Viel Frost im Frühling 2020

Anzahl der Frosttage im Frühling (seit 1967) an der Wetterstation Groß Lüsewitz südöstlich von Rostock
Der Frühling 2020 hat mit 32 das langjährige Mittel von 20,8 Frosttagen deutlich überschritten.

Seit Beginn des meteorologischen Frühlings, oder besser gesagt des Statistikfrühlings (März, April, Mai), hat es überdurchschnittlich häufig Frost gegeben. Zu dieser Erkenntnis gelangt man auch, wenn man das „alte“ Klimamittel der Periode 1961-1990 heranzieht.

Eine Gegenüberstellung der Anzahl der Frosttage im Winter 2019/20 und im Frühling 2020 (Stand: 16.05.) für ausgewählte Stationen aus M-V:

StationFrosttage WinterFrosttage Frühling
Tribsees1736
Barth / Flugplatz2036
Groß Lüsewitz1832
Steinhagen-Negast2028
Schwerin1114
Waren / Müritz1512
Warnemünde43

Die Tabelle lässt wie folgt interpretieren: Ländliche Stationen wie Tribsees, Groß Lüsewitz oder Barth, häufig in Senken oder Muldenlagen (typische Kältelöcher) gelegen, haben deutlich mehr Tage mit Minusgraden im Frühlingszeitraum seit 01.März registriert. An der Messstelle Tribsees sind mittlerweile sogar mehr als doppelt so viele Frosttage als im Winter aufgetreten. Dies allein stellt ein absolutes Ausnahmeereignis dar.

Übrigens liegt regional das Minimum der Lufttemperatur im aktuellen Mai 2020 tiefer als im Wintermonat Februar 2020.

Abb 1 Frosttage Februar 2020 vs Mai 2020 (bis 16.05.)

Zurück zum begonnenen Winter=>Frühling-Vergleich. Denn es gibt auch komplett gegensätzliche Fälle: In Waren an der Müritz liegt der Winter mit 15 Frosttagen vorne. Auch an vielen Küstenstationen, in der Auflistung beispielhaft Warnemünde, fällt der Frühling nicht als frostiger Geselle auf.

Wie passen diese Unterschiede zusammen?

Der nächtliche Frost in den letzten Wochen und Monaten war an starke Ausstrahlung während Hochdruckwetterlagen gekoppelt. Hierbei spielt der Faktor Wärmekapazität des Untergrundes eine große Rolle. Diese ist bei versiegelten/bebauten Flächen und über Ostsee/ Seen hoch, sodass kaum gefürchtete Spätfroste in Städten und an der Küste (zumindest bei auflandigem Wind) auftreten. Über Wiesen, Feldern etc. tritt in klaren und windschwachen Nächten nach dem Einströmen polarer trockener Kaltluft auch im Mai noch ziemlich rasch Luft- zumindest aber Bodenfrost auf. Dieser kann aber nicht advektiv in städtische Räume oder höhere Lagen (welche aus der bodennahen Kaltluftschicht herausragen) „getragen“ werden, denn Wind würde die Luftmassen durchmischen und die Auskühlung hemmen.

Deshalb sammeln vor allem Stationen in ländlichen Regionen im April und Mai bei entsprechender Wetterlage noch Frosttage, im Winter sind die Unterschiede meist geringer, denn z.B. kann dann auch in feuchter Luft bei kalter Luftmasse rasch Frost in den Nächten auftreten.

Grundsätzlich werden späte Frost- oder Schneefallereignisse in Zeiten der Klimaerwärmung nicht seltener. Wenn eingeflossene Arktisluft unter Hochdruckeinfluss zur Ruhe kommt, dann ist besonders nach längeren Trockenperioden (aktuell seit Mitte März) in der heutzutage saubereren und schadstoffärmeren Luft eine stärkere Auskühlung möglich als es früher innerhalb der SO2-haltigen Luft der Fall war.


