Das Klima von Warnemünde

Klimadiagramme

Das Klima im Ostseebad Warnemünde

-Geografische Lage: 54°18’N 12°08’O / Höhe 4m-

Temperatur

Rostock-Warnemünde, direkt an der Ostseeküste gelegen, weist Merkmale eines typischen Küstenklimas auf: Bei auflandigem Wind wird Warnemünde maritim beeinflusst und in der Regel liegen die Temperaturen im Frühjahr und Sommer dann tagsüber unter dem Binnenlandniveau, während ein Seewind im Herbst und Winter einen eher milden Einfluss hat. Ablandiger Landwind dagegen sorgt für Eigenschaften eines kontinentalen Klimas. Im Sommer können dann auch tropische Temperaturen von über 30°C am Strand erreicht werden, genauso wie im Winter mit Wind vom Land eisige Kälte mit zweistelligen Minusgraden möglich ist.

Insgesamt kommen Extremtemperaturen an der Küste allerdings deutlich seltener vor. Ursächlich dafür ist die Ostsee, genauer gesagt das Gesetz der thermischen Trägheit. Verglichen mit den Landtemperaturen erwärmt sich das Wasser im Frühjahr nur langsam und in geringerem Ausmaß und fungiert dann zum Herbst hin als Wärmespeicher und sorgt für ein verspätetes Einsetzen des Winters gegenüber dem kontinentalen Raum. Dieser Effekt ist auf den Inseln natürlich noch deutlicher zu spüren.

Die unmittelbare Nähe zum Meer sorgt für vergleichsweise geringe Schwankungen im mittleren Tages- und Jahresgang der Lufttemperatur.

Gerade von April bis Juni sind große Temperatursprünge innerhalb kurzer Zeit bzw. von einem Tag zum anderen durchaus nicht ungewöhnlich. Südwind kann selbst im zeitigen Frühjahr schon sommerliches Flair am Ostsee-Strand bewirken, ein Kippen der Strömung auf Nordwest (auflandig) kurze Zeit später schon wieder Bibbern erzeugen. Das Beständige am Küstenwetter ist die Unbeständigkeit. Das gilt für die Nordsee noch mehr als für die Ostsee.

Normalerweise dominiert eine westliche Strömung über Nord- und Mitteleuropa und somit auch in unserem Ostseeraum. Atlantische Tiefs mit ihren Fronten und Zwischenhochs wechseln sich ab und sorgen für insgesamt wechselhafte Verhältnisse und gemäßigten Temperaturen. Positionieren sich stabile Hochdruckgebiete über Skandinavien, dann ist auch über einen längeren Zeitraum warmes und störungsfreies Sommerwetter bzw. knackig kaltes Winterwetter möglich. Heiße Tage treten meist nicht am Stück hintereinander auf, sondern leiten einen Wetterwechsel ein.

Nach dem Referenzzeitraum 1981-2010 liegt die Jahresmitteltemperatur von Warnemünde bei 9,2°C. An 55 Tagen im Jahr muss mit Frost gerechnet werden, an gemittelt 18 Tagen steigt das Thermometer auf sommerliche Temperaturen von mindestens 25°C an. Während auf den Inseln meist erst der August der wärmste Monat des Jahres ist, liegt in Warnemünde der Juli (18,0°C) im Mittel leicht vorn. Der kältete Monat ist im Rostocker Ostseebad in der Regel der Januar (1,4°C).

Die „neuere“ Vergleichsperiode 1989-2018 gibt 9,7°C an bei 49 Frosttagen und 20 Sommertagen.

Niederschlag

Obwohl häufig das Klischee des nassen und kühlen Wetters der Küste besteht, sind die langjährigen Niederschlagsmengen der Küstenstationen im Vergleich zum südlichen Binnenland von M-V oder auch Regionen in Süd- und Westdeutschland eher gering. Bei der klassischen West-Ost-Verlagerung der Tiefausläufer vom Atlantik regnet es sich häufig schon über Schleswig-Holstein ab. Zumindest schwächeln viele Fronten auf dem Weg nach Osten.

