Erster Frost und Lake-Effekt an der Ostsee

Samstagfrüh (05.10.19) in Warnemünde: Über der offenen See entwickeln sich kräftige Regenschauer, an Land ist der Himmel frei von Cumulus-Gewölk.

Zum ersten Oktoberwochenende stellte sich eine nordöstliche Strömung ein, mit welcher Luftmassen polaren Ursprungs nach Mecklenburg-Vorpommern geleitet wurden. Die Temperaturen erreichen tagsüber nur noch 10 bis 12°C und lagen somit etwa 3 bis 4°C unterhalb des Klimamittels der Periode 1961-1990. In der Nacht zum Sonntag sanken die Tiefstwerte in 2m Messhöhe zum ersten Mal in diesem Herbst unter die 0-Grad-Marke. Am Flugplatz Barth in Nordvorpommern (typisches Kälteloch) zeigte der elektronische Messfühler Luftfrost bis -1,9°C an.

Auch direkt an der Ostseeküste trat bei schwachem ablandigem Wind zumindest Bodenfrost auf. An der DWD-Station in Warnemünde ist der Messwert von -0,4°C in 5cm über Dünensand sogar gleichbedeutend mit dem drittfrühesten Bodenfrosttag in der Messreihe seit 1947.

Früheste Bodenfrosttage (Tmin 5cm < 0,0°C)- Warnemünde seit 1947

03.10.1947 -1,6°C
04.10.1947 -0,9°C
06.10.1959 -1,5°C / 06.10.2019 -0,4°C

Mit dem Einsickern der Kaltluft kam ein bekannter meteorologischer Effekt zum Tragen. Gemeint ist der sogenannte „Lake-Effekt“. Ursprünglich stammt der Begriff aus den USA und steht in Zusammenhang mit heftigen Schneefällen, die an den Großen Seen (Great Lakes) ausgelöst werden. Das Grundprinzip ist an den deutschen Küsten dasselbe: Kalte Luft, besonders in höheren Luftschichten, strömt mit nordöstlichen bis östlichen Winden über das mit 12 bis 14°C (aktuelle Daten) vergleichsweise warme Oberflächenwasser der Ostsee. Durch die großen vertikalen Temperaturunterschiede (in 5,5 km Höhe bis -30°C am gestrigen Samstag) resultiert eine labile Schichtung. Die grundsätzlich trockene Kontinentalluft nimmt bei ihrem langen Weg über die Ostsee außerdem viel Feuchte auf. Letztendlich äußert sich der Lake-Effekt durch strichweise angeordnete Schauerbänder, die lokal eng begrenzt große Niederschlagsmengen an der Küste bringen können.

Strichweise ordnen sich die Schauer an und ziehen dann gen Küste.
Quelle (bearbeitet): https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/mecklenburg-vorpommern/20191005-0750z.html
Zwei Niederschlagsschwerpunkte durch den Lake-Effekt.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regensummen/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme-6std/20191005-1250z.html

Aktuell ist die Luft noch zu mild und es fällt Regen, im Winter können unwetterartige Neuschneemengen zusammenkommen und erhebliche Schneeverwehungen auftreten. An der deutschen Ostseeküste bilden sich üblicherweise, so war es auch gestern am 05.10., zwei markante Schauerstraßen aus: Eine besonders Intensive verläuft in der Mecklenburger und Lübecker Bucht und tangiert Ostholstein, Lübeck sowie den Klützer Winkel in Nordwestmecklenburg. Eine zweite beginnt südlich der dänischen Insel Bornholm und landet an der Küste von Usedom bzw. am Greifswalder Bodden an und reicht in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit meist einige Kilometer ins Landesinnere hinein.

Je nach Windrichtung (N bis O) können prinzipiell aber alle Küstenabschnitte betroffen sein.

Ein prominentes Beispiel eines winterlichen Lake-Effekts war das Ereignis vom 29./30.November 2010, als Ostholstein und der Kreis Segeberg mit 30 bis 50 cm Neuschnee zu kämpfen hatten. Das öffentliche Leben kam teils zum Erliegen, Schulen blieben geschlossen. Der intensive Kaltlufteinbruch aus O/NO erreichte die Region damals sehr früh, zu einer Zeit, als die Ostsee noch „lauwarm“ war und die Quellwolken- und Niederschlagsbildung erheblich verstärken konnte.