Exkurs SO2

„Schwefeldioxid entsteht hauptsächlich bei der Verbrennung schwefelhaltiger Brennstoffe. Seit 1990 sind die Emissionen um über 90 Prozent gesunken, vor allem durch technische Maßnahmen sowie den Einsatz schwefelarmer Brennstoffe. Von 1990 bis 2017 ist ein Rückgang der Schwefeldioxid-Emissionen (SO2) von 5,5 auf nur 0,32 Millionen Tonnen (Mio. t) zu verzeichnen.“

Quelle: Umweltbundesamt / https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftschadstoff-emissionen-in-deutschland/schwefeldioxid-emissionen


Eine hohe Bodenfeuchte wirkt zudem stärkerer nächtlicher Auskühlung entgegen, sodass kurioserweise gerade in Wärme- bzw Hitzesommern örtliche Bodenfröste aufgetreten sind (z.B. im August 1995, Anfang September 2003 oder Anfang Juli 2018).

Auch die statistisch nachweisbare deutliche Abnahme von Nebeltagen und Erhöhung der mittleren Sichtweite zeigt, dass die Luft „besser“ geworden ist. Auch die Überlegung, dass die Winter wärmer geworden sind und die Häufigkeit nebelfreundlicher Tage mit günstigen Bedingungen abnimmt, kann hier getätigt werden.

Allerdings haben Untersuchungen gezeigt, dass die Sichtweiten bei gleicher Wetterlage heutzutage wesentlich größer als früher sind (Vergleich z.B. mit 1960er-Jahren).

Abb 2 Entwicklung der mittleren Sichtweite in Berlin-Dahlem von 1955 bis 2019

„Die Sichtweite ist in Berlin von Werten knapp unter 10 km Ende der 1950er/Anfang der 1960er auf über 25 km angestiegen, in 2018+2019 waren es erstmals über 30 km im Jahresmittel.“
Quelle und Grafik: Jörg Wichmann / http://www.wzforum.de/forum2/read.php?2,3806351,3806932#msg-3806932

Bestätigter Tornado am 29.04.2020 in Lübtheen

Dieser Bericht blickt auf einen Tornado im südwestlichen Mecklenburg zurück, welcher sich Ende April 2020 ereignet hat. Durch Vor-Ort-Untersuchungen konnte der Fall im Nachhinein bestätigt werden und soll nun Gegenstand dieser Analyse sein:

Der schwache F1-Tornado (F1= zweite Stufe auf der Fujitaskala) bildete sich am Mittwochabend des 29.April kurz vor 19:45 Uhr westlich der Kleinstadt Lübtheen. Das Radar zeigte zum Zeitpunkt der Entstehung eine unauffällige, nicht gewittrige Schauerzelle mit einem intensiven Niederschlagskern. Dieses Echo scherte etwas nach O/SO aus und bekam eine Drehbewegung, während die restlichen schauerartigen Niederschläge im Umfeld eine einheitliche SW=>NO-Zugrichtung aufwiesen.

Abb. 1 Radar HD-Bild vom 29.04.2020 / 19:35 Uhr

Der Pfeil markiert die Schauerzelle, an welcher etwa 8-10 Min später der Tornado entstand.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/lueneburg/20200429-1735z.html

Zudem lag eine Bodenwindkonvergenz vor. In einem schwachgradientigen Umfeld strömten schwache SO-Winde auf ebenfalls kaum messbare SW-Winde (BFT 1-2). Die vertikale Windscherung zwischen Boden und 1 km Höhe betrug gegen 19 Uhr im LK Ludwigslust-Parchim fast 35 Kn. Je größer die Windscherung zwischen verschiedenen Luftschichten (Änderung des Windes in Richtung und Stärke), desto erhöhter ist die Tornadogefahr. Die Luftmasse war außerdem sehr feucht. Keine schlechten Ausgangsbedingungen für „tornadische Bemühungen“.

Am Stadtrand von Lübtheen erreichte der sich bildende Tornadotrichter den Erdboden und wirbelte Staub von den landwirtschaftlich genutzten und sehr trockenen Flächen auf. Dadurch wurde der Tornado weithin sichtbar, sodass viele Menschen auf das Phänomen aufmerksam wurden und die Feuerwehr informierten. Es bestand die Vermutung eines Brandes. Die Freiwillige Feuerwehr Lübtheen konnte jedoch nur noch Sturmschäden feststellen. Abgerissene Dachziegel, dicke Äste auf Straßen und Wegen sowie ein schwer beschädigter Carport zählten dazu. Doch war wirklich ein Tornado dafür verantwortlich oder wüteten hier Fallböen (Downburst) bzw. ein Böenfrontwirbel (Gustnado)?

Abb. 2: Die Zugbahn des Tornados (von W nach O) quer durch Lübtheen

Mitglieder des „WTINFO Tornado Research Project“ schauten sich vor Ort um, dokumentierten die Schäden und befragten Augenzeugen.

