Kälter als der Winter

Wetterlage am 21.März 2020
Quelle: https://www.wetterkontor.de/de/wetterlage.asp

Unterkühlte Temperaturen, knackige Nachtfröste, Schneeschauer- im Januar und Februar würden sich sicherlich einige darüber freuen. Nun, wo es auf Ende März zugeht, ist die Mehrheit doch auf wärmeres Wetter eingestellt.

Das Skandinavienhoch JÜRGEN lenkte in den vergangenen Tagen trockenkalte Kontinentalluft aus Nordosten nach Deutschland. In der klaren Luft gab es eine hervorragende Fernsicht von teils über 80 km entlang der Ostseeküste. Nachts konnte die gespeicherte Wärme vom Erdboden bei wolkenlosem Himmel und nur schwachen Winden dagegen ungehindert ausstrahlen.

Verbreitet wurden frostige Temperaturen gemessen und dabei sogar die bisherigen Tiefstwerte in diesem Winterhalbjahr unterboten. Selbst im „Kernwinter“ 2019/20 (Dez, Jan, Feb) war es vielerorts in MV zu keinem Zeitpunkt so kalt wie in den Nächten vom 22. zum 23.03 und 23. zum 24.03. Das Landesminima von Mecklenburg-Vorpommern lag zuvor bei -5,3°C (01.11.2019 / Station im „Kälteloch“ bei Karlshagen/Usedom). Nun ging es im DWD-Netz abwärts bis auf -6,8°C am Flugplatz Barth. Im gemeinsamen Messnetz von Kachelmannwetter und der Vereinigten Hagel-Versicherung registrierte die Messtechnik in Strasburg sogar -7,5°C. Grundsätzlich auch für Ende März alles nicht rekordverdächtig, aber dennoch unter dem Klimamittel und eben aufgrund der milden Vorgeschichte bemerkenswert.

An der vorpommerschen Ostseeküste reichte es am Samstag und Sonntag außerdem für einzelne schwache Schneeschauer, ausgelöst durch den Feuchteeinschub vom Ostsee-Wasser und eine labile Schichtung aufgrund der vergleichsweise milden Wassertemperaturen.

Absolut „meldepflichtig“ war außerdem die sehr geringe relative Luftfeuchte. Am Tage lagen die Werte teils unter 30 %. Die Folge war zum einen, dass Reifglätte in den Morgenstunden trotz des Frostes kaum ein Thema wurde. Zum anderen trocknete die Wäsche auf Balkonien und Terrassien beinahe in Rekordgeschwindigkeit.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/luftfeuchtigkeit/20200325-1400z.html

Ein negativer Aspekt der Wetterlage ist derweil die ansteigende Waldbrandgefahr. Dazu trägt der seit dem Wochenende wehende kontinentale Ost- bis Südwind, viel Sonnenschein, die sehr trockene Luftmasse (=> hohe Verdunstung) und natürlich der ausbleibende Niederschlag bei.

In M-V gilt in den südlichen und südöstlichen Landesteilen mittlerweile die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe.
Quelle: https://www.dwd.de/DWD/warnungen/agrar/wbx/wbx_stationen.png

Wie geht es nun weiter? Bis zum Wochenende altert die Polarluftmasse zunehmend und erwärmt sich sowohl in der Höhe als auch in den bodennahen Schichten. Die Ost-Strömung lässt an Intensität nach und mit weiterhin viel Sonnenschein steigen die Temperaturen tagsüber, abseits der Küste mit Seewind, auf zweistellige Werte an. Nachts muss regional weiterhin mit leichtem Luftfrost, zumindest aber Bodenfrost gerechnet werden.

Zum Sonntag wird ein neuer Kaltlufteinbruch von Norden her erwartet!