Im Januar 1987 versanken große Teile der Ostseeküste und des angrenzenden Binnenlandes in den Schneemassen. In Warnemünde ermittelten die Wetterbeobachter am 14.01.1987 eine mittlere Schneehöhe von 55 cm.

Sturm MORTIMER kommt am Montag früh

Ein kräftiges Tiefdruckgebiet verlagert sich momentan rasch von den Britischen Inseln und der südlichen Nordsee weiter nach Westen und erfasst in den Frühstunden des Montags auch Mecklenburg-Vorpommern. Je nach genauer Lage des kleinräumigen Tiefs, ist eher die mecklenburgische Küste oder das südliche Binnenland von den stärksten Böen aus Richtung Nordwest betroffen. Diese können während des Höhepunkts (dauert nur etwa 1 bis 2 Sunden, in der Karte verzeichnet) durchaus 90 bis 100 km/h, vereinzelt an der Ostsee und während kräftiger Niederschläge und Gewitter sogar bis 115 km/h erreichen. In manchen hochauflösenden Wettermodellen sind gar Orkanböen über 120 km/h berechnet worden. Gänzlich auszuschließen ist das nicht.

So oder so sind bei solchen Windgeschwindigkeiten um diese Jahreszeit morgen Verkehrsbehinderungen durch umstürzende Bäume wahrscheinlich.

Die Farbwahl dient nur der Visualisierung (dunkelrot bedeutet also nicht Weltuntergang oder Extremunwetter). Zudem ist der Ablauf noch nicht ganz sicher, möglicherweise verschiebt sich die Zone der stärksten Böen weiter in die Landesmitte oder nach Süden (hellroter Bereich).

Erster Herbststurm in Warnemünde

Randtief IGNAZ sorgte am Dienstag für schwere Sturmböen und sogar kräftige Graupelgewitter. In Warnemünde kippten reihenweise Strandkörbe um, der Fährverkehr wurde eingestellt. Wer den Wind aus erster Hand erleben wollte, musste bereits in der Seestraße und an der Mole mit feinem durch die Luft wirbelnden Strandsand vorliebnehmen.

Winddaten Warnemünde 17.09.2019

Spitzenböe: 27,1 m/s (= 98 km/h), Windstärke 10, um 18:40 Uhr
Höchstes 10 min-Windmittel: 20,0 m/s (= 72 km/h), Windstärke 8
Tageswindmittel: 13,0 m/s (= 47 km/h), Windstärke 6
mittl. Windrichtung: 290° Westnordwest

Die höchste Windgeschwindigkeit von 98 km/h wurde während eines Graupelgewitters registriert, welches rasch von der Ostsee heranzog. Dabei konnte der sehr starke Höhenwind teilweise heruntergemischt werden, sodass der gradientbedingte (Luftdruckunterschiede!) stürmische Wind zusätzlich lokal noch ruppiger ausfiel. Insgesamt traten beachtliche vier Schauer mit Graupel auf (gegen 15:20, 18:40, 20:30 und 20:40 Uhr), wobei zwei von Blitz und Donner begleitet wurden. Während des kräftigen Niederschlags sank die Lufttemperatur bis auf 9,0°C ab. Die Höchsttemperatur von 14,4°C sprach ebenfalls für einen Herbsttag.

Eine höhere Windspitze im Monat September registrierte die DWD-Station in Warnemünde übrigens zuletzt im Jahr 1997. Ganz selten hat es auch schon Orkane im ersten meteorologischen Herbstmonat gegeben. Am 21.09.1990 erreichten die Böen 126 km/h und damit Windstärke 12.

Bilder vom 17.09.- Nachmittag / Abend

Bilder vom 18.09.- nach dem Sturmhöhepunkt

Ausblick:

Der Tiefdruckkomplex IGNAZ verlagert sich Richtung Russland, von Westen rückt Hoch HANNEKE langsam nach. Damit fächert der Luftdruckgradient auf und der Wind ebbt Stück für Stück ab. Am heutigen Mittwoch ist er an der Ostsee jedoch noch frisch bis stark unterwegs mit Mittelwinden um Bft 6. Das zunehmend wetterbestimmende Hoch zeigt uns zunächst die kalte Schulter, denn an der Ostflanke bleibt die Luftzufuhr polaren Ursprungs weiterhin erhalten. Erst zum Wochenende könnte ein Hauch von Altweibersommer aufkommen, wenn die Strömung auf südliche Richtung dreht und zumindest 20 bis 22°C bei viel Sonnenschein in MV möglich sind.

