Schneefall am 13./14.Oktober 2002

Winterliche Wetterkapriolen überraschten die Menschen im Osten Deutschlands Mitte Oktober 2002.

Ein kräftiges skandinavisches Hochdruckgebiet zapfte für die Jahreszeit ungewöhnlich kalte Luft aus Osteuropa an, welche sich dort zuvor angesammelt hatte. Mit östlicher Grundströmung wurde diese über Landweg bis nach Deutschland geführt. Von Westen rückten nun erste Tiefs an und schickten ihre Fronten voraus in die Kaltluft. Bei Höhenluft von -5°C in 850 hPa/1,5 km und andauerndem Ost/Südostwind fielen die Niederschläge entlang der Luftmassengrenze bis in tiefste Lagen in Sachsen, Brandenburg/Berlin und Mecklenburg-Vorpommern als Schneeregen oder reiner Schneefall.

Die weiße Pracht war bei Temperaturen um oder knapp über dem Gefrierpunkt nass und schwer, sodass es lokal gar zu umstürzenden Bäumen kam, welche zu dieser Zeit teilweise noch voll belaubt waren. Selbst direkt an der Ostsee konnten ab den Abendstunden des 13.Oktober bei ablandiger kontinentaler Windströmung Schneeflocken beobachtet werden. Die seit Juli 1946 bestehende Warnemünder Wetterwarte verzeichnete an diesem Tag das früheste Schneefallereignis.

Im Binnenland überzog eine geschlossene Schneedecke die Landschaft. In Carpin-Serrahn (71 m) bei Neustrelitz meldete der ehrenamtliche Beobachter zum Klimatermin am 14.10.2002 eine Schneehöhe von 8 cm. Auf der Insel Rügen bildete sich ebenfalls eine dünne weiße Schicht auf Straßen und Feldern. Es sind nicht viele derart frühe Wintereinbrüche mit Schneefällen in den letzten 150 Jahren bekannt. Auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern ist mit dem 11./12.10.1919 nur ein früheres Ereignis mit Ausbildung einer Schneedecke in den Klimastatistiken verzeichnet.

Am Morgen des 14.10.2002 um 08 Uhr war der Schnee teilweise bereits wieder geschmolzen, im Bereich Meckl. Seenplatte lagen noch bis zu 8 cm.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/schneehoehen-tag/20021014-0600z.html

Außergewöhnlich waren auch die niedrigen Lufttemperaturen am Tage des 13. und 14.Oktober 2002. Bei dichter Bewölkung, fehlender Sonnenstrahlung/geringer Globalstrahlung und zusätzlich Niederschlagsabkühlung stiegen die Werte gegenüber der Nacht kaum an und lagen beispielsweise zur Mittagszeit am 13.10. in der Müritzregion nur bei 0 bis 1°C. Selbst mitten am Tag konnte so der Schneefall liegenbleiben, besonders Richtung Brandenburg/Berlin und Sachsen.

Temp.-Messwerte am 13.10.2002 um 14 Uhr- Im Süden von MV schneite es bei lokal nur 0,5°C (Marniz bei Parchim).
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/temperatur/20021013-1200z.html

In den Folgetagen erreichte übrigens rasch deutlich mildere Luft den Nordosten. Am 16.10.2002 wurden bis zu 16°C im südlichen Mecklenburg gemessen und nichts erinnerte mehr an das verfrühte Winterintermezzo.

Niederschlagsentwicklung in MV seit 1881

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Auswertung zahlreicher Niederschlags-Mittelwerte des Deutschen Wetterdienstes für Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem erfolgt eine entsprechende Visualisierung in verschiedenen Grafiken. Betrachtet wird der Zeitraum seit 1881, der DWD schreibt zu den Gebietsmittelwerten:

Das Messnetz in Deutschland ist für die Temperatur und die Niederschlagshöhe seit Ende des 19. Jahrhunderts dicht genug, um Rasterfelder für die einzelnen Monate und daraus abgeleitete Mittelwerte zu gewinnen, sodass sich entsprechende Zeitreihendiagramme seit 1881 erstellen ließen.“

Spannend ist sicherlich die Frage: Gibt es einen Trend zu mehr Trockenheit/ Dürrejahren?  Schon auf den ersten Blick lässt sich aus den Diagrammen ableiten, dass keine klare Tendenz Richtung „trockener“ oder „nasser“ vorliegt. Auffällig ist zudem, dass schon immer eine große Variabilität vorherrschte. Die Niederschlagsausbeute schwankt von Jahr zu Jahr stark.