Es ließen sich eindeutige Tornadoindizien finden. Dazu eine Passage aus dem Abschlussbericht: „Während die Inflow-Winde in Tornadozugrichtung rechtsseitig gesehen ein Trampolin in 115 Meter Entfernung vom Tornado auf 355° Nord 50 Meter zum Tornado hin verfrachteten, wurde zur gleichen Zeit ein Fliederbaum (Ölbaum/Syringa) linksseitig des Tornados in Zugrichtung gesehen zusammen mit Gartenmöbeln auf rückseitige (entgegengesetzt der Zugrichtung) 260° geworfen, welches kartographisch als Rotationsbeweis gilt.“ Das in verschiedene Richtungen verlaufende Schadensmuster, aufgrund Inflow/Outflow-Winde, gehört meteorologisch zu einem Tornado und nicht zu anderen Sturmphänomenen.

Augenzeugen sprachen außerdem von einer „rotierenden Trichterwolke“. Laubbäume bewegten sich „in verschiedene Himmelsrichtungen“.

Auch die Beschädigung am angesprochenen Carport konnte sehr genau rekonstruiert werden. Das Carport-Dach sei „27,4 Meter weit linksseitig der Tornadozugrichtung verfrachtet worden“. Der Wirbel saugte Dämmstoffe und Glaswolle ein. Hierbei konnte sogar eine Verfrachtung von 350 Metern kartiert werden. In der Lübtheener Gartenstraße hinterließ der Tornado ebenfalls Spuren: Etwa 50 Dachziegel wurden herausgehoben. Am Raiffeisenmarkt zerlegte es Blumenstände und Holzbalken gingen auf Wanderschaft.

Weitere klare Tornadoindizien ließen sich am Kirchplatz und nach Überquerung der Geschwister-Scholl-Straße in Richtung Krone Brüggen feststellen. Es wurde ein typisches konvergentes Fallmuster in einem Fichtenbestand nachgewiesen. Es bot sich also ein Bild mit unterschiedlichen chaotischen Fallrichtungen der Bäume mit Schwerpunkt zur Mitte des betroffenen Bereiches hin.

Abb. 3: Beispiel für konvergentes Tornado-Fallmuster

Diese Analyse gehört zum Fall Groß Laasch bei Ludwigslust (05.05.2015), der Tag des denkwürdigen F3-Tornados in Bützow.
Quelle: https://www.stormchaser-holstein.de/files/images/60.jpg

Im kleinen Ortsteil Lobetal verliert sich schließlich die Spur des Tornados. Er hinterließ in einer engbegrenzten Ost-Nordost verlaufenden Schneise von 2,57 km Länge Bruch- und Verfrachtungschäden mit konvergentem Muster. Die sogenannte primäre Schneisenbreite betrug 5 Meter, während der sekundäre Wirkungsbereich teilweise eine Breite von 185 Metern aufwies. Es hat Verfrachtungen von maximal 350 Metern gegeben.

Die Windgeschwindigkeiten können in den Bereich von 130 bis 150 km/h eingeordnet werden. Die Kartierungsarbeiten des „Tornado Research Projektes“ sind abgeschlossen und der Tornado ist nun schadensanalytisch nachgewiesen, ein Böenfrontwirbel bzw. Fallböen konnten ausgeschlossen werden.

Damit hat Mecklenburg-Vorpommern nun den ersten bestätigten Tornado im Jahr 2020. Hinzu kommt ein Verdachtsfall vom 12.März aus Grimmen (=> https://tornadoliste.de/read:7649 ) und ein unplausibler Fall (wahrscheinlich Fallböen) aus Rostock-Reutershagen vom 04.Januar.

Im vergangenen Jahr 2019 zählt die Statistik 4 Tornadoereignisse (davon 3 als Wasserhosen über der Ostsee) und 9 Verdachtsfälle für MV.


