Einordnung der Winter anhand der Kältesumme

Das Winterhalbjahr 1995/96 kam in MV auf eine Kältesumme von knapp 376 K (= strenger Winter).
Bild: Die zugefrorene Ostsee vor Warnemünde im Februar 1996.

Die Kältesumme eines Winters oder Monats erhält man, indem man alle Beträge der negativen Tagesmittelwerte der Lufttemperatur aufsummiert. Sie gilt als Maß für die Strenge (Kälte) eines Winters und wird in der Regel für den Zeitraum vom 01.November bis 31.März gebildet. Teilweise treten jedoch auch im Oktober und April Tagesmitteltemperaturen im Minusbereich auf. Die Kältesumme wird ohne Einheit bzw. in K = Kelvin (entspricht hier der aufsummierten Grad Celsius-Zahl) angegeben.

Je höher der Wert ausfällt, desto „schwerer“, sprich eisiger und langandauernder verlief der Winter.

In diesem Beitrag blicken wir auf die Kältesumme im Gebietsmittel von Mecklenburg-Vorpommern seit dem Winter 1880/81.

Als kältester/strengster Winter geht nach Auswertung dieser Temperaturkategorie eindeutig 1939/1940 (612 K) hervor. Genauso steht dieser Vertreter auch bei der Mitteltemperatur an der Spitze der Kältehitliste.

Wirklich verblüffend ist jedoch, dass der mildeste Winter mit der kleinsten Kältesumme 1897/98 (17 K) auftrat und somit bereits sensationelle 122 Jahre in der Vergangenheit liegt.

Dieser Rekord wird nun aber getilgt werden, denn das Winterhalbjahr 2019/20 (endet am 31.März) steht kurz vor dem Abschluss und momentan im MV-Durchschnitt bei einer extrem niedrigen Kältesumme von 0,7 K. In den nächsten Wochen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Änderung zu erwarten, es bleibt bei recht milder Witterung. Einige Stationen erleben zum ersten Mal überhaupt eine „kalte Jahreszeit“ mit einer Kältesumme von 0,0.


In Klammern stehen die prozentualen Anteile der 5 Bereiche an der Gesamtanzahl von betrachteten Wintern (140) seit 1880/81 in Mecklenburg-Vorpommern.

Von den letzten 140 Wintern sind 55 im sehr milden Bereich mit einer Kältesumme unter 100 K einzuordnen. Dies ist somit die häufigste Kategorie in unserer Region. Kalte bis sehr strenge Winter machen zusammen nur 27,2 % aus.

Untersuchungen haben ergeben, dass eine nahezu völlige Vereisung der Ostsee bei einer Kältesumme von über 380 K (bezogen auf die Wetterbeobachtung in Rostock) eintritt. Solche extremen Eiswinter traten 1928/29, 1939/40, 1941/42, 1946/47, 1962/63 und 1969/70 auf.

Die Winter seit 1880, in denen ein Teil der Ostsee zufror (ab rund 300 K Kältesumme), waren 1890/91, 1892/93, 1940/41, 1978/79, 1984/85, 1986/87 und 1995/96.


Langjährige Mittelwerte der Kältesumme in M-V (Winterhalbjahr Okt.-März):

1901-1930: 148,0 K
1931-1960: 175,3 K
1961-1990: 176,5 K
1991-2020: 109,9 K
Gesamtzeitraum (1880-2020): 155,7 K

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