Viel wird über die extreme Trockensituation diskutiert, welche im Sommer 2018 ihren Ausgangspunkt hatte und auch im Verlauf diesen Jahres nicht ausreichend kompensiert werden konnte. In Vergessenheit geraten ist wohl bereits, dass 2017 der sechstnasseste Sommer in der Reihe seit 1881 war und zudem noch ein extrem niederschlagsreicher Oktober folgte, in welchem die A20 bei Tribsees nach Regentief Xavier wegbrach und selbst Anfang April 2018 in Folge der Osterschneefälle viele Äcker unter Wasser standen und mit landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen gar nicht befahren werden konnten. Danach kam die Dürre, doch wäre es nun nicht zu leicht, diese einfach dem Klimawandel in die Schuhe zu schieben? Wetter ist nicht gleich Klima! Ein einzelnes Wetterereignis kann nicht per se einer Klimaveränderung zugeschrieben werden. Dafür müssen mehrere Jahrzehnte ausgewertet werden, erst dann sind eindeutige Trends festzustellen.

Unbestritten ist, dass wir auch im Sommer 2019 eine große Trockenheit in vielen Teilen Deutschlands hatten, die 2018 auch einige Dürrerekorde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen brachte. Doch niemand weiß, ob in den nächsten Monaten bereits ergiebige Regenfälle und Hochwasser auf uns zukommen oder drei nasse Sommer in Folge bevorstehen.

Noch ein paar wichtige Hinweise zur Deutung und Interpretation der Grafiken:

Es handelt sich um Gebietsmittel, somit können diese Daten nicht auf einzelne Orte/Regionen in Mecklenburg-Vorpommern übertragen werden. Lokal kann es natürlich deutlich nasser oder trockener gewesen sein, zumal Niederschläge manchmal örtlich eng begrenzt auftreten. Schon ein Sommergewitter kann punktuell enorme Regenmengen bringen, während einige Kilometer entfernt kaum ein Tropfen fällt.

Bezüglich des Gebietsmittels muss man sich vorstellen, dass der Niederschlag über ganz MV in einem Jahr/Jahreszeit geglättet wird und einzelne Extremereignisse, sowohl nach unten als auch nach oben, herausfallen. Das ist genau der richtige Weg, um Trends zu erkennen, ob es insgesamt trockener oder nasser wird.

Außerdem ist zu beachten, dass aus den Kriegsjahren teils nur wenige Messwerte vorliegen und deshalb das Landesmittel vereinzelt nicht sonderlich repräsentativ ist, beispielsweise wenn keine Stationsmeldungen aus einer niederschlagsreichen Region eingingen.

In allen folgenden Hitlisten wurden die Jahre ab 1990 orange eingefärbt, um einen möglichen Trend in den vergangenen Jahrzehnten zu sehen.

Jahresniederschlag im MV-Mittel seit 1881

Quelle: https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/niederschlagsentwicklung-in-deutschland-seit-1881/

Hitliste der Jahre – Top 20 seit 1881

Während sich bei der Temperaturentwicklung ein klarer Erwärmungstrend zeigt, ist ein Trend beim Niederschlag nicht zu erkennen. Es finden sich seit 1990 vier Jahre unter den 20 trockensten Jahren und sogar acht Jahre unter den 20 nassesten Jahren. Es gab also seit 1990 sogar mehr sehr nasse Jahre als sehr trockene Jahre. Ein Trend zu Dürrejahren gibt es also (bisher) absolut nicht.

Quelle: https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/niederschlagsentwicklung-in-deutschland-seit-1881/

Niederschlag im MV-Mittel seit 1881 – Jahreszeiten

  • März, April Mai = Frühling
  • Juni, Juli, August = Sommer
  • September, Oktober, November = Herbst
  • Dezember, Januar, Februar = Winter

Hitliste der Jahreszeiten – Top 20 seit 1881

In der folgenden Liste sind aus allen Jahreszeiten jeweils die trockensten Jahreszeiten und die nassesten Jahreszeiten seit Messbeginn 1881 herausgefiltert worden. Es zeigt sich ein ähnliches Bild wie beim Jahresniederschlag. Näher sei beispielhaft auf den Winter und Frühling eingegangen: Bei Ersterem fällt durchaus eine Häufung nasser Vertreter auf. Dies wäre eine logische Folge, denn milde Winter (westliches Strömungsmuster, Tiefdruckaktivität) bringen oft mehr Niederschlag als Kaltwinter (kontinentale Luftmassen, Hochdruck). Der Frühling ist die einzige Jahreszeit, welche in den letzten 20 Jahren häufiger sehr trocken als deutlich zu nass ausfiel. Dies liegt besonders am Monat April, welcher zuletzt auffällig oft ein beachtliches Niederschlagsdefizit aufwies.