Abb. 4: Fujitaskala zur Einstufung und Schadensklassifikation von Tornados

Quelle: https://witnessgenerationy.files.wordpress.com/2015/05/skala.png

Quellenangaben:

Tornadoliste Deutschland => https://tornadoliste.de/read:7665

Gemeinnütziges Tornado Research Project => https://wtinfo.eu/

Facebook Tornado Research Project => https://www.facebook.com/WTINFO/

Facebook FFW Lübtheen => https://www.facebook.com/Feuerwehrluebtheen/

Kachelmannwetter.com =>https://kachelmannwetter.com/de/regenradar

Großer Tagesgang der Lufttemperatur

In der trockenen Kontinentalluft hat es in den vergangenen Tagen beachtliche Unterschiede zwischen Höchst- und Tiefsttemperatur gegeben. Die klaren Nächte verliefen fast windstill und somit kühlte die Luft stark aus und in Muldenlagen trat sogar Luftfrost auf. Tagsüber ging es nach Sonnenaufgang und bei voller Einstrahlung mit den Temperaturen „hoch hinaus“.

Über den ausgetrockneten Böden konnte sich die Luft am Donnerstag (23.April) besonders gut erwärmen und lokal wurde ein Tagesgang der Lufttemperatur (Unterschied zwischen 24-stündigem Maximum und Minimum) von mehr als 20 K = °C erreicht.

Spitzenreiter in dieser Kategorie war die Wetterstation Tribsees mit enormen 21,5 Kelvin. Morgens war dort Scheibenkratzen angesagt, nachmittags dann frühsommerliche Wärme selbst im Schatten. Die Temperatur in 2m stiegt am Rande der Trebelstadt von -0,3°C auf 21,2°C.

Abb 1: Karte der Tmin und Tmax am 23.April 2020 in MV

Abb 2: Temperaturverlauf an der Station Tribsees / 23.April 2020

Quelle: http://www.mtwetter.de/tageskarte.php

Tagesgänge von mehr als 20 K sind sehr selten und kommen am ehesten im Frühjahr / Frühsommer vor. Im Gegenzug können besonders in sehr feuchter Luftmasse und bei dichter Bewölkung/geringer Globalstrahlung winzige Tagestemperaturunterschiede von nur 0,1 bis 0,5 K auftreten.

Gibt es auch Tage, an denen es zu überhaupt keiner Änderung der Temperatur kommt, also weder Erwärmung noch Abkühlung (Tagesgang: 0,0 K) ? Dies lässt sich nicht abschließend beantworten, jedoch ist nach Durchsicht der Archivdaten in Mecklenburg-Vorpommern dieser Fall in den letzten 100 Jahren an keiner Messstation eingetreten.

Der große Osterwetter-Rückblick seit 1947

Die Bandbreite des Osterwetters ist im Vergleich zu anderen Feiertagen besonders groß, denn Ostern findet jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt statt. Es ist natürlich ein Unterschied bezüglich des Sonnenstandes ob Ende März oder Ende April die Festtage anstehen.

In der folgenden Tabelle sind jeweils das Tagesmittel / Maximum und Minimum der Lufttemperatur, die Niederschlagsmenge und Sonnenscheindauer sowie Schneehöhe und Windspitze für den Ostersonntag und Ostermontag seit 1947 aufgeführt.

Wichtig zu beachten ist, dass eben nur diese beiden Tage ausgewertet worden sind. Es kann in den Tagen davor (Gründonnerstag bis Ostersamstag) oder danach natürlich deutlich wärmer/kälter oder nasser/trockener etc. gewesen sein. Zur Schneehöhe sei noch gesagt, dass diese nur zu einem Termin am Tag morgens gemessen wurde. Es kann natürlich dazwischen trotzdem, zum Beispiel in einem Schneeschauer, für eine kurze Schneedecke gereicht haben! Dies lässt sich anhand der Daten nicht verifizieren.

Die Daten sind allesamt in Warnemünde (Station an der Strandpromenade) gemessen worden.

Das früheste Ostern im Zeitraum seit 1947 war übrigens im Jahr 2008, gefolgt von 1951. Das späteste Ostern 2011, gefolgt von 2000 und 1962.

Überblick meteorologischer Extreme

Wirklich warme Ostern mit Temperaturen über 20°C sind selten. Erinnerungen bestehen womöglich noch an die sehr milden und sonnigen Ostertage im Jahr 2000, 2003, 2009, 2011 sowie 2014. Die kühleren und wechselhaften Ostern sind jedoch in der Überzahl. Das mittlere Tagesmaximum eines Ostersonntags bzw. Ostermontags liegt im Rostocker Ostseebad bei nur 9,7°C.

Für das gesamte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern betrachtet gab es warme und teils sommerliche Ostern 1952, 1962, oder auch 2000.