Dienstag schwere Sturmböen möglich!

In Mecklenburg-Vorpommern und besonders an der Ostseeküste steht der erste Herbststurm bevor. Das kräftige Randtief IGNAZ entwickelt sich in den nächsten Stunden über Südskandinavien und kann sich im Lee des Skandinavischen Gebirges weiter vertiefen. Im Laufe des Dienstags zieht es Richtung Baltikum und an der Süd- und Westflanke des Tiefs bauen sich mit einem Hoch (Zentrum über Irland) als Gegenspieler kräftige Luftdruckgegensätze auf.

Zudem wird besonders in höheren Luftschichten sehr kalte Luft in unsere Region gelenkt. In 5,5 Kilometer Höhe kühlt es sich im äußersten Nordosten rund um Rügen bis auf -30°C ab. Dadurch wird eine große Labilität erzeugt, welche sich wiederum in der Entstehung kräftiger Schauer und einzelner (Kaltluft-)- Gewitter sowie starker Böigkeit des Windes widerspiegelt. Über dem noch sommerwarmen Meerwasser wären bei derartiger Wetterlage außerdem einzelne Tornados denkbar, doch der in allen Höhenschichten ziemlich starke Wind sollte dies weitgehend unterbinden.

Bereits gegen Morgen wird der westliche bis nordwestliche Wind an der Küste, nach einem nächtlichen Minimum, spürbar zulegen. Erste Schauerstaffeln können von Norden ins Land ziehen, spätestens zum Nachmittag treten dann zusätzlich mit Einsickern der Höhenkaltluft kurze Gewitter auf, bevorzugt an der Ostsee und in Vorpommern.

In Schauer- und Gewitternähe muss mit Sturmböen von 80 bis 90 km/h (vereinzelt mehr) gerechnet werden, auch abseits der Küste im Binnenland. Direkt an der Küste von Kühlungsborn über Warnemünde, Graal-Müritz, Darß-Zingst bis Hiddensee/Rügen sind zum Sturmhöhepunkt am Nachmittag (etwa 16 bis 20 Uhr) schwere Sturmböen um 100 km/h möglich, vereinzelt in exponierten Lagen oder bei stärkerem Niederschlag sind auch orkanartige Windspitzen um 110 km/h nicht auszuschließen.

Berechnung der Windspitzen zwischen 14 und 20 Uhr nach dem hochauflösenden Schweizer Modell Super-HD (6z).
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/sui-hd/2019091606/mecklenburg-vorpommern/windboeen-6h/20190917-1800z.html

An der Ostsee sind zum Abend erhöhte Wasserstände (bis zu 55 cm über Normal) zu erwarten!

Die prognostizierten Windgeschwindigkeiten bedeuten für MV generell nichts Ungewöhnliches. Ein extremes Sturmereignis erwartet uns nicht! Da die Bäume jedoch zu dieser Jahreszeit noch belaubt sind und dem Wind eine große Angriffsfläche bieten, sollte der Sturm nicht unterschätzt werden. Sturmböen der Stärke 9 um 80 km/h können locker ausreichen um größere Äste abzubrechen oder vereinzelt auch einen Baum umzulegen. Leichte Schäden an Dächern oder umstürzende Baugerüste werden sich hier und da wohl auch nicht vermeiden lassen. An den Stränden könnten die Strandkörbe an einigen Abschnitten nasse Füße bekommen.

In der Nacht zum Mittwoch lässt der Wind überall nach (Küste noch Böen Bft 7-8 bis zum Morgen) und auch die Schauer- und Gewittertätigkeit geht zurück.

Sommerwetter an der Ostsee- ohne Extremhitze

Mecklenburg-Vorpommern erlebt bestes Hochsommerwetter, mindestens bis Sonntag wird es weitgehend trocken und sonnig bleiben. Ursächlich ist das Hochdruckgebiet „YVONNE“, welches sich von Deutschland nach Nordeuropa verlagert und sich dort länger einnisten könnte. Daraus resultiert ab Freitag eine östliche Strömung, sodass eine nicht ganz so heiße, trockene Kontinentalluft advehiert wird. Der heißeste Tag wird daher bereits der morgige Donnerstag, wenn uns mit südl. Strömungskomponente die fast direkt aus dem andalusischen Raum nach Norden (Schwerpunkt Frankreich, Benelux, Westdeutschland) geführte Heißluft streift. Im äußersten Südwesten Mecklenburgs sind dann bis 36°C nicht ausgeschlossen, an der Ostsee von Boltenhagen bis zum Darß sind 30°C und etwas mehr drin, sofern der Seewind nicht zu schnell einsetzt.