Quelle: https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/niederschlagsentwicklung-in-deutschland-seit-1881/

Rückblick: Sturm Mortimer in MV

Der zweite Herbststurm der Saison ist am Montag von West nach Ost über Mecklenburg-Vorpommern hinweg gezogen. Begleitet wurde das Tief von kräftigen Regenfällen, streckenweise fielen über 30 l/m² in 24 Stunden. Die Spitzenwindgeschwindigkeit verzeichnete die Wetterstation Hiddensee-Dornbusch mit 111 km/h (Bft 11). Abgesehen von diesem üblichen Verdächtigen, der Windmast ist auf dem Leuchtturm des rund 70 m hohen Dornbusch montiert, führten Stationen an der mecklenburgischen Küste die Hitliste an. In Heiligendamm wurden schwere Sturmböen bis 98 km/h gemessen. Im Binnenland lag der Höchstwert bei 94 km/h (Sukow-Levitzow nahe Teterow). Insgesamt kam die Region damit glimpflich davon, noch tags zuvor am Sonntag berechneten zahlreiche Wettermodelle auch einzelne orkanartige Böen um 110 km/h abseits der Küste.

Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume und abgerissene Äste traten erwartungsgemäß trotzdem in vielen Landesteilen auf. Lokal fiel im Landkreis Rostock kurzzeitig der Strom aus. Auf einigen Fährlinien wurde vorsichtshalber der Betrieb eingestellt, der Rostocker Zoo ging auf „Nummer sicher“ und blieb geschlossen.


Strand von Warnemünde- gegen 17:45 Uhr.
Böen 70-80 km/h (Bft 8-9) zum Aufnahmezeitpunkt.

Radaranimation Vormittag

Kräftige schauerartige Regenfälle im Bereich des Tiefkerns verlagerten sich zum Mittag von Mecklenburg nach Vorpommern. An der niederschlagsreichsten Station des Landes in Friedland summierten sich innerhalb von 12 Stunden 33 l/m².

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/mecklenburg-vorpommern/20190930-0800z.html#play2

Zum Nachmittag stellte sich nach Abzug des Tiefs in labiler Luftmasse typisches Rückseitenschauerwetter ein. Besonders entlang der Ostseeküste traten auch sonnige und längere trockene Abschnitte auf, wobei der Gradient nur langsam auffächerte und direkt an der Küste bis zum Abend weitere Sturmböen gemessen wurden.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/mecklenburg-vorpommern/20190930-1345z.html

Windspitzen Mecklenburg-Vorpommern (DWD-Stationen)

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/windboeen-6h/20190930-1200z.html

Der rekordkalte September 1912

Vor 107 Jahren erlebte Deutschland und auch Mecklenburg-Vorpommern einen außerordentlich kühlen Septembermonat. Die Mitteltemperaturen an den Wetterstationen lagen verbreitet 3 bis 4 Grad unter dem international gültigen Klimamittel der Periode 1961-1990 und es gab keinen einzigen warmen Tag mit Tagesmaxima von mindestens 20,0°C. Der Landeshöchstwert betrug lediglich 18,3°C (Greifswald).

Wie ist diese Kälte zustande gekommen?

In der ersten Monatshälfte bewegte sich ein Hochdruckgebiet vom Ostatlantik zu den Britischen Inseln, gleichzeitig befanden sich Tiefs über Skandinavien, womit uns in einer nördlichen Strömung polare Meeresluft erreichte. In der zweiten Monatshälfte etablierte sich dann – ganz ähnlich wie übrigens 2008- ein umfangreiches Hochdruckgebiet über dem Norden Europas. Die Folge war mit nordöstlicher Strömung ein frühzeitiger Einzug des Herbstes mit ersten Nachtfrösten. Die Ostsee wies nach einem ebenfalls deutlich unterdurchschnittlich temperierten August außerdem keine hohen Wassertemperaturen auf, sodass der Kälteeinbruch trotz des langen Weges der Luftmassen über das Meer nur wenig abgemildert werden konnte.