Ein Sommertag am 13.04.1952 (Ostersonntag) in Boizenburg und Dömitz an der Elbe, eher frische Temperaturen dagegen an der mecklenburgischen Küste. Sogar einstellig blieb der Höchstwert auf der Greifswalder Oie.

Noch extremer zeigten sich die Temperaturunterschiede zum Osterfest zehn Jahre später: 20-Grad Differenz zwischen Arkona/Rügen (7,0°C) und Neustrelitz (27,2°C), somit lagen auch im Empfinden Welten zwischen dem exponierten Küstenort mit Seewind und der mollig warmen Residenzstadt im südlichen Mecklenburg.

Hochsommerliche Temperaturen von bis zu 29°C gab es am 23.April 2000 mit einem intensiven Warmluftvorstoß aus Südeuropa. Auch auf den Ostseeinsel Rügen, Hiddensee und Usedom wurde die Sommertagsmarke von 25°C geknackt.


Besonders wenn die Feiertage schon Ende März oder Anfang April liegen, kann durchaus noch Schnee und Frost die Eiersuche erschweren.

Eine geschlossene Schneedecke gab es zu Ostern 1970 (29./30.März) und im letzten Jahr 2018 (01./02.April). Schneefall, der nicht oder nur kurzzeitig liegenbleibt, tritt häufiger auf. Zuletzt war dies am 16.April 2017 (Ostersonntag) und am 23. und 24.März 2008 der Fall.

Die MV-Karte mit den Schneehöhen-Meldungen vom 29.03.1970 und 01.04.2018:

1970 durchaus stattliche Schneeauflagen von 10 bis 20 cm Mächtigkeit in der Osthälfte, z.B. auch auf den Insel Rügen und Usedom.

Die massiven Nassschneefälle zum Ostersonntag 2018 dürften vielen in Erinnerung geblieben sein.


Minusgrade wurden in Warnemünde zu Ostern 1951, 1969, 1970, 1974, 1975, 1993, 2008 und 2013 gemessen, wobei die beiden Letztgenannten als die kältesten Auferstehungsfeste in der 72-jährigen Messreihe von Warnemünde zu bewerten sind.

Eisige Tiefstwerte von bis zu -9°C in Groß Lüsewitz am Ostersonntag 2013 (31.März).

Winterliche Höchstwerte von nur 0 bis 3°C zu Ostern 2008 und 2018:


Ausgesprochen sonnenscheinreich verlief Ostern 2011. Von Gründonnerstag bis Ostermontag zeigte sich nahezu keine Wolke am Himmel und es summierten sich fast 70 Sonnenstunden. Mehr geht nicht! Eine ähnlich phänomenale Sonnenausbeute, sogar noch minimal besser, schaffte die Osterzeit im vergangenen Jahr 2019.

Insbesondere seit der Jahrtausendwende gab es auffällig viele sonnige Ostertage, während in den 1960er-Jahren trübe Festtage dominierten. Das extremste Beispiel dafür ist das Jahr 1966, als von Gründonnerstag bis Ostermontag (07. bis 11.April) nicht eine Minute Sonnenschein an der Warnemünder Wetterstation registriert wurde. Zusätzlich fiel immer wieder Regen, am Ostersonntag sogar 20 l/m².


Sehr windig mit Sturmböen verlief Ostern 1978, 1982 und 1992.

Am 27.März 1978 (Ostersonntag) meldeten die Wetterstation Schwerin und Teterow orkanartige Böen der Stärke 11. In Neubrandenburg trat sogar eine Orkanböe von 119 km/h auf.


Eine Zunahme warmen Wetters über die Ostertage lässt sich nicht feststellen, die Temperaturextreme verteilen sich recht gleichmäßig über den ausgewerteten Zeitraum. Beim Niederschlag und Sonnenschein sieht es etwas anders aus. Seit den 1990er-Jahren häufen sich die sonnigen und trockenen Ostersonntage und Ostermontage. Ganz und gar nicht frühlingshaft war natürlich das vorletzte Osterfest, welches das wohl schneereichste aller Zeiten darstellte (15 cm in Warnemünde, bis zu 35 cm im westlichen Landkreis Rostock) und dadurch als absolut denkwürdiges Ereignis einzuschätzen ist.