Ungewohnt frostige Tiefsttemperaturen

In der Nacht zum Sonnabend (13. zu 14.03.) sanken die Werte in Mecklenburg-Vorpommern verbreitet in den leichten Frostbereich, ein doch seltenes Erlebnis in den letzten Wochen und Monaten. Zuvor war auf der Rückseite von Tief GISELA ein Schwall polarer Kaltluft aus Norden eingeflossen. Nachts klarte der Himmel dann auf und der Wind legte sich, sodass es mit den Temperaturen rasch in den Keller ging. Nur unmittelbar an der Ostsee war es streckenweise milder, sofern ein seichter Seewind bis in die Morgenstunden erhalten blieb.

Die kältesten Messwerte vom 14.März:

-4,3°C Barth / Flugplatz
-4,0°C Kargow-Schwarzenhof (Müritz-Nationalpark)
-3,8°C Laage / Flugplatz

Tiefstwerte der Lufttemperatur in 2 m / Nacht vom 13.03. zum 14.03.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/tiefsttemperatur/20200314-0600z.html

Direkt über dem Erdboden war es noch frischer mit bis zu -7,0°C in Trollenhagen bei Neubrandenburg. Auf Hiddensee gab es selbst in dieser Messhöhe Plusgrade.

Tiefstwerte Temperatur in 5 cm über Erdboden / Nacht zum 13. zum 14.03.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/tiefsttemperatur-boden/20200314-0600z.html

Zur Einordnung:

Die Station Waren / Müritz meldete einen Tiefstwert von -2,5°C. Diese Messung ist dort zusammen mit dem Minimum des 28.Dezember (ebenfalls -2,5°C) die niedrigste Temperatur in diesem Winterhalbjahr.

Ein beeindruckend hohes/mildes Minimum, welches nochmal den Totalausfall des Winters verdeutlicht.

Quelle: http://www.mtwetter.de/monatskarte.php

Seit dem 01.Oktober 2019 sank die Lufttemperatur nirgendwo in Mecklenburg-Vorpommern unter die -5°C-Marke ab. Der Landes-Tiefstwert lag bei -5,3°C (Karlshagen, am 01.11.). Schon eine völlig unspektakuläre normale Märznacht mit etwas skandinavischer Kaltluft reichte beinahe aus, um hier zu unterbieten. Barth / Flugplatz meldete (siehe oben) -4,3°C.

Nach dem Nachtfrost folgte ein Super-Samstag mit Sonnenschein pur. Es summierte sich die maximal mögliche Tagessumme von 11 Sonnenstunden entlang der Ostsee-Küste.

Der Sonnenuntergang konnte sich ebenfalls sehen lassen:

Regional nassester Februar seit Aufzeichnungsbeginn

Überschwemmungen in der Kleingartenanlage „Am Moor“ in Warnemünde.
Aufnahmedatum: 12.Februar 2020

Die sehr wechselhafte und tiefdrucklastige Wetterlage der letzten Tage und Wochen hatte auch ihre guten Seiten: Endlich kam reichlich Niederschlag zusammen und die Grundwasser- und Pegelstände stiegen (langsam) etwas an. Vielerorts, besonders Richtung Mecklenburgische Seenplatte und Uecker-Randow, liegen die Werte jedoch weiterhin unter dem langjährigen Mittel. „Wasser von oben“ ist dort vor allem in der Landwirtschaft nach wie vor erwünscht, um die Defizite aus 2018 und 2019 auszugleichen und vor weiteren möglichen Dürreperioden im kommenden Frühling / Sommer gewappnet zu sein.

Lässt man jedoch die Vorgeschichte außer Acht und blickt auf die nackten Zahlen, dann ist drei Tage vor Monatsende an allen Stationen in Mecklenburg-Vorpommern bereits der Niederschlagssollwert für Februar erreicht. Besonders üppig gewässert wurde der Nordwesten von Mecklenburg. Mehrere Orte registrierten dort über 100 l/m² seit dem 01.02. und damit mehr als das Dreifache der üblichen Monatssumme. Deutlich weniger fiel im Südosten von Vorpommern: 40 bis 50 l/m² bedeuten dort aber ebenfalls einen Niederschlagsüberschuss.