Vermutet wird, dass der kühle Sommer 1912 mit dem Höhepunkt eines sehr kühlen Septembers mit dem Ausbruch des Vulkans Katmai (Alaska) am 6. Juni 1912 in Zusammenhang steht.

Randnotiz: Der „Tiefpunkt“ war der 03.Oktober 1912. An diesem Tag registrierten die Wetterwarten Güstrow, Greifswald und Swinemünde sogar Schneeflocken im Niederschlag. Es ist bis heute der Rekord für den frühesten Schneefall in Mecklenburg-Vorpommern.

Monatsmittel Sept. 1912 MV-Stationen (Abw. zum Klimamittel 1961-90)

11,1°C Ostseebad Wustrow ( —)
11,0°C Kloster/Hiddensee (-2,9 K)
10,8°C Warnemünde (-3,1 K)
10,6°C Kirchdorf/Poel (-3,0 K)
10,5°C Greifswald (-2,9 K)
10,3°C Putbus/Rügen (-3,0 K)
9,9°C Schwerin (-3,6 K)
9,9°C Waren (Müritz) (-3,5 K)
9,6°C Güstrow (-3,8 K)
9,5°C Marnitz (-3,8 K)
9,4°C Neustrelitz (-3,5 K)
9,3°C Dömitz/Elbe (-4,1 K)

Zum Vergleich: Die Mitteltemperaturen des aktuellen Septembermonats 2019 liegen je nach Station innerhalb von MV zwischen 13,8°C und 15,6°C (+0,5 bis +1,5 K ggü 1961-1990). Dies verdeutlicht, wie frisch es im 1912er September gewesen sein muss.

Beispiel Klimastation Kirchdorf auf Poel:

Hitliste kälteste Septembermonate (seit 1852)

10,6 °C 1912
11,1 °C 1894
11,2 °C 1902
11,3 °C 1986
11,6 °C 1889

Mehrere Wasserhosen auf Rügen beobachtet

Foto: Jörg Poltz, Strand des Campingplatzes Drewoldke.
Quelle: https://tornadoliste.de/190919ruegen.htm

Am vergangenen Donnerstag (19.09.) wurden zwischen 17:25 und 18:05 Uhr gleich mehrere Tornados über der Ostsee vor der Nordküste Rügens gesichtet. Augenzeugen berichteten zeitweise gar von 6 Rüsseln über dem Wasser. Von verschiedenen Orten beobachteten Einheimische und Urlauber das Naturschauspiel, u.a. gingen Meldungen aus Vitt, Lohme und Drewoldke ein.

Die Wasserhosen entstanden an einer unscheinbaren, nicht sonderlich intensiven Schauerlinie. Im Radar zeigten sich lediglich mäßige Niederschlagssignale. Dennoch waren die Bedingungen für Tornados über der Ostsee sehr günstig. Es brauchte, wie üblich, nur „einfache“, nicht besonders hochreichende Cumuluswolken zur Entstehung.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/vorpommern-ruegen/20190919-1545z.html

Am Donnerstagabend herrschte eine maritime Polarluftmasse in unserer Region vor. Die Temperaturgegensätze zwischen der bodennahen Schicht über den Wasserflächen und der Höhenluft waren sehr groß. Das Oberflächenwasser der Ostsee ist nach dem Sommer immerhin noch 15 bis 16°C warm. Die Luftmasse war dadurch labil geschichtet und es herrschte eine gut ausgeprägte Thermik (viel Auftrieb in der unteren Atmosphäre), begünstigt auch durch eine küstennahe Bodenwindkonvergenz (W-Wind und N/NW-Wind strömten zusammen). Förderlich war zudem die insgesamt windschwache Lage, nach dem stürmischen Dienstag und Mittwoch hatten die Luftdruckgegensätze nachgelassen.