Alle Messwert-Karten stammen von https://kachelmannwetter.com/de/messwerte

Kurzer Wintereinbruch mit Schneefällen

Schneehöhe in cm, 30.03.2020 / 08 Uhr
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/20200330-0600z.html

Quasi auf den letzten Metern brachte das Winterhalbjahr 2019/20 noch einen Schneedeckentag zustande. Am Morgen des 30.März meldeten zahlreiche Wetter- und Niederschlagsstationen in Mecklenburg und im nördlichen Vorpommern eine geschlossene Schneedecke von 1 bis 3 cm. Verursacher war eine weitere Kaltfront eines kleinen, in die nördliche Strömung eingebundenen Tiefs. Dadurch setzten in den Frühstunden von der Ostsee her schauerartige Niederschläge ein, welche nur direkt an der Küste mit auflandigem Wind teils als Regen/Schneeregen fielen, sonst verbreitet als Pulverschnee auf gefrorene Böden (Tiefstwerte der Nacht zuvor bei -1 bis -5°C).

Impressionen aus Mecklenburg

In Schwerin meldete die Wetterwarte 2 cm Neuschnee, damit mehr als im ganzen Winter und den ersten Schneedeckentag seit dem 26.Januar 2019.

Gegen Mittag stiegen die Temperaturen im Küstenumfeld schon bis auf 6°C, in der Müritz-Region dagegen weiterhin Flockenwirbel:

Lufttemperatur 30.03.2020 um 12:00 Uhr

6°C an der Ostsee, winterliche Meldungen im leichten Frostbereich aus Waren, Neubrandenburg und Feldberg
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/temperatur/20200330-1000z.html

Bis zum Abend war die Schneedecke meist wieder abgetaut, wobei nachfolgende Schnee- und Graupelschauer, teils sogar kurze Gewitter noch für weitere weiße Überraschungen sorgten.

Schnee ist Ende März übrigens nichts ungewöhnliches, späte Kälterückfalle im Frühling kommen in vielen Jahren vor. Besonders ist diesmal allerdings, dass der Winter in Sachen Frost und Schnee nahezu ein Totalausfall war und nun von diesem Ereignis am vorletzten Märztag „easy“ übertrumpft wurde.


Vielerorts lag zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison (seit Oktober 2019) etwas Messbares der Weißen Pracht zum Klimatermin um 05:50 UTC (06:50 Uhr bzw. nun 07:50 Uhr nach der Zeitumstellung). Bislang wurde innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern lediglich an folgenden Tagen und dann auch nur an vereinzelten Messpunkten eine geschlossene Schneedecke von 1 oder 2 cm registriert:

12.Dezember 2019 (östlich einer Linie Rostock-Parchim)
14.Dezember 2019 (vom LK Rostock bis zur Seenplatte)
12.Februar 2020 (Insel Rügen, vereinzelt zwischen Schwerin und Güstrow)

Am 29.Januar und 11.Februar lagen zudem regional Schneeflecken, aber keine messbare und durchgehende Schicht.


Die größte Mächtigkeit einer Schneedecke in M-V liegt in 2019/20 somit nur bei 3 cm. Folgende Meldungen liegen in der Datenbank vor, nur die aus Sassnitz stammt nicht vom 30.März:

TerminStationLandkreisSchneehöhe
12.02.2020SassnitzVorpommern-Rügen3 cm
30.03.2020BernittRostock3 cm
30.03.2020BrüelLudwigslust-Parchim3 cm
30.03.2020LübstorfNordwestmecklenburg3 cm
30.03.2020OettelinRostock3 cm
30.03.2020Ribnitz-DamgartenVorpommern-Rügen3 cm
30.03.2020VentschowNordwestmecklenburg3 cm

Eine solch niedrige Maximalschneehöhe hat es seit mindestens 1890 im Zeitraum von Oktober-Mai (in dieser Spanne kann theoretisch in unserer Region Schnee auftreten) noch nie gegeben. Geht man davon aus, dass nun im April und Mai 2020 kein erneuter Rückfall mit Schneefällen über 3 cm auftritt, hätten wir einen neuen Rekord.

Hier die für Schneefans sehr dürftige Ausbeute in Kartenform, weiterhin gibt es Stationen mit der „0“, also bislang keine messbare Schneedecke in 2019/20. Dies betrifft vor allem Küstenstationen (z.B. Warnemünde, Arkona und Greifswald) und den Südosten von Mecklenburg-Vorpommern.

