und am 15. mit einer Shelfcloud besonders spektakulär verlief. Die Gewitter brachten insgesamt fast 50 Liter Regen und somit etwa 70 % der Monatssumme und traten hauptsächlich an einer tagelang über Ostdeutschland liegenden Luftmassengrenze auf, wobei der Großteil Mecklenburg-Vorpommerns auf der schwülwarmen und feuchten Seite lag und teils auch MCS`s (Mesoscale Convective System / großräumiger, aus mehreren Gewitterzellen bestehender Komplex)) über die Region zogen. Hagel konnte nicht beobachtet werden.

Der Wind spielte warntechnisch kaum eine Rolle, lediglich im Umfeld der schweren Unwetterfront vom 15.Juni konnten Sturmböen bis 75 km/h in Warnemünde erfasst werden.

Das Monats-Windmittel von 4,4 m/s (Stärke 3) blieb etwas unter dem vieljährigen Mittel der Periode 1981-2010. Eine Haupt-Windrichtung kann nicht ausgemacht werden, der Juni zeichnete sich durch ständige Strömungswechsel aus und alle Windrichtungen waren mehrfach vertreten.

Als eine Besonderheit soll abschließend das ungewöhnlich häufige Auftreten von Leuchtenden Nachtwolken erwähnt werden. Je nach Beobachtungsstandort entlang der Ostsee konnte in teilweise 10 Nächten dieses Phänomen beobachtet werden. Besonders stark ausgeprägt zeigten sich die NLCs in der Nacht vom 21. zum 22.06. über den gesamten Nordhimmel bis in den Zenit.

Die Wassertemperaturen der Ostsee vor Warnemünde stiegen zum Monatsende stark an und erreichten bei auflandiger Windströmung bereits bis zu 20°C, während bei Landwind kaltes Tiefenwasser empor stieg und das erwärmte Oberflächenwasser von der Küste auf das offene Meer abtrieb. So geschehen am 25.06., als ein starker Südostwind wehte und ufernah das Wasser nur etwa 14°C hatte.


Daten und Statistik zum Juni 2019 in Warnemünde

Temperatur

Monatsmitteltemperatur: 19,31°C (1961-1990: 14,99 °C/ 1981-2010: 15,39 °C)

Abweichung vom langjährigen Mittel 1961-1990: +4,32 K
Abweichung vom langjährigen Mittel 1981-2010: +3,92 K

Höchstes Tagesmittel: 24,3 °C am 25./30.06.
Tiefstes Tagesmittel: 15,7 °C am 07.06.
Tmax-Mittel: 24,6 °C
Tmin-Mittel: 15,1 °C
Höchste Temperatur: 35,9 °C am 30.06.
Tiefste Temperatur: 11,8 °C am 02.06.
Tmin 5 cm: 10,1 °C am 02.06.
Sommertage: 12
Hitzetage: 4
Warme Tage: 24
Frosttage: 0
Bodenfrosttage: 0

Niederschlag

Niederschlagsmenge: 72,2 mm (1961-1990: 59,4 mm; 1981-2010: 70,2 mm)

Prozent vom langjährigen Mittel 1981-2010: 102,9 %

Tagesmaximum: 26,4 mm am 15.06.
Tage mit messbarem Niederschlag (mind. 0,1 mm): 9
Tage mit >=1 mm: 8
Tage mit >=5 mm: 4
Tage mit >=10 mm: 3
Tage mit Schneefall/Schneeregen: 0
Tage mit Graupel: 0
Tage mit Hagel: 0

Sonnenschein

Sonnenscheindauer: 330,3 h (1961-1990: 247,4 h; 1981-2010: 230,0 h)

Prozent vom langjährigen Mittel 1981-2010: 143,6 %

Tagesmaximum: 16,1 h am 17.06.
Tage ohne Sonnenschein: 0
Mittel des Bedeckungsgrades: 4,3 Achtel

Wind

Windmittel des Monats: 4,4 m/s (15,8 km/h / Bft 3) (1981-2010: 4,7 m/s)

Spitzenböe: 20,8 m/s (74,9 km/h, Bft 9) am 15.06.
Höchstes Tageswindmittel: 10,9 m/s (39 km/h, Bft 6) am 27.06.
Höchstes 10-min-Mittel: 13,6 m/s (49 km/h, Bft 6) am 27.06.
Sturmtage (10-min-Mittel >= 8 Bft): 0
Tage mit Sturmböen (Spitzenböe >= 8 Bft): 1 (15.)

Beobachtung

Tage mit Gewitter: 6 (03./06./12./13./15./19.)
Tage mit Nebel: 0

Luftdruck / Luftfeuchte

mittl. Luftdruck: 1015,1 hPa (1981-2010: 1013,5 hPa)
mittl. relative Luftfeuchte: 69,2 %
Maximum Luftfeuchte: 99,5 % am 15.06.
Minimum Luftfeuchte: 18,0 % am 30.06.


Diagramme

Auf und Ab bei den Temperaturen, jedoch durchgehend auf hohem Niveau.
Nach Monatsmitte gab die Sonne nochmal alles, Niederschlag blieb jedoch fast komplett aus.
Zuletzt vier sehr warme Junimonate in Folge.
Langjährig ist ein leichter Aufwärtstrend bei den Juniniederschlägen zu erkennen. Kurios: Dem nassesten Juni im Jahre 1991 folgte direkt der trockenste Juni in der Messreihe seit 1901.

Übersicht der Warnemünder Rekorde für den Monat Juni
Wärmster Monat: 19,3°C (2019)
Kältester Monat: 11,5°C (1923)
Höchste Temperatur: 35,9°C (30.06.2019)
Niedrigste Temperatur: 2,5°C (02.06.1975)
Höchster Monatsniederschlag: 154,9 mm (1991)
Niedrigster Monatsniederschlag: 0,5 mm (1992)
Höchster Tagesniederschlag: 61,6 mm (29.06.1960)
Höchste Sonnenscheinsumme: 341,7 h (1992)
Niedrigste Sonnenscheinsumme: 137,8 h (1984)
Höchste Windspitze: 119 km/h (23.06.1984)
Höchste Anzahl Gewittertage: 8 Tage (1956, 1978, 1980)


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