Die Tornados vom 19.September zogen vor der Küste der Insel Rügen entlang und trafen nicht auf Land. Fotos und Videos zeigten eindeutig aufgewirbeltes Wasser und bestätigten so den Bodenkontakt in mindestens zwei Fällen. Wasserhosen sind mitunter eine spektakuläre Erscheinung, jedoch in der Regel ungefährlich. In seltenen Fällen sind allerdings schon Boote, Segler oder Ausflugschiffe durch einen solchen Wirbelwind in Seenot geraten. Ebenso können Schäden auftreten, wenn ein Tornado ans Ufer zieht.

Nahezu jedes Jahr treten vor allem im Spätsommer und Herbst mehrere Wasserhosen vor den Küsten von Mecklenburg und Vorpommern auf, insgesamt sind sie etwas häufiger als Tornados an Land, die meist im Umfeld von Gewitterzellen entstehen.

Die „Tornadoliste Deutschland“ (=> https://tornadoliste.de/ ) zählt für 2019 in MV bisher 3 bestätigte Tornados (Rügen vom 19.09. als ein Fall gezählt, die anderen beiden ebenfalls Wasserhosen) und 9 Verdachtsfälle. Sollte es bis Jahresende in etwa dabei bleiben, fällt die Bilanz tendenziell durchschnittlich aus. Bezüglich Tornados über Land in diesem Jahr gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Unklar ist bei mehreren Verdachtsfällen, ob bei aufgetretenen Trichterwolken Bodenkontakt bestand oder ob Sturmschäden tatsächlich durch einen Tornado oder doch eher eine Gewitterfallböe verursacht wurden.

Foto: Susi Anderlik
Ein ungeklärter Fall vom 31.07.2019 aus Bülow bei Güstrow. Die Trichterwolke reicht weit hinab, aber erreichte sie wirklich den Boden?
Quelle: https://tornadoliste.de/190731buelow.htm

Beispielsweise 2006 wurden in Mecklenburg-Vorpommern und auf den dazugehörigen Küstengewässern sogar 30 Tornados und weitere 14 Verdachtsfälle registriert. Generell ist besonders bei den Wasserhosen von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Eine aussagekräftige Statistik kann zudem erst seit etwa 10 bis 15 Jahren erzeugt werden, je weiter man darüber hinaus in die Vergangenheit zurückblickt, umso weniger Fälle sind bekannt. Die Gründe sind einleuchtend: Heutzutage kann jeder schnell sein Handy zücken und fotografieren oder mitfilmen. Außerdem kam die Tornadodokumentation und -forschung in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg weitgehend zum Erliegen und wurde erst in den 2000er Jahren wieder aufgenommen. Anfang des 20. Jahrhunderts war Deutschland übrigens noch weltweit führend in der Tornadoforschung. Im Jahre 1917 erschien das bis heute anerkannte Buch „Wind- und Wasserhosen in Europa“ von Alfred Wegener.

Septemberhitze in den Jahren 1919, 1929 und 1947

Am 16.09.1947 war nochmal Schwitzen angesagt, die Temperaturen erreichen bis zu 33°C in Boizenburg.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/tageshoechsttemperatur/19470917-0000z.html

Ein Blick auf die Extremwerte für den ersten meteorologischen Herbstmonat offenbart Überraschendes: Die höchsten September-Temperaturen in Mecklenburg-Vorpommern wurden nicht etwa in diesem Jahrhundert, sondern überwiegend schon vor mehr als 70 Jahren registriert. Die flächig gesehen heißesten Septembertage sind für den 01.09.1929 (sogar heißester Tag des Jahres) und 12./13.09.1919 verzeichnet.


Die höchsten Tagesmaxima des Monats September – MV-Wetterstationen

34.5°C Dömitz/Elbe (01.09.1929)
34.2°C Marnitz (13.09.1919)
34.2°C Neustrelitz (13.09.1919)
34.2°C Rostock-Stadt (12./13.09.1919)
33.5°C Marnitz (01.09.1929)
33.4°C Boizenburg/Elbe (16.09.1947)
33.4°C Marnitz (12.09.1919)
33.4°C Rostock-Stadt (01.09.1929)
33.1°C Güstrow (01.09.1929)
33.0°C Neubrandenburg (01.09.1929)
32.9°C Schwerin (01.09.1929)
32.9°C Kirchdorf/Poel (01.09.1929)
32.4°C Waren (Müritz) (12./13.09.1919)
32.4°C Warnemünde (16.09.1947)
32.2°C Boizenburg/Elbe (20.09.1947)


Damit sich die Luft zu fortgeschrittener Jahreszeit derart erwärmen kann, ist die Advektion subtropischer Luftmassen auf direktem Wege erforderlich. Mitte September 1919 waren die Bedingungen dafür optimal: Eine umfangreiche Hochdruckzone lag über Mittel- und Osteuropa, während von Island bis zu den Britischen Inseln tiefer Luftdruck vorherrschte. Diese Ausgangslage begünstigte den Zustrom subtropischer Luftmassen aus dem Mittelmeerraum und dem Norden Afrikas. Gleich drei Tage in Folge wurde in Westmecklenburg an den Klimastationen Schwerin und Marnitz bei Parchim über 30°C registriert (11.-13.09.).