In den Folgetagen (Freitag bis Sonntag) erwartet die Urlauber und Einheimischen im Ostseeraum von MV angenehme Sommerwärme von 22 bis 28°C, vereinzelt bis 30°C. Die Ostlage sorgt für recht verbreitet auftretenden Seewind, welcher zudem tagsüber böig auffrischen und die nur mäßig warme Seeluft weiter ins Landesinnere treiben kann. Am ehesten an der Rostocker Küste und nordwärts bis Fischland ist zeitweise mit einer Landwindkomponente zu rechnen, sodass 28 bis 30°C auch am Wochenende möglich wären. Wie dem auch sei: Frieren muss man in der Regel auch am Strand nicht, es sei denn man kommt erst bei tropischen Temperaturen in den Wohlfühlbereich. An der Ostküste Rügens, wo der Ostwind aus erster Hand von der Pommerschen Bucht anlandet, sollte man aber besonders abends mit einer gewissen Frische rechnen.


Geringer Tagesgang der Lufttemperatur in Binz auf Rügen, denn der Wind kommt permanent vom Meer und die Lufttemperatur liegt dann selbst bei intensiver Sonneneinstrahlung nicht mehr als 2 bis 3°C über dem Wassertemperaturniveau. Nachts fungiert die Ostsee eher als Heizung.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/wetter/6548407-binz

Wer es etwas wärmer mag, sucht sich von Donnerstag bis Sonntag einen Strandabschnitt an der Rostocker Küste, vorzugsweise von Warnemünde bis Graal-Müritz. Hier ist der Seewindeinfluss geringer, Ostwind kommt über Land (Rügen, Darß, Nordvorpommern). Mittags/Nachmittags dann teilweise Drehung auf Nordost und ebenfalls unter 25°C, aber höhere Temperaturen als an der vorpommerschen Küste und Richtung Kühlungsborn sowie im Klützer Winkel.

In beiden Diagrammen ist eine zunehmende Schauerneigung ab Montag zu erkennen.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/wetter/2814055-warnemuende

Noch ein paar Hinweise bezüglich der aktuellen Wetterlage und Wetterentwicklung in den nächsten Tagen:

  • Vorsicht beim Baden in der Ostsee, besonders von Freitag bis Sonntag:

Der Ost- bis Nordostwind lebt mit dem Tagesgang auf und kann nachmittags Stärke 4 bis 5, abschnittsweise sogar 6 erreichen. Hoher Wellengang und starke Strömungen sind zu erwarten. Bei derartigen Wetterlagen kam es in der Vergangenheit häufig zu Badeunfällen. Deshalb: Hinweise der Wasserwacht beachten und am besten bewachte Strandabschnitte aufsuchen. Nicht direkt an Buhnenreihen oder Molen/Hafeneinfahrten etc. schwimmen gehen!

  • Das Problem mit den Blaualgen:

Satelliten- und Luftbildaufnahmen zeigten aktuell sehr große Vorkommen vor der dänischen und schwedischen Küste und in etwas schwächerer Form auch bereits vor Mecklenburg-Vorpommern. Mit leichten nördlichen bis östlichen Winden könnte der Alpenteppich die Küste erreichen. Kommt jedoch stärkerer Wind auf, würden die Blaualgen wieder mit dem Wasser vermischt und in der Tiefe verschwinden. Generell ist auch damit zu rechnen, dass mit den steigenden Temperaturen die Blaualgenblüte weiter wachsen wird. Es gibt also einige Unsicherheiten bezüglich der Prognose. Zudem: Experten gehen davon aus, dass es mehrere Tausend Arten von Blaualgen gibt. Längst nicht alle würden giftige Stoffe produzieren. Der Name Alge ist übrigens irreführend, denn es handelt sich um Cyanobakterien, welche Hautreizungen verursachen können. Zudem kann das Schlucken von blaualgenbelastetem Wasser zu Übelkeit, Durchfall und Erbrechen führen.

Fazit: Selbst vor dem Baden ein Blick ins Wasser werfen und die Hinweise der zuständigen Umweltämter/ Ministerien beachten. Und keine Panik schieben, bei Kontakt mit Blaualgen passieren keine wilden Dinge!