Sturmhochwasser und Polarluft

Wetterlage am 29.März 2020
Quelle: https://www.wetterkontor.de/de/wetterlage.asp

Am letzten Märzwochenende stand ein veritabler Wettersturz ins Haus. Über dem Atlantik plusterte sich das mächtige Hoch KEYWAN auf und erreichte einen stolzen Kerndruck von bis zu 1055 hPa.

In der Folge setzte ab der Nacht zum Sonntag (29.03.) eine kräftige Nordströmung ein, mit welcher arktische Polarluft auf ziemlich direktem Wege bis nach Mecklenburg-Vorpommern gelangte. Durch einen eingelagerten Bodentrog ging der Wetterwechsel von Sonne pur und immerhin 8-14°C am Samstag zu 2-5°C am Sonntag mit Niederschlägen und Sturm einher. Der Nord- bis Nordostwind erreichte in den Frühstunden Stärke 7-8 an der Küste, in exponierten Lagen wurden schwere Sturmböen der Stärke 10 registriert. Dies sorgte für deutlich steigende Wasserstände entlang der Ostseeufer. Verbreitet wurde die Sturmflutmarke von 1,00 m erreicht, in den Buchten sind Maximalwerte von 1,40 bis über 1,50 m über normal gemeldet worden (= leichte bis mittlere, vereinzelt sogar schwere Sturmflutkategorie). Der Höhepunkt war zwischen 08 und 12 Uhr erreicht.

Maximale Pegelstände in M-V + angrenzende Orte / 29.03.2020

 Abw. vom MWSTUhrzeit HöchststandSturmflutkategorie
Travemünde1,51 m10:00 Uhrschwer
Lübeck1,57 m10:05 Uhrschwer
Wismar1,47 m09:26 Uhrmittel
Warnemünde1,16 m11:45 Uhrleicht
Rostock-Mühlendamm1,33 m11:16 Uhrmittel
Stralsund1,14 m10:25 Uhrleicht
Sassnitz0,89 m09:30 Uhrleicht
Greifswald-Wieck1,31 m09:50 Uhrmittel
Karlshagen / Usedom0,98 m11:10 Uhrleicht
Ueckermünde0,60 m15:51 Uhrleicht
Verlauf des Pegels in Warnemünde und Rostock-Mühlendamm
Quelle: https://pegelonline.wsv.de/gast/start;jsessionid=6B639A759363FF713B40CED19048664E

Einteilung Sturmfluten an der deutschen Ostseeküste
-4 Klassen-
leichte Sturmflut: 1,00 bis 1,25 m über mittl. Wasserstand
mittlere Sturmflut: 1,25 bis 1,50 m über m. WS
schwere Sturmflut: 1,50 bis 2,00 m über m. WS
sehr schwere Sturmflut: mehr als 2,00 m über m. WS

Zur weiteren Einordnung: Die schwere Sturmflut vom 02.Januar 2019 erreichte in Wismar 1,91 m, in Rostock 1,83 m und in Warnemünde 1,67 m über normal. Damit erreichte dieses Ereignis eine deutlich höhere Größenordnung und verursachte zahlreiche Schäden.

Die erste Sturmflut in diesem Jahr war am 05.Februar 2020, erreichte einen Maximalstand von 1,21 m in Wismar und fiel damit schwächer aus als die jetzige.

Spitzenböen M-V 29.03.2020

Videos aus Warnemünde vom 29.03.2020- überspülter Strand und Wellen an der Westmole

Neben Sturm und Hochwasser war der Niederschlag die dritte spannende Komponente am Sonntag- Morgen. Zunächst fiel bei sinkenden Temperaturen verbreitet leichter Regen, ab 07-08 Uhr ausgehend von der vorpommerschen Küste Schneeregen. Bis zum Mittag breitete sich das Niederschlagsgebiet südwärts aus und dann konnten auch im Binnenland nasse Schneeflocken beobachtet werden. Bei 1-3°C reichte es aber nirgends für eine Schneedecke.

Am Nachmittag lockerte der Himmel rückseitig der Kaltfront von der Ostsee her auf und die Sonne setzte sich in der nun jedoch spürbar „eisigen“ Polarluftmasse durch.

Der Parameter „Taupunkt“ ist dafür ein guter Indikator. Die Karte zeigt verbreitet deutlich negative Werte, was auf eine sehr trockene und kalte Luftmasse hindeutet.