Im September 1947 kam die Hitze schubweise und selbst in der zweiten Monatshälfte traten am 16. und 20. nochmals Heiße Tage (Tmax >=30.0°C) auf. Der 20.09.1947 trägt bis heute den Rekord für den spätesten Hitzetag in Mecklenburg. Selbst direkt an der Ostsee in Warnemünde überschritt das Thermometer die 30-Grad-Marke.


Die spätesten Hitzetage (Tmax >=30.0°C) – MV-Wetterstationen

20.09.1947 verbreitet in Mecklenburg
19.09.1989 Neubrandenburg, Ueckermünde
18.09.2018 Boizenburg, Kirchdorf/Poel, Schwerin
16.09.1947 viele Stationen in MV
14.09.2016 Boizenburg, Kirchdorf/Poel


Nach 1947 konnten in Mecklenburg-Vorpommern keine Septembertemperaturen über 32°C mehr gemessen werden. Der 01.09.2009 reicht jedoch heran an die Hitze von 1919, 1929 und 1947. In Teterow wurden 32,0°C gemessen, in Schwerin und Boizenburg lag das Maximum bei 31,9°C. Auch vor 3 Jahren, am 13.09.2016, meldeten die Stationen ungewöhnlich heiße 30 bis 32°C.

Die 34°C vom 01.09.1929 und 13.09.1919 bleiben jedoch weiterhin ungeschlagen, obwohl diese Wärmerekorde bereits über 90 bzw. 100 Jahre in der Vergangenheit liegen. Eine Seltenheit, für viele andere Monate lassen sich Spitzenreiter aus den letzten 20 Jahren (besonders seit 1990er-Jahren) ausmachen. Betrachtet man die monatlichen Temperatur-Landesrekorde für Mecklenburg-Vorpommern, so stammt neben dem September nur der Maximalwert für den Mai (23./24.05.1922) aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. Kurios außerdem: Die Wärmerekorde für März und April und November stammen aus demselben Jahr, nämlich 1968.

Angemerkt werden muss, dass lediglich Höchsttemperaturen aus den Jahrgängen ab etwa 1880 für die Auswertung herangezogen werden können, da zuvor auch die offiziellen Stationen in der Regel nicht mit Extremthermometern (für Maxima/Minima) ausgerüstet waren, sodass nur Terminwerte der Temperatur (bspw. 07, 13, 19 Uhr oder sogar stündlich) vorliegen, in den Zeit dazwischen jedoch höhere Werte aufgetreten sein könnten, welche damals nicht dokumentierbar waren. Zudem mangelte es häufig an Strahlungsschutz und die Aufstellung der Geräte bzw. Gerätehöhe ist nicht mit den heutigen Messvorschriften vergleichbar.

Vb-Tief bringt bis zu 50 l/m² in MV

Im westlichen Landkreis Rostock meldete mehrere Stationen 24-stündige Regenmengen von über 30 l/m².
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme/20190910-0600z.html

Endlich einmal flächendeckende und ergiebige Regenfälle in weiten Teilen Ostdeutschlands- das VB-Tief HANS zog beginnend am Sonntag (08.09.) von Oberitalien über die Alpen nach Bayern und schließlich weiter nordwärts über Tschechien und Brandenburg zur Polnischen Ostsee. Es lenkte an seiner Ostseite warme und sehr feuchte Luftmassen gen Norden, an der Westflanke wurde dagegen kühle Luft angesaugt. Im Übergangsbereich gleitet die um den Tiefkern herumgeholte Warmluft auf die Kaltluft auf (Hebung) und löst damit anhaltende und teils intensive Niederschläge aus. Labilisierung durch das sommerwarme Ostseewasser und etwas energiereichere Luft in Vorpommern sorgten für schauerartige Verstärkungen in den Regenfällen.