Nasseste Stationen im Februar 2020 – MV (01.02. bis 25.02.)
118,1 l/m² Satow-Reinshagen/ LK Rostock (358 %)
115,0 l/m² Boltenhagen (359 %)
110,3 l/m² Rüting-Diedrichshagen bei Grevesmühlen (319 %)
108,8 l/m² Rögnitz (310 %)
105,3 l/m² Wismar (315 %)

Trockenste Stationen im Februar 2020 – MV (01.02. bis 25.02.)
42,9 l/m² Trollenhagen bei Neubrandenburg (153 %)
43,5 l/m² Grambow-Schwennenz (145 %)
43,8 l/m² Kap Arkona (164 %)
44,4 l/m² Varchentin (146 %)
44,5 l/m² Torgelow (157 %)

(in Klammern Abw. zum Februar-Mittel am jeweiligen Standort)


Die Wetterstation Boltenhagen im Klützer Winkel wird den bisherigen Rekord für den nassesten Februar-Monat deutlich übertreffen. Die Niederschlagsmessreihe besteht dort seit 1924.

Top 5 Februar-Niederschlagssummen in Boltenhagen
115,0 l/m²2020 (Stand: 25.02.)
81,5 l/m²2002
81,0 l/m²1926
73,8 l/m²1958
71,4 l/m²1997, 2016

Es gibt weitere Wetter- bzw. reine Niederschlagsstationen im Norden und Westen des Landes, welche neue Höchstmarken aufstellen werden. Darunter folgende Orte mit teils sehr langen Messreihen: Kirchdorf/Poel (seit 1852!), Zingst (seit 1894) und Wismar (seit 1947).

In der Region von Nordwestmecklenburg bis in den Großraum Rostock entfällt ein Großteil des Februar-Niederschlags auf die Tage vom 09.02. bis 12.02., als sich rückseitig von Orkantief Sabine in labil geschichteter Meereskaltluft eine recht stationäre ergiebige Schauerstraße ausbildete (von der Nordsee durch S-H über Lübeck-Wismar bis Rostock). Am 11.02. gab es in der mecklenburgischen Küstenregion dadurch auch neue Februar-Rekorde für die höchste 24h-Niederschlagssumme.

Die tägliche Niederschlagssummen vom 01.02.-25.02.2020 an der Wetterstation Boltenhagen mit dem Hotspot vom 09.-12.Februar. Innerhalb von 96 Stunden fielen 76,1 l/m². Alleine diese Menge entspricht bereits mehr als dem Doppelten des gesamten Februar-Solls.
Quelle: http://www.mtwetter.de/monatskarte.php

Im Gebietsmittel für MV bleibt dagegen der flächig gesehen sehr nasse Februar 2002 wahrscheinlich an der Spitze der Hitliste. 1893, 1937, 1988 könnten aber noch von den Plätzen 2-4 verdrängt werden, denn das Wetter verläuft in den nächsten Tagen gewohnt wechselhaft.

WERT in l/m²Jahr
91,32002
76,71893
74,61937
72,61988
~ 72,02020 (Stand 25.02.)
71,92000
71,21958
67,51911
Gebietsmittel Februar-Niederschlag MV- seit 1881

Schnee-Armut im Winter 2019/20

Die „kalte Jahreszeit“ verläuft in Mecklenburg-Vorpommern bislang ausgesprochen mild. Frost und Schneefall stellen Mangelware dar, einen Eistag (Tagesmaxima <0.0°C) gab es noch überhaupt nicht. Der November fiel im Landes-Mittel 1,5 K zu warm aus, es folgten der Dezember mit +3,1 K und der Januar mit sogar 5,3 K positiver Abweichung.

Dieser Beitrag widmet sich den Statistiken zu Schneefall- und Schneedeckentagen. Beides sind klimatologische Kenntage und dienen u.a. auch als Maß zur Strenge eines Winters.