  • Das leidige Thema Waldbrandgefahr:

Es beschäftigt uns in letzter Zeit immer wieder: Da nennenswerte und flächendeckende Regenfälle weitgehend ausbleiben, verschärft sich die Waldbrandgefahr rasch wieder auf die höchsten Stufen. Deshalb: In den Küstenwälder und natürlich auch im Binnenland darauf achten, dass kein Einweggrill und sonstige Feuerquellen zurückgelassen werden. Außerdem bitte verhindern, dass Deppen Brennendes durch die Gegend werfen.

  • Sonnenbrandgefahr- nix Neues

Der UV-Index ist durchweg mittel bis hoch. Deshalb kann man sich schnell einen Sonnenbrand holen.

Neuer Junirekord in M-V knapp verpasst

Der Mittwoch brachte die bisher höchsten Temperaturen des Jahres nach Mecklenburg-Vorpommern. Der Hitzeschwerpunkt verlagerte sich mit Kippen der Strömung auf West /Nordwest in den Südosten des Landes. Spitzenreiter im DWD-Messnetz war die Station Grambow-Schwennenz an der polnischen Grenze mit einem Höchstwert von 35,7°C. Somit bleibt die Juni-Rekordmarke von 36,1°C aus dem Jahr 2000 (Ueckermünde, Teterow) bestehen.

An den vorpommerschen Stationen Greifswald (Tageswerte seit 1898) und Ueckermünde (seit 1947) ordnete sich der Maximalwert vom 26.06.2019 (34,2°C bzw. 35,3°C) allerdings als zweitheißester Juniwert hinter dem 21.06.2000 ein. Somit durchaus ein seltenes Ereignis.


Die Tmax-Hitliste vom 26.06.2019 in M-V (DWD und MeteoGroup-Stationen)
35,9°C Penkun/ Vorpommern (MG)
35,9°C Usedom-Stadt (MG)
35,7°C Grambow-Schwennenz (DWD)
35,7°C Zinnowitz / Usedom (MG)
35,5°C Luckow-Rieth (MG)
35,3°C Ueckermünde (DWD)
35,3°C Rattey-Schloss (MG)
35,2°C Neustrelitz (MG)
35,1°C Anklam (DWD)
34,7°C Trollenhagen (Flugplatz) (DWD)


In Warnemünde wurde vormittags die 30-Grad-Marke geknackt und die Strandbesucher kamen bei prallem Sonnenschein und nahezu Windstille ordentlich ins Schwitzen und suchten Abkühlung im Schatten bzw. in der 18-20°C frischen Ostsee. Doch bereits in den Mittagsstunden lebte der westliche Wind auf und sorgte für angenehmere Verhältnisse.

An den Stränden der Insel Usedom wurde es mit ablandigem Westwind vorübergehend 35 bis knapp 36°C heiß, bevor dann mit der großflächig nordwestlichen Strömung ab Nachmittag kühlere Meeresluft bis ins Landesinnere vordrang.

Diese Luftmasse bleibt bis Freitag unter Hochdruckeinfluss (weiterhin viel Sonne und trocken, nur eben kühler) bestehen. Zum Wochenende nimmt die Hitze einen neuen Anlauf und kann sich von Frankreich erneut nach Norden voranarbeiten. Am Samstag sind im südlichen Binnenland bereits wieder 30°C, am Sonntag dann bis an die Ostsee 31 bis 35°C, unter Umständen noch darüber, zu erwarten. In der neuen Woche sieht es dann jedoch nach einer nachhaltigeren Abkühlung aus.

Bei diesen Aussichten und aufgrund des neuen Hitzepeaks am letzten Junitag scheinen einige Monats-Temperaturrekorde fällig zu sein. Beispielsweise folgende Landes-Höchstmarken:

  • absolute Höchsttemperatur (36,1°C Teterow, Ueckermünde / Juni 2000)
    => neuer Anlauf am Sonntag
  • höchstes Monatsmittel der Temperatur (20,4°C Neustrelitz / Juni 1889)
    => aktuell bis 26.06.: 20,9°C Waren und Grambow-Schwennenz
  • höchste Anzahl Sommertage, Tmax>=25°C, (20 Tage Schwerin / Juni 1917, 20 Tage Marnitz / Juni 1889)
    => aktuell bis 26.06.: 19 Tage Marnitz und Goldberg im Süden Mecklenburgs
  • höchste Anzahl Warme Tage, Tmax>= 20°C, (30 Tage südl. M-V / Juni 1889)
    => aktuell bis 26.06.: 26 Tage an vielen Stationen im Binnenland, Rekord wird nahezu sicher eingestellt

Tmax-Prognose Sonntag (30.06.)– Morgenläufe ICON (Deutsches Modell), ECMWF (Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage) und GFS (US-Modell)

Das GFS-Modell (ganz unten) spielt bei den Extremhitze-Rechnungen nicht mit und will „nur“ 28 bis 33°C.