Diese waren in den meisten Gebieten dringend nötig, vielerorts ist die Dürre bis in tiefe Bodenschichten ausgeprägt. Auch die besonders trockenen Regionen in Brandenburg und rund um Leipzig und Halle haben diesmal abgeräumt und etwa 15 bis 35 l/m² erhalten.


Kleiner Exkurs: Das Vb-Tief wird eigentlich Fünf-b-Tief ausgesprochen, denn mit dem V ist die römische Zahl gemeint. Der Begriff geht auf den deutschen Meteorologen Wilhelm Jacob van Bebber zurück, welcher die Zugbahnen der Tiefs in den Jahren 1876 bis 1880 untersuchte und daraus 1891 eine Karte mit bevorzugten Zugbahnen (1 bis 5c) erstellte. Dieses System ist mittlerweile weitgehend in Vergessenheit geraten, nur die Vb-Zugbahn hat bis heute „überlebt“ und ist ein gängiger Begriff in der Meteorologie. Ein Vb-Tief zieht vom Mittelmeer nach Norden bis Nordosten und kann vor allem im östlichen Mitteleuropa schwere Unwetter hervorrufen.


Niederschlagsschwerpunkt etwa vom Raum Rostock bis zur Insel Rügen.
Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/regensummen/mecklenburg-vorpommern/niederschlagssumme-48std/20190910-2250z.html

In Mecklenburg-Vorpommern fiel am meisten Regen im westlichen Landkreis Rostock und auf Rügen mit lokal um 50 l/m² innerhalb von 48 Stunden. Kaum nennenswerte Mengen für die Natur kamen im Süden und Südosten des Landes in der Region Neubrandenburg/Woldegk zusammen. Dort fiel das Niederschlagsdefizit in den letzten Monaten jedoch nicht so groß aus. Die trockenste Station Trollenhagen/Flugplatz verzeichnete während der Vb-Wetterlage nur 3,4 l/m², während die landesweit niederschlagsreichste Station Bergen auf Rügen exakt 60,0 l/m² von Sonntagabend bis Mittwoch früh meldete. Damit ist in der Inselhauptstadt die durchschnittliche Septemberniederschlagsmenge bereits erreicht.

Begonnen haben die Regenfälle in MV im Einflussbereich von HANS in der Nacht zum Montag im Osten und Süden des Landes. Auf Rügen summierten sich bereits bis zu 17 l/m². Tagsüber am Montag schwenkte dann ein kompaktes Regengebiet mit schauerartigen Starkregeneinlagen über weite Landesteile, zum Nachmittag und Abend lag der Schwerpunkt schließlich in Mecklenburg und in den östlichen Landesteilen trocknete es vorübergehend ab. In der Nacht zum Dienstag erreichte Tief HANS die polnische Ostseeküste und an der Westflanke drehten sich die Regenschlieren im Radar zunächst über der mecklenburgischen Küste und zum Morgen erneut über Rügen ein. Erst zum Dienstagabend zog HANS Richtung Baltikum ab und mit ihm die Niederschlagsechos. Im Westen und Süden Mecklenburgs lugte die Sonne bereits hervor, während auf der größten deutschen Insel noch Regenwetter herrschte.


Die höchsten 72-h-Mengen von 08.09. 08 Uhr bis 11.09. 08 Uhr in MV
60,0 l/m² Bergen auf Rügen
57,2 l/m² Ostseeheilbad Zingst
54,7 l/m² Hiddensee-Dünenheide
47,4 l/m² Satow-Reinshagen bei Rostock
45,0 l/m² Sagard bei Sassnitz

Die höchsten 24-h- Mengen während Tief HANS in MV
45,4 l/m² Satow-Reinshagen bei Rostock
39,0 l/m² Ostseeheilbad Zingst
36,2 l/m² Bergen auf Rügen
34,3 l/m² Gersdorf bei Kröpelin
31,9 l/m² Parum bei Güstrow
31,5 l/m² Neubukow

Die niedrigsten 72-h-Mengen von 08.09. 08 Uhr bis 11.09. 08 Uhr in MV
3,4 l/m² Trollenhagen bei Neubrandenburg
4,9 l/m² Friedland
5,4 l/m² Schönbeck
5,6 l/m² Strasburg
5,8 l/m² Groß Lukow