In der Saison 2019/20 stehen (das ganze Bundesland betrachtet) erst vier kleinere Schneefallereignisse zu Buche (12.Dez., 14.Dez., regional am 04.Jan. in Vorpommern, in der Nacht vom 28. zum 29.Jan. im Binnenland). Da nicht alle Gegenden in MV gleichermaßen betroffen waren, konnten mancherorts erst ein oder zwei Tage mit Schneeflocken beobachtet werden. Eine Schneedecke zum Klimatermin um 07 Uhr gab bislang nur an 7 von über 100 Messstellen in MV.

Nach dem langjährigen Klimamittel wären von Oktober bis Ende Januar in Mecklenburg und Vorpommern etwa 20 Tage mit geschlossener Schneedecke zu erwarten, vielerorts steht jedoch weiterhin die Null.

Beispiel Mittelwerte Schneedeckentage (>= 1cm) -Wetterwarte Greifswald (1901-2005)

Oktober: ~ 0,0
November: 1,6
Dezember: 6,5
Januar: 10,6
Februar: 10,5
März: 5,3
April: 0,3

Ein „Winterjahr“ (Oktober bis Mai) ohne Schneedeckentag (es zählt immer der Klimatermin um 07 Uhr) hat es an den allermeisten Wetterstation in MV noch nie gegeben. Hierzu wieder eine Auswertung aus Greifswald:

Es gab demnach seit 1898/99 minimal 3 Schneedeckentage in Greifswald, ein neuer „Negativ-Rekord“ scheint denkbar, zumal in den nächsten 10-14 Tagen weiterhin wenig auf einen Wintereinbruch hindeutet. Da aber auch im März und April noch Schnee fallen kann, ist es für eine Gesamtbewertung natürlich noch zu früh.

Im extrem schneereichen Winter 1969/70 registrierten der Wetterdienst übrigens unglaubliche 122 Tage mit geschlossener Schneedecke in der Hansestadt.

In einer anderen Kategorie hat sich das Winterjahr 2019/20 bereits einen Rekord gesichert, falls Frau Holle noch aktiv wird -;) :

Die spätesten ersten Schneedeckentage seit der Wintersaison 1898/99 (Oktober-Mai) aus dem Daten-Archiv der Wetterwarte Greifswald

2019/20 ?
1900/01 28.01.
1992/93 27.01.
1997/98 24.01.
2006/07 23.01.
1932/33 18.01.

Am längsten mussten die Greifswalder 1900/01 auf die weiße Pracht warten. Damals lag am 28.Januar zum ersten Mal eine Schneedecke. Über diesen Zeitpunkt sind wir schon hinweg, sodass ein eventuelles Schneeereignis nun das späteste erste wäre.

Fest steht: Das Potenzial für ein extrem schneearmes und mildes Winterjahr in der Endabrechnung ist gegeben. Die Wetterlage müsste sich Ende Februar bzw. im März grundlegend umstellen, damit Rekorde in Sachen Schnee-Armut noch vermieden werden können.

Dazu ein abschließendes Statistik-Beispiel aus Warnemünde (Daten seit 1946/47). Die geringste Anzahl der Tage mit Schneeflocken (Oktober bis Mai) steht für die Saison 2006/07 (13) zu Buche, gefolgt von 1988/89 (14) und 1991/92 (15).

Die aktuelle Saison steht bei 2 Schneefalltagen im Ostseebad.

Erste Schneeflocken der Wintersaison

Im Großraum Rostock fiel in der Nacht vom 11. zum 12.Dezember (Mittwoch auf Donnerstag) zum ersten Mal im Winterhalbjahr 2019/20 fester Niederschlag in Form von Schnee.

Kurz nach Mitternacht mischten sich Flocken in den bereits stundenlang andauernden leichten Regen. Aufgelöst wurden die Niederschläge durch eine Okklusionsfront (Mischfront, Kaltfront hat Warmfront eingeholt), welche zum Atlantiktief SIRO gehörte und von Westen in die bei uns lagernde Kaltluft vordrang. Dabei verlief die Front jedoch strömungsparallel und konnte im Laufe des Mittwochs kaum Boden nach Osten gewinnen. Somit hielten sich Reste der Kaltluft und mit Einbruch der Dunkelheit und Intensivierung der Niederschläge sanken die Temperaturen auf Werte von nur knapp über 0°C. In den höheren Luftschichten herrschten leichte Minusgrade vor, sodass alsbald nasser Schneefall in der Region von Rostock bis zur Müritz und am Donnerstagmorgen auch in Vorpommern beobachtet werden konnte.