Quelle: Kachelmannwetter => https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten


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Mittwoch neue Temperaturrekorde?

In der neuen Woche steht ein recht kurzes, aber intensives Hitzeintermezzo an. Von einer Hitzewelle kann per Definition nicht gesprochen werden, denn dafür wären 3 Tage in Folge mit mindestens 30 Grad erforderlich. Diese wird es allenfalls ganz im Süden von M-V geben.

Fest steht: Am heutigen Montag wird es bereits sommerlich warm, Dienstag und Mittwoch heiß mit über 30°C. An den Küsten könnte Seewind abschnittsweise für erträglichere Bedingungen sorgen, zumindest heute und dann wieder am Mittwoch mit Winddrehung auf Nordwest im Tagesverlauf.

Ebenfalls sicher: Am Donnerstag wird die aus Nordafrika angezapfte Tropikluft bereits durch deutlich kühlere Nordseeluft ersetzt worden sein. Genau diesen Vorgang haben die computergestützten Wettermodelle vor einigen Tagen noch unterschätzt. Das statistisch beste Mittelfristmodell ECMWF hatte als einziges bereits frühzeitig den richtigen Riecher und sollte Recht behalten. Frösteln müssen wir den Rest der Woche trotzdem nicht. Mit 20 bis 26°C ist es dann wohl für die Allermeisten schlichtweg angenehm temperiert.

Ein spannender und interessanter Wettertag könnte dennoch der Mittwoch werden. Hier simulieren die Modelle momentan bis zu 36°C in der Südosthälfte von M-V. Der JuniTemperaturrekord für Mecklenburg-Vorpommern liegt bei 36,1°C (Teterow, Ueckermünde / 20.,21.06.2000) und würde in „Gefahr“ geraten. Ob wirklich eine neue Höchstmarke aufgestellt wird, hängt von Details ab, welche 3 Tage im Voraus nicht zu klären sind. Bewölkung könnte die Einstrahlung dämpfen und eine schnell auf Nordwest drehende Bodenströmung die Hitze bereits nach Berlin/Brandenburg abdrängen. Gerade im Westen des Landes sind neue Monatsrekorde mittlerweile sehr unwahrscheinlich. Dennoch einmal ein Blick auf die Spitzenwerte der langjährigen Messreihen von Schwerin, Greifswald und Warnemünde.

Juni-Tagesmaxima in Schwerin (seit 1890)  
34.4 °C 20.06.2000  
34.3 °C 09.06.1915  
34.1 °C 17.06.1917  
34.1 °C 29.06.1947  
33.9 °C 11.06.1937  
Juni-Tagesmaxima in Greifswald (seit 1898)
35.6 °C 21.06.2000
34.8 °C 20.06.2000
34.1 °C 20.06.1917
34.0 °C 30.06.1947
33.7 °C 11.06.1937
Juni-Tagesmaxima in Warnemünde (seit 1934)
35.0 °C 29.06.1947
34.9 °C 30.06.1947
33.3 °C 08.06.1996
33.2 °C 11.06.1937
33.0 °C 20.06.1954

Am ehesten sind neue Stationsrekorde im Südosten Vorpommerns möglich, dort liegt der zu schlagende Maximalwert allerdings noch höher. Hier für Ueckermünde, wo der Juni-Landesrekord „zu Hause“ ist.

Juni-Tagesmaxima in Ueckermünde (seit 1947)
36.1 °C 21.06.2000
35.2 °C 20.06.2000
34.5 °C 29.06.1947
34.1 °C 29.06.1994
33.5 °C 14.06.1964

Aktuelle Tmax-Modellprognose für Mittwoch (26.06.)- SuperHD / ICON / ECMWF

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/sui-hd/mecklenburg-vorpommern/hoechsttemperatur/20190626-1800z.html
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/deu-hd/mecklenburg-vorpommern/max-temperatur-6std/20190626-1800z.html
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/euro/mecklenburg-vorpommern/max-temperatur-6std/20190626-1800z.html

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