Neben dem Februar ist der April an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern der niederschlagsärmste Monat. Der Grund dafür ist das noch winterkalte Ostseewasser. Schauerwolken bietet das sich tagsüber deutlich erwärmende Festland günstigere Entwicklungsbedingungen (Thermik!), während über den kühlen Wasserflächen Absinken dominiert und eine stabile Luftschichtung vorherrscht. Somit kann selbst das sogenannte „Aprilwetter“ bei Tiefdruckeinfluss an der Küste wenig Schrecken verbreiten. Weht im Frühjahr bis Frühsommer eine auflandige Brise bleiben die entsprechenden Küstenabschnitte tagsüber in der Regel von konvektivem Niederschlag verschont. Dieses Prinzip erklärt auch die vielen sonnigen und wolkenarmen Tage an der Ostseeküste von April bis Juni. Quellwolken bilden sich meist erst im Hinterland südlich der Rostocker Strände.

Im Spätsommer und Herbst dreht sich der Effekt um. Dann treten schauerartige Niederschläge verstärkt über dem Meer und folglich auch im Küstenumfeld auf.

Für die Vergleichsperiode 1981-2010 ergibt sich in Warnemünde ein Jahresniederschlag von 616 l/m², verteilt auf 175 Niederschlagstage (mind. 0,1 l/m²). Die höchste monatliche Anzahl weist der Januar mit 17 Niederschlagstagen auf, viele trockene Tage dominieren dagegen in den Monaten April und Mai.

Frost und Schnee lassen in Warnemünde meist etwas länger auf sich warten als im angrenzenden Binnenland, da mit Wind vom Wasser bodennah milde Luft herangeführt wird. Bei einer kontinentalen Strömung kann aber auch im November oder gar Oktober schon Schnee direkt an der Küste fallen. Die erste Schneedecke des Winters tritt im Ostseebad durchschnittlich am 14.Dezember, die letzte zum Frühling hin am 14.März auf. An gemittelt 24 Tagen im Jahr kann eine Schneedecke beobachtet werden.

Gewitter sind im Jahresverlauf in Warnemünde seltener als über der Rostocker Innenstadt bzw. im südlichen Landkreis Rostock. Gerade im Frühjahr und Frühsommer kann ein kühler Seewind das Übergreifen eines Gewitters von Land auf See verhindern. In den Monaten August bis Oktober können sich dagegen auch Gewitter direkt über dem Meer bilden (Lake-Effekt, feucht-labile Schichtung durch sommerwarmes Meerwasser, auch nachts).

Die mittlere jährliche Anzahl an Gewittertagen liegt für den 30-jährigen Zeitraum 1981-2010 bei 18,4 Tagen. Am häufigsten treten Blitz und Donner im Juli und August auf (4 bis 5 Tage jeweils).

Sonnenschein

Küstenstationen, wie Warnemünde, sammeln besonders im Frühjahr viele Sonnenstunden, da zu dieser Zeit Hochdruckwetterlagen häufig auftreten und das noch meist kalte Ostseewasser Quellwolkenbildung erschwert. Der durchschnittlich trübste Monat ist der Dezember, wenn durch wiederholt durchziehende Tiefdruckgebiete und eigenständige Wolkenbildung über der nun noch recht warmen Ostsee die Sonne einen schweren Stand hat.

Im Jahresmittel der Periode 1981-2010 errechnen sich 1740 Sonnenstunden für Warnemünde bei einem durchschnittlichen Bedeckungsgrad des Himmels von 5,5 Achteln.

Wind

Generell gilt: Aufgrund der geringeren Reibung besteht über der offenen See ein um 1 bis 2 Windstärken kräftigerer Wind als bei gleichem Luftdruckgradient über Landflächen. Wenn nun auflandiger, von der Ostsee zum Land, gerichteter Wind weht, macht sich dieser Effekt auch unmittelbar an der Küste bemerkbar. Deshalb weist Warnemünde eine im Mittel höhe Windgeschwindigkeit als die angrenzenden Binnenlandstationen auf.

Hinzu kommt, dass bei Windrichtungen um 300° Nordwest ein orographischer Effekt zum Tragen kommt. Bei dieser Windrichtung gilt Warnemünde als windigster Ort der deutschen Ostseeküste, aufgrund der trichterförmigen Windverstärkung des Fehmarnbelt (Düseneffekt).

Außerdem kann sich bei nordwestlicher Strömung ein recht großer Fetch (Wirklänge des Windes über Wasser) aufbauen, immerhin beträgt die Luftlinie über Wasser von der Flensburger Förde bis Warnemünde rund 180 km.

Bei östlicher Strömung liegt Warnemünde dagegen im Windschatten von Darß und Rügen und die Windmittel sowie die anbrandenden Wellen sind eher niedrig.