Zum Klimatermin um 07 Uhr meldeten einige Stationen sogar eine dünne geschlossene Schneedecke von 1 cm. Das F bei etlichen Messstellen steht für Schneeflecken.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/20191212-0600z.html

In Rostock reichte es nicht für eine Schneedecke und auch der vorübergehende nasse Schneefall dürfte den meisten Menschen entsprechend der Uhrzeit (etwa 00:30-04:00 Uhr) entgangen sein.


Eine kleine Einordnung anhand der langjährigen Beobachtungsreihe der Wetterwarte Warnemünde. Betrachtet wird für den Zeitraum seit 1949 das Datum des ersten Schneefalls:

Im langjährigen Mittel fällt am 19.November der erste Schnee im Ostseebad.

Das früheste Eintrittsdatum wurde im Jahr 2002 mit dem 13.Oktober notiert. Auch in den Jahren 1950, 1955, 1979, 1997 sowie 2002 schneite es bereits im Oktober.

Der späteste Zeitpunkt für den ersten Schneefall stammt aus der Saison 1951/52, damals sollen erstmals am 01.Januar Flocken gesichtet worden sein. Ähnlich lange musste man 2006/07 warten, der erste Schneefalltag datiert auf den 28.Dezember.

Es ist also zu erkennen, dass es diesen Winter bis zum ersten Flockenwirbel überdurchschnittlich lange dauerte, wenngleich die Warnemünder Beobachtungsreihe einige Jahre mit späterem Eintrittsdatum enthält. Übrigens: Im vergangenen Winterhalbjahr vergingen ähnlich viele Tage bis zum „Premieren-Schnee“- am 14.Dezember war es soweit.

Erster Frost und Lake-Effekt an der Ostsee

Samstagfrüh (05.10.19) in Warnemünde: Über der offenen See entwickeln sich kräftige Regenschauer, an Land ist der Himmel frei von Cumulus-Gewölk.

Zum ersten Oktoberwochenende stellte sich eine nordöstliche Strömung ein, mit welcher Luftmassen polaren Ursprungs nach Mecklenburg-Vorpommern geleitet wurden. Die Temperaturen erreichen tagsüber nur noch 10 bis 12°C und lagen somit etwa 3 bis 4°C unterhalb des Klimamittels der Periode 1961-1990. In der Nacht zum Sonntag sanken die Tiefstwerte in 2m Messhöhe zum ersten Mal in diesem Herbst unter die 0-Grad-Marke. Am Flugplatz Barth in Nordvorpommern (typisches Kälteloch) zeigte der elektronische Messfühler Luftfrost bis -1,9°C an.

Auch direkt an der Ostseeküste trat bei schwachem ablandigem Wind zumindest Bodenfrost auf. An der DWD-Station in Warnemünde ist der Messwert von -0,4°C in 5cm über Dünensand sogar gleichbedeutend mit dem drittfrühesten Bodenfrosttag in der Messreihe seit 1947.