Taupunkte am 29.03.2020 um 17 Uhr
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/taupunkt/20200329-1500z.html

Mit langsam abflauendem Nordwind ging auch das Ostsee-Wasser Stück für Stück zurück und die Pegelstände normalisierten sich.

Die Auswirkungen der Sturmflut waren überschaubar: In Wismar wurden Straßen in Hafennähe überschwemmt, vielerorts überspülten die Wellen Strände und drückten das Wasser bis an die Dünen und Steilküsten. Auf Poel und bei Boltenhagen stürzten Bäume durch Unterspülungen um und wurden Findlinge aus der Steilwand gerissen.

Kälter als der Winter

Wetterlage am 21.März 2020
Quelle: https://www.wetterkontor.de/de/wetterlage.asp

Unterkühlte Temperaturen, knackige Nachtfröste, Schneeschauer- im Januar und Februar würden sich sicherlich einige darüber freuen. Nun, wo es auf Ende März zugeht, ist die Mehrheit doch auf wärmeres Wetter eingestellt.

Das Skandinavienhoch JÜRGEN lenkte in den vergangenen Tagen trockenkalte Kontinentalluft aus Nordosten nach Deutschland. In der klaren Luft gab es eine hervorragende Fernsicht von teils über 80 km entlang der Ostseeküste. Nachts konnte die gespeicherte Wärme vom Erdboden bei wolkenlosem Himmel und nur schwachen Winden dagegen ungehindert ausstrahlen.

Verbreitet wurden frostige Temperaturen gemessen und dabei sogar die bisherigen Tiefstwerte in diesem Winterhalbjahr unterboten. Selbst im „Kernwinter“ 2019/20 (Dez, Jan, Feb) war es vielerorts in MV zu keinem Zeitpunkt so kalt wie in den Nächten vom 22. zum 23.03 und 23. zum 24.03. Das Landesminima von Mecklenburg-Vorpommern lag zuvor bei -5,3°C (01.11.2019 / Station im „Kälteloch“ bei Karlshagen/Usedom). Nun ging es im DWD-Netz abwärts bis auf -6,8°C am Flugplatz Barth. Im gemeinsamen Messnetz von Kachelmannwetter und der Vereinigten Hagel-Versicherung registrierte die Messtechnik in Strasburg sogar -7,5°C. Grundsätzlich auch für Ende März alles nicht rekordverdächtig, aber dennoch unter dem Klimamittel und eben aufgrund der milden Vorgeschichte bemerkenswert.

An der vorpommerschen Ostseeküste reichte es am Samstag und Sonntag außerdem für einzelne schwache Schneeschauer, ausgelöst durch den Feuchteeinschub vom Ostsee-Wasser und eine labile Schichtung aufgrund der vergleichsweise milden Wassertemperaturen.

Absolut „meldepflichtig“ war außerdem die sehr geringe relative Luftfeuchte. Am Tage lagen die Werte teils unter 30 %. Die Folge war zum einen, dass Reifglätte in den Morgenstunden trotz des Frostes kaum ein Thema wurde. Zum anderen trocknete die Wäsche auf Balkonien und Terrassien beinahe in Rekordgeschwindigkeit.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/luftfeuchtigkeit/20200325-1400z.html

Ein negativer Aspekt der Wetterlage ist derweil die ansteigende Waldbrandgefahr. Dazu trägt der seit dem Wochenende wehende kontinentale Ost- bis Südwind, viel Sonnenschein, die sehr trockene Luftmasse (=> hohe Verdunstung) und natürlich der ausbleibende Niederschlag bei.

In M-V gilt in den südlichen und südöstlichen Landesteilen mittlerweile die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe.
Quelle: https://www.dwd.de/DWD/warnungen/agrar/wbx/wbx_stationen.png

Wie geht es nun weiter? Bis zum Wochenende altert die Polarluftmasse zunehmend und erwärmt sich sowohl in der Höhe als auch in den bodennahen Schichten. Die Ost-Strömung lässt an Intensität nach und mit weiterhin viel Sonnenschein steigen die Temperaturen tagsüber, abseits der Küste mit Seewind, auf zweistellige Werte an. Nachts muss regional weiterhin mit leichtem Luftfrost, zumindest aber Bodenfrost gerechnet werden.

Zum Sonntag wird ein neuer Kaltlufteinbruch von Norden her erwartet!