Der wichtigste lokale Wetterprozess an der Ostseeküste ist die Seewindzirkulation. Diese kann sich besonders bei freundlichen und windschwachen Hochdruckwetterlagen (geringe Luftdruckgegensätze) im Frühjahr und Sommer ausbilden und betrifft nicht selten nur den unmittelbaren Küstenstreifen. Im Verlauf eines sonnigen Tages stellen sich große Temperaturgegensätze zwischen der sich deutlich erwärmenden und aufsteigenden Luft über dem Festland und der kühl bleibenden Luft über den Wasserflächen der Ostsee ein. Über Land fällt in der Folge der Luftdruck durch das Abströmen der Luft in die Höhe. Als Ausgleich setzt bereits am Vormittag ein vom Meer zum Land gerichteter auflandiger Wind ein. Manchmal stellt sich kein Seewind ein, nämlich wenn das großräumige Windfeld, resultierend aus der Druckverteilung, eine gut ausgeprägte Südost- bis Südströmung erzeugt. Dagegen kommt der Seewind dann nicht an und am Strand von Warnemünde ist es genauso warm / heiß wie im tiefsten Binnenland.

Die Windrichtung hat zudem einen großen Einfluss auf die ufernahe Wassertemperatur der Ostsee. Bei ablandigem Wind wird in der Urlaubssaison das erwärmte Oberflächenwasser auf die offene See hinausgedrängt und kaltes Tiefenwasser quillt empor. Bei auflandigem Wind dagegen ist die Luft am Strand bisweilen recht frisch, aber das vergleichsweise warme Wasser „sammelt“ sich am Ufer.

Mit den im Jahresmittel am häufigsten vorkommenden südwest- bis westlichen Winden werden atlantische, feuchte und wolkenreiche Luftmassen herangeführt, die die Witterung im Winter mild und im Sommer mäßig warm gestalten.

Das Jahreswindmittel liegt bei etwa 5 m/s (18 km/h, Bft 3). An 51 Tagen im Jahr sind Sturmböen (mindestens Stärke 8) zu erwarten. Die windigsten Monate sind November, Dezember und Januar, windarm ist normalerweise der Mai, gefolgt vom August.

Seenebel

Von Februar bis Juni ist die Hochzeit für Seenebeleinbrüche, denn das Wasser der Ostsee ist noch kalt. Wenn zu dieser Zeit feuchtwarme Luft von Süden in den Ostseeraum strömt, sind die Sichtverhältnisse häufig schlecht und bei auflandiger Windströmung nebelt es auch an der Küste ein. Schon wenige hundert Meter weiter im Landesinneren kann wieder die Sonne scheinen.

Im Herbst dagegen erreicht Warnemünde gelegentlich Strahlungsnebel aus dem Binnenland, während über dem sommerwarmen Meer kaum Nebel entsteht.

Der Mittelwert des Abschnitts 1981-2010 beträgt 38,4 Nebeltage pro Jahr, wobei als nebelreichste Monat der Januar gilt, gefolgt von März und Dezember

Sonstiges

Die Lage an der Ostsee und der freie Nord- bis Westhorizont ermöglichen besonders eindrucksvolle Dämmerungserscheinungen (Sonnenauf- und Sonnenuntergänge) und bei klarer nordischer Luft gute Fernsichten. Auch Gewitterkomplexe mit ihren Böenfronten zählen zu den spektakulären Wetterbeobachtungen, sowie die im späten Frühjahr und Sommer gelegentlich auftretenden Leuchtenden Nachtwolken.

Die schwersten Unwetter in Warnemünde kommen in der Regel durch Sturm- und Orkantiefs (max. Ereignis 13.11.1972 mit knapp 150 km/h) sowie damit verbundenes Sturmhochwasser oder im Winter durch blizzardartige Ostsee-Zyklonen mit viel Neuschnee (Lake Effekt) und Vereisung der Ostsee zustande (max. Ereignis: Januar 1987 mit bis zu 55 cm Schnee).

Windstille ist in Warnemünde selten, nicht zuletzt aufgrund der Land- und Seewindwindzirkulation. So kommt es zu einer ständigen Durchmischung der Luftmasse und „Smog-Wetterlagen“ treten nahezu überhaupt nicht auf. Die gesunde Ostsee-Luft ist durch einen hohen Sauerstoffgehalt, ihren Salz- und Jodanteil und geringe Pollenkonzentration gekennzeichnet. Die ständigen Windrichtungsänderungen wirken wie ein Luftwechselbad, ebenfalls wohltuend und gesundheitsfördernd.