Stationshistorie Rostock & Warnemünde

Stationshistorie- Geschichte der meteorologischen Beobachtungen im Raum Rostock

In Rostock wurde bereits zwischen 1771 und 1806 und damit vergleichsweise früh mit ersten dokumentierten Wetteraufzeichnungen begonnen. Durchgeführt wurde diese Beobachtungen durch Professor SCHADELOOCK an der Rostocker Universität. Im Februar 1832 begann die ununterbrochen fortgesetzte Klimareihe der Hansestadt mit zunächst 3 festen täglichen Messterminen unter der Betreuung von Physikprofessor Hermann KARSTEN. Damit verfügt Rostock über die älteste Messreihe in Mecklenburg-Vorpommern. Wetterstationen, die bereits über 100 Jahre weitgehend ohne Unterbrechung bestehen und noch heute aktiv sind, gibt es in M-V außerdem in:

  • Schwerin, seit Februar 1849
  • Kirchdorf/Poel, seit September 1852
  • Putbus auf Rügen, seit Juli 1853
  • Marnitz, seit Dezember 1864
  • Greifswald, seit 1879

Die Rostocker Station wurde 1852 in das erste staatliche Stationsnetz Mecklenburgs integriert, deren Zentrale sich in Schwerin befand. An der Uni Rostock wurde noch bis 1878 das Wetter beobachtet, in den letzten Jahren jedoch nicht mehr am Physikalischen Institut, sondern die Instrumente fanden Platz im Garten von Professor KARSTEN. Danach erfolgte eine Verlegung der Station nach Barnstorf zur Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt. Hier konnten die Messungen unter Leitung von Prof. HEINRICH durchgeführt werden. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Wetteraufzeichnungen in der Stadt mit nur kurzen Unterbrechungen von verschiedenen Personen weitergeführt. Ende der 1960er-Jahre wurde die nebenamtliche Rostocker Klimastation schließlich vom Meteorologischen Dienst der DDR aufgegeben.

Zur Warnemünder Wetterbeobachtungsgeschichte:

Die 1868 gegründete Deutsche Seewarte unterhielt von 1877 an eine Signalstelle 1. Klasse im Ostseebad. Es wurden Wind- und Wetterbeobachtungen durchgeführt und von Lotsenkommandeur St. Jantzen veröffentlicht. Eine private Windbeobachtungsreihe für Warnemünde existiert bereits für den Zeitraum 1841-1848. Seit etwa 1850 beobachteten wachhabende Lotsen einige Elemente wie Sichtweite, Wolken, Wind, Temperatur und Eisverhältnisse und meldeten diese an die Deutsche Seewarte Hamburg.

Von 1914 bis 1918 sowie 1922 bis 1945 befand sich eine mit Fachmeteorologen besetzte Wetterwarte im Befehlsgebäude auf dem Flugplatz in Hohe Düne. Es lag direkt an der Straße Warnemünde-Markgrafenheide und war nur etwa 700 m von der Warnow und 100 m von der Ostsee entfernt. Der Beobachtungsdienst wurde nach Bombardierung des Geländes im Februar 1945 eingestellt.

Nach dem Krieg erfolgte am 15.01.1946 die Einrichtung der meteorologischen Station Warnemünde in der Richthofenstraße 4 (heute Parkstraße). Ursächlich für die Aufnahme der Wettermeldestellen in Mecklenburg war ein geheimer Befehl der sowjetischen Militäradministration im November 1945. In Warnemünde musste zunächst auf einfachste Messinstrumente, teilweise noch aus Beständen des Reichswetterdienstes, zurückgegriffen werden. Zum 01.05.1946 erfolgte die Verlegung in die Seestraße 15a, wo die Station noch heute zu finden ist. Ab 01.07.1946 liegen lückenlose Beobachtungstagebücher im Archiv der Wetterwarte vor. Die Ausstattung zur Wetteraufzeichnung wurde ständig verbessert. Nachdem zunächst lediglich Barometer, Barograph, 2 Thermometer, Aspirationspsychrometer nach Aßmann und eine Handwindmesser zur Verfügung standen, folgten noch im September 1946 ein Strahlungsmessgerät und im Februar 1947 ein Sonnenscheinautograph.

Zwischen Strand und Promenade wurde das bis heute einzige Dünenmessfeld an der deutschen Ostseeküste errichtet. Hier fand die Thermometerhütte ihren Platz. Messungen des Niederschlags und der Erdbodentemperatur wurden im Klimagarten hinter dem Wetterdienstgebäude durchgeführt.

Bis heute gab es seit Betriebsaufnahme der Wetterstation im Jahre 1946 keinen Standortwechsel. Dies macht die mittlerweile über 70-jährige Klimareihe von Warnemünde besonders. Die technischen Möglichkeiten, meteorologische Messungen zu automatisieren, haben besonders seit den 1990er-Jahren stark zugenommen. In Warnemünde erfolgte der erste Schritt dahin mit der Inbetriebnahme der AFMS-2 („Automatisch Fernmeldende Meteorologische Station 2.Generation“) im September 1990.

Viele Jahre existierte nicht nur der Beobachtungsdienst im Ostseebad, sondern ein renommiertes Wetteramt mit Wettervorhersagedienst (Seewetterdienststelle seit 1951), welcher trotz zahlreicher Kritiker zum 31.03.1995 eingestellt und durch das Seewetteramt Hamburg bzw. die Regionalzentrale Potsdam übernommen wurde. Somit erfolgte nun die meteorologische Versorgung MVs von anderen Bundesländern aus.

2008 kam es zur technischen Umrüstung der Warnemünder Station auf AMDA I Messtechnik (AMDA: Automatische Datenerfassungsanlage für bemannte Stationen). Dafür legte man ein vergrößertes Dünenmessfeld an und immer weniger Messwerte wurden noch manuell durch den Wetterbeobachter abgelesen und bestimmt.

Die Automatisierung der meteorologischen Messungen schritt immer weiter voran. Gemäß der Messnetzstrategie des DWD, wonach bis 2020/2021 alle Wetterstationen und Wetterwarten im Bundesgebiet auf vollautomatischen Betrieb umgestellt werden sollen, waren erste Auswirkungen auch im Seebad zu spüren. Zunächst wurde die Nachtschicht gestrichen, sodass nur noch tagsüber geschultes Personal das Wetter beobachtete. Am 10.09.2016 war die Station Warnemünde erstmals Tagdienstautomat. Es war der Anfang vom Ende, denn ab dem 23.11.2016 ist die DWD-Station nun unbemannt und somit im vollautomatischen Messbetrieb ohne ergänzende Messungen und Augenbeobachtungen der Wetterdiensttechniker.

Noch im Jahr 2007 feierte der Deutsche Wetterdienst das 175-jährige Beobachtungsjubiläum im Raum Rostock, im Herbst 2016 war dann nach 184 Jahren Schluss.