Früheste Bodenfrosttage (Tmin 5cm < 0,0°C)- Warnemünde seit 1947

03.10.1947 -1,6°C
04.10.1947 -0,9°C
06.10.1959 -1,5°C / 06.10.2019 -0,4°C

Mit dem Einsickern der Kaltluft kam ein bekannter meteorologischer Effekt zum Tragen. Gemeint ist der sogenannte „Lake-Effekt“. Ursprünglich stammt der Begriff aus den USA und steht in Zusammenhang mit heftigen Schneefällen, die an den Großen Seen (Great Lakes) ausgelöst werden. Das Grundprinzip ist an den deutschen Küsten dasselbe: Kalte Luft, besonders in höheren Luftschichten, strömt mit nordöstlichen bis östlichen Winden über das mit 12 bis 14°C (aktuelle Daten) vergleichsweise warme Oberflächenwasser der Ostsee. Durch die großen vertikalen Temperaturunterschiede (in 5,5 km Höhe bis -30°C am gestrigen Samstag) resultiert eine labile Schichtung. Die grundsätzlich trockene Kontinentalluft nimmt bei ihrem langen Weg über die Ostsee außerdem viel Feuchte auf. Letztendlich äußert sich der Lake-Effekt durch strichweise angeordnete Schauerbänder, die lokal eng begrenzt große Niederschlagsmengen an der Küste bringen können.

Strichweise ordnen sich die Schauer an und ziehen dann gen Küste.
Quelle (bearbeitet): https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/mecklenburg-vorpommern/20191005-0750z.html
Zwei Niederschlagsschwerpunkte durch den Lake-Effekt.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regensummen/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme-6std/20191005-1250z.html

Aktuell ist die Luft noch zu mild und es fällt Regen, im Winter können unwetterartige Neuschneemengen zusammenkommen und erhebliche Schneeverwehungen auftreten. An der deutschen Ostseeküste bilden sich üblicherweise, so war es auch gestern am 05.10., zwei markante Schauerstraßen aus: Eine besonders Intensive verläuft in der Mecklenburger und Lübecker Bucht und tangiert Ostholstein, Lübeck sowie den Klützer Winkel in Nordwestmecklenburg. Eine zweite beginnt südlich der dänischen Insel Bornholm und landet an der Küste von Usedom bzw. am Greifswalder Bodden an und reicht in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit meist einige Kilometer ins Landesinnere hinein.

Je nach Windrichtung (N bis O) können prinzipiell aber alle Küstenabschnitte betroffen sein.

Ein prominentes Beispiel eines winterlichen Lake-Effekts war das Ereignis vom 29./30.November 2010, als Ostholstein und der Kreis Segeberg mit 30 bis 50 cm Neuschnee zu kämpfen hatten. Das öffentliche Leben kam teils zum Erliegen, Schulen blieben geschlossen. Der intensive Kaltlufteinbruch aus O/NO erreichte die Region damals sehr früh, zu einer Zeit, als die Ostsee noch „lauwarm“ war und die Quellwolken- und Niederschlagsbildung erheblich verstärken konnte.

Im Januar 1987 versanken große Teile der Ostseeküste und des angrenzenden Binnenlandes in den Schneemassen. In Warnemünde ermittelten die Wetterbeobachter am 14.01.1987 eine mittlere Schneehöhe von 55 cm.

Sturm MORTIMER kommt am Montag früh

Ein kräftiges Tiefdruckgebiet verlagert sich momentan rasch von den Britischen Inseln und der südlichen Nordsee weiter nach Westen und erfasst in den Frühstunden des Montags auch Mecklenburg-Vorpommern. Je nach genauer Lage des kleinräumigen Tiefs, ist eher die mecklenburgische Küste oder das südliche Binnenland von den stärksten Böen aus Richtung Nordwest betroffen. Diese können während des Höhepunkts (dauert nur etwa 1 bis 2 Sunden, in der Karte verzeichnet) durchaus 90 bis 100 km/h, vereinzelt an der Ostsee und während kräftiger Niederschläge und Gewitter sogar bis 115 km/h erreichen. In manchen hochauflösenden Wettermodellen sind gar Orkanböen über 120 km/h berechnet worden. Gänzlich auszuschließen ist das nicht.

So oder so sind bei solchen Windgeschwindigkeiten um diese Jahreszeit morgen Verkehrsbehinderungen durch umstürzende Bäume wahrscheinlich.

Die Farbwahl dient nur der Visualisierung (dunkelrot bedeutet also nicht Weltuntergang oder Extremunwetter). Zudem ist der Ablauf noch nicht ganz sicher, möglicherweise verschiebt sich die Zone der stärksten Böen weiter in die Landesmitte oder nach Süden (hellroter Bereich).