Mehr Frosttage als im Winter

Seit dem 01.März hat sich an zahlreichen Wetter-Stationen in Mecklenburg-Vorpommern eine höhere Anzahl von Frosttagen (Tmin<0,0°C) ergeben als im gesamten Statistikwinter 2019/20 (Dez, Jan, Feb).

Diesbezüglich kann man von einer absoluten Ausnahme-Konstellation sprechen, ein verrücktes Kuriosum. In dieser Ausprägung hat es sowas zumindest in den letzten 130 Jahren noch nicht gegeben.

Vergleich Frosttage Winter 2019/20 vs. Frühling 2020

In Tribsees (Nordvorpommern) stehen bisher 28 Tage mit Frost im Frühling (Stand 18.April) nur 17 derer aus dem Winter gegenüber. Unter anderem auch in Groß Lüsewitz, Barth und Ueckermünde häuften sich frostige Temperaturen erst ab März und übertrumpften die Winter-Anzahl.

Nicht überall im Land stellt sich die Lage so dar. An der Küste, in West-Mecklenburg und in der Müritz-Region gab es vom 01.Dezember bis 29.Februar regional mehr Frosttage als im nachfolgenden Frühlingszeitraum, so wie es üblicherweise zu erwarten ist.

Der meteorologische Hintergrund kann kurz gefasst werden: Der Winter war rekordmild. Ständige West-/Südwestströmungen und feucht-milde Luftmassen dominierten. Klare und windschwache Nächte mit einer halbwegs kalten Luftmasse aus Nord- bis Osteuropa traten fast überhaupt nicht auf. Im März und auch momentan im April dagegen haben wir Wetterlagen, welche im Winter die große Kälte bringen würden. Trockenkalte Polarluft bzw. Kontinentalluft aus Osteuropa strömte mehrfach nach Mecklenburg-Vorpommern und setzte sich dann hier zur Ruhe. Die fortgeschrittene Jahreszeit samt steigendem Sonnenstand ermöglicht natürlich kein Dauerfrost mehr, aber für nächtliche Minusgrade reicht es noch. Tagsüber deutet darauf bei teils angenehm milder Luft nichts hin, aber nach Sonnenuntergang rauschen die Werte in solchen „Strahlungsnächten“ rasch in den Keller. Bei wolkenlosem Himmel und windschwachen Verhältnissen funktioniert dies in ländlichen Gegenden/ Muldenlagen am besten. Dort bildet sich dann eine bodennahe Kaltluftschicht und mangelnde Durchmischung unterstützt diesen Effekt. An den Küsten (Seewind) und innerorts (Wärmeinseleffekt, hohe Versiegelung) bleiben die Tiefstwerte wiederum häufig deutlich im Plusbereich. Das erklärt, warum gerade Stationen in ländlichen „Kältelöchern“ (Tribsees usw, siehe oben) in diesem Frühjahr im Vergleich zum vergangenen Winter so viele Frosttage aufweisen.

Des Weiteren liegt regional auch die absolute Minimum-Temperatur tiefer als im Winter. Am Morgen des 23.März meldete Ueckermünde -6,8°C und Barth/Flugplatz -6,7°C. Im Dreimonatszeitraum zuvor lag der Tiefstwert dort bei -3,9°C bzw. -4,5°C. Auch mitten im April, am 18.04., meldete Barth nochmal -4,3°C und kratzte damit am Winter-Minimum.

In den kommenden Nächten ist die Frostgefahr immer noch nicht ganz gebannt. Mit Bodenfrost muss häufig gerechnet werden, in ungünstigen Lagen ist nochmals leichter Luftfrost